Erschaffe dein digitales Erbe mit Kazuki Nakayashiki, Mitbegründer von Glasp!

Lies diesen Artikel im Original auf der Website von Anne-Laure Le Cunff: https://nesslabs.com/glasp-featured-tool#more-12505

Lesedauer: 18 Minuten

Willkommen zu dieser Ausgabe unserer Reihe „Tools for Thought“, in der wir Gründer interviewen, die uns helfen wollen, besser zu denken und versuchen ihre intellektuellen und kreativen Ambitionen zu verwirklichen. Kazuki Nakayashiki ist Mitbegründer von Glasp, einem Social Web Clipper, der es Nutzern ermöglicht, ihre Markierungen und Notizen während des Lesens mit anderen zu teilen, ohne zwischen Web und einer App für Notizen hin und her zu wechseln.

In diesem Interview sprachen wir über die Natur des menschlichen Erbes, das Problem der Wissensisolation, zufällige Wiederholungen, soziales Wissensmanagement und kollektive Intelligenz. Aber auch über Lernen in der Öffentlichkeit, die Auswirkung von sozialer Verantwortlichkeit auf das Notizen machen und vieles mehr. Viel Spaß beim Lesen!

Hallo Kazuki, vielen Dank, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Glasp steht für „Greatest Legacy Accumulated as Shared Proof“ — kannst du uns mehr darüber erzählen, was das bedeutet?

Vielen Dank, dass du mich eingeladen hast. Ich bin ein großer Fan von Ness Labs und fühle mich geehrt, heute hier zu sein. Zunächst einmal glauben wir, dass Lernen, Erfahrungen sammeln und Wissen an künftige Generationen weitergeben, die edelsten Beschäftigungen sind. Die Gegenwart, in der wir heute leben, baut auf dem auf, was unsere Vorgänger in der Vergangenheit geschaffen haben.

Wenn wir von Vermächtnis sprechen, bedeutet das nicht unbedingt, dass man ein erfolgreiches Unternehmen oder viel Geld hinterlassen muss. Natürlich ist es wunderbar, diese Dinge zu hinterlassen, aber ich glaube, es sind nicht die wichtigsten Vermächtnisse.
Denn nicht jeder kann sie hinterlassen.

Das größte Vermächtnis besteht meiner Meinung nach darin, ein mutiges Leben zu führen. Es besteht in der Haltung, sich von Schwierigkeiten nicht entmutigen zu lassen, nicht zu pessimistisch zu sein und auf Möglichkeiten und Hoffnungen der Menschheit zu setzen. Ich glaube, es besteht darin, dass wir unser Wissen, unsere Weisheit und unsere Geschichte der nächsten Generation hinterlassen.

Auch wenn wir auf den Schultern unserer Vorgänger stehen, wissen wir nicht, wie oder von wem all dieses Wissen zusammengetragen wurde. Mit Glasp wollen wir es den Menschen ermöglichen, das wichtigste Erbe zu hinterlassen, zu teilen und zu verbinden. Unser Ziel ist es, den Zugang zu Wissen und zu den Erfahrungen anderer Menschen, die sie im Laufe ihres Lebens gesammelt haben, zu demokratisieren. Auf diese Weise können wir vielleicht anderen helfen, die in der Zukunft einen ähnlichen Weg einschlagen wollen.

Das ist eine ehrgeizige Aufgabe. Gab es einen „Aha“-Moment, der Sie zur Gründung von Glasp inspiriert hat?

Im Alter von 20 Jahren hatte ich eine Nahtoderfahrung. Ich erlitt ein plötzliches subdurales Hämatom (Hirnhautblutung), das die linke Seite meines Körpers lähmte. Mein damaliger Arzt sagte mir, dass ich jeden Moment sterben könnte. Ich wurde ins Krankenhaus eingeliefert und einer Notoperation unterzogen. Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl von Angst und Leere, das aus den Tiefen meines Körpers aufstieg und das sich nicht in Worte fassen lässt. Es kam auf, als ich mit der Realität konfrontiert wurde, dass mir die Normalität von gestern plötzlich genommen wurde und dass ich von dieser Welt verschwinden könnte.

Seitdem wollte ich ein Erbe hinterlassen, das mir das Gefühl gibt, auch nur einen kleinen Beitrag zur Zukunft der Menschheit geleistet zu haben — ein Vermächtnis, das der Beweis und der Sinn meines Daseins in dieser Welt sein ist.

Ich weiß nicht, ob das, was ich hinterlasse, für jemanden wirklich nützlich ist. Das ist eine Frage der Subjektivität. Aber so wie der Abfall eines Menschen der Schatz eines anderen ist, glaube ich, dass meine Erfahrungen und mein Wissen für jemanden in der Zukunft nützlich sein können. Aber nur, wenn ich sie auch hinterlasse.

Wenn man sein Wissen, seine Weisheit und seine Einsichten in einem ganz persönlichen Raum hinterlässt, kann niemand nach seinem Tod darauf zugreifen! Kollektives Lernen hat uns Menschen über Generationen hinweg klüger gemacht hat. Deswegen halte ich es für einen großen Verlust für die Menschheit als Ganzes, wenn wir unser Wissen in einem isolierten Silo aufbewahren.
Kurz gesagt: Das Problem, das wir angehen, ist die Isolierung von Wissen.

Die Welt ist voller unzähliger wunderbarer persönlicher Apps, aber meine Nahtoderfahrung und die Suche nach dem Sinn des Lebens haben mich zu der aktuellen Idee von Glasp geführt.

Das ist unglaublich inspirierend. Vielen Dank, dass du die Entstehungsgeschichte von Glasp mit uns geteilt hast.
Wie funktioniert Glasp genau?

Glasp ist ein sozialer Web-Clipper, mit dem Menschen Zitate und Gedanken aus dem Internet markieren und organisieren können, ohne zwischen Bildschirmen hin- und herwechseln zu müssen, und gleichzeitig auf das Wissen anderer Gleichgesinnter zugreifen können. Worum es bei Glasp geht, sieht man am besten, wenn man sich Nutzerkommentare auf der „Wall of Love“ auf unserer Website ansieht.

Nachdem wir unsere Mission in spezifische Komponenten zerlegt hatten, beschlossen wir, uns auf die Überschneidungen zwischen Kuratieren, Wissensmanagement und Gemeinschaft zu konzentrieren. Einige Ratschläge von Jeremy Brown auf Twitter und die Ideen von Michael Simmons zu öffentlichem Lernen überschneiden sich mit unserer Idee.

Für das Kuratieren bieten wir eine Chrome- und Safari-Erweiterung an, die, ein kleines Pop-up-Fenster wie den Textmarker des Kindle anzeigt, wenn Sie einen Text auswählen, und es euch ermöglicht, zu kuratieren. Das ermöglicht einfaches Hervorheben und Notieren von Texten, ohne das Leseerlebnis zu unterbrechen!

Wenn Sie einen bestimmten Artikel lesen, können Sie alle Hervorhebungen und Notizen zu diesem Artikel in der rechten Seitenleiste anzeigen, ganz einfach kopieren und in andere Notiz-Apps einfügen. Ihr könnt auch Tags und Kommentare hinzufügen und direkt auf der Seite sehen, was andere auf dieser Website hervorgehoben haben.

Was das Wissensmanagement angeht, so organisiert Glasp, wie ihr auf meiner Seite sehen könnt, Highlights und Notizen und ermöglicht es, nach Thema oder Volltextsuche zu filtern. So könnt ihr leicht auf Zitate, Gedanken, Ideen und Erkenntnisse zugreifen, die ihr in der Vergangenheit markiert habt. Dank des sozialen Charakters von Glasp könnt Ihr auch auf die Markierungen und Notizen anderer Personen zugreifen (die sogenannten „Marginalien“). Dadurch könnt Ihr auf den Perspektiven anderer aufbauen und euer Wissen vertiefen. Für die Zukunft planen wir eine Funktion, die es ermöglicht, Ergebnisse mit anderen eigenen Highlights oder denen anderer zu verknüpfen.

Ich glaube auch, dass die Einzigartigkeit und der Spaß des Glasp-Ansatzes für das Wissensmanagement in seiner Fähigkeit liegt, Gelerntes wieder aufzugreifen. Das Karteikartensystem ist eine der bewährtesten Methoden, um sich an Dinge zu erinnern. Die traurige Realität ist aber, dass das Wiederholen von Karteikarten mühsam und die Einrichtung eines Systems umständlich ist. Mit Glasp interagieren andere mit euren Highlights, was zufällig und automatisch zu Gelegenheiten zur Wiederholung führt. Das ist insofern einzigartig, da andere Kuratoren eure Highlights wieder und auch das Werk des ursprünglichen Autors auftauchen lassen.

Was die Gemeinschaft betrifft, so ermöglicht Glasp euch, mit anderen Menschen mit ähnlichen Interessen in Kontakt zu treten und von ihnen zu lernen. Und das ganz automatisch neben dem Lernen: durch Highlights und Notizen. Im Home-Feed von Glasp könnt ihr sehen, was die Personen, denen ihr folgt, gerade lernen und welche Erkenntnisse sie gewonnen haben. Ihr könnt auch nach Themen suchen, sodass ihr sehen könnt, was Freunde, Kollegen, Influencer und andere Personen, denen ihr vertraut, lernen.

Ihr könnt die Top-Highlights jeder Website ansehen und neue Lieblingsautoren finden. Insbesondere die Verfasser von Newslettern oder Inhalten können ihren Lernprozess mit Glasp teilen (das sogenannte „öffentliche Lernen“). Ein intensives Engagement und direktes Feedback von Zuschauern und Abonnenten ist eine großartige Möglichkeit, um Ideen und Inspirationen für zukünftige Inhalte zu erhalten.

Lernpartner zu haben, ist sehr inspirierend und macht Spaß. Glasp kann den eigenen Lernprozess verbessern, indem es den Lernprozess sozial gestaltet.

Wir arbeiten zum Beispiel mit dem Month to Master-Programm von Michael Simmons zusammen, um Lernenden zu helfen, das Gelernte zu verbinden und zu teilen.

Wenn es um Lesezeichen und Markierungen geht, ist eine große Herausforderung, dass viele Leute am Ende einen Friedhof zufälliger Links haben, aus denen sie nie wirklich etwas lernen. Wie geht Glasp mit dieser Herausforderung um?

Wir sehen es viel zu oft, dass das Speichern von zufälligen Links zu diesem Problem führt, und ich glaube, dass sich dieses Problem nicht nur auf Lesezeichen und Markierungen beschränkt, sondern auf unsere Informationsgesellschaft im Allgemeinen.

Ein wichtiger Aspekt ist der Unterschied zwischen „Read-it-later“-Apps und Glasp. Es gibt zwei Prozesse der Informationsauswahl, wenn wir Informationen sammeln. Der eine ist weit und oberflächlich. Der andere ist eng und tiefergehend.

Ersteres ist der Bereich, in dem die „Read-it-later“-Apps strahlen, indem sie, anstelle unseres Kurzzeit-Arbeitsgedächtnisses, eine große Menge an Informationen speichern, die in Zukunft nützlich sein könnten. Das Zweite ist der Bereich, in dem Glasp und andere Textmarker-Apps ihre Stärke als Speicher für wichtige Informationen ausspielen. Diese Informationen haben den primären Sichtungsprozess schon durchlaufen und wir möchten sie über einen längeren Zeitraum behalten.

Wenn die Anzahl der zu speichernden Elemente zu groß und die Qualität nicht überprüft wird, wird es schwierig, sie zu pflegen, zu organisieren und zu verwalten. Das führt dann zu einem Friedhof von zufälligen Links. Glücklicherweise besteht die Hauptaktion bei Glasp nicht im Setzen von Lesezeichen, sondern im Hervorheben und Hinterlassen von Notizen. Hierdurch ist die Aktionsschwelle für den Benutzer größer als bei Read-it-later-Apps.

Dass Hervorhebungen und Notizen von anderen gesehen werden können, schafft eine soziale Verantwortlichkeit und das macht die Handlungsschwelle noch höher. Wenn Ihr das Wort „Hervorhebung“ hört, assoziiert ihr es wahrscheinlich mit Bildung. Untersuchungen zeigen, dass Hervorheben keine sehr effektive Lerntechnik ist. Sie zeigen jedoch auch, dass die Wahrscheinlichkeit einer effektiven Hervorhebung steigt, wenn moderate Anreize und Druck ausgeübt werden.

Mit anderen Worten: Der Druck, dass jemand Ihre Hervorhebungen sehen könnte, wirkt wie eine soziale Verantwortungsfunktion, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann, etwas Besseres und Wertvolleres für Sie zu speichern. Dadurch wird zwar der Umfang des digitalen Erbes verringert, aber wir legen mehr Wert auf die Erkenntnisse, die Idee, die Emotion und die Verbindung zu einer bestimmten Passage als nur auf den Akt des Likens oder Speicherns eines Links.

Die eigentliche Stärke der digitalen Markierung liegt nicht in der Hervorhebung des Textes selbst, sondern in der Möglichkeit, ihn später zu durchsuchen und durch Backlinks und andere Mittel Verbindungen darin zu finden. Da in der Forschung oft unpersönliche, unzusammenhängende Texte verwendet werden, bin mir nicht sicher, ob wir zu dem Schluss kommen können, dass der Lerneffekt des Hervorhebens schwach ist.Vor allem, wenn er durch Notizen und andere Punkte gestärkt wird.

Im Grunde genommen stellen wir uns dem Problem des Friedhofs durch

Und das ist deine Vision vom Aufbau eines digitalen Erbes.

Ja. Wie ich bereits erwähnt habe, halten wir es für sehr edel, dass Menschen lernen, Erfahrungen machen und diese an künftige Generationen weitergeben. Aus dieser Perspektive glauben wir, dass das systematische Organisieren und Zugänglichmachen dessen, was eine Person gelernt hat, und des Wissens, das sie im Laufe ihres Lebens aufgebaut hat, der effektivste Ansatz zum Aufbau ihres digitalen Vermächtnisses ist. Natürlich hat Glasp eine Abonnenten- und Speicherfunktion, aber der Schwerpunkt liegt auf Interessengraphen und Konsistenz auf der Basis des Wissensaufbaus.

Auch in den traditionellen sozialen Medien wird eine Art digitaler Nachlass passiv durch die Aktivitäten einer Person aufgebaut, und das ist super. Menschen können ihre Interessen einfach hinterlassen, indem sie etwas liken. Andererseits legen diese sozialen Medien aufgrund ihres flüchtigen Charakters und der von sozialen Graphen gesteuerten Verbindungen weniger Wert auf den Aufbau von dauerhaftem und generationenübergreifendem Wissen. Wenn ich euch z. B. frage, ob ihr gute Quellen für mentale Modelle oder die Erstellung von Notizen kennt, fallen euch je nach Thema vielleicht einige Artikel, Bücher, Podcasts oder Videos ein, aber ich vermute, dass die wenigsten an Twitter-Threads oder LinkedIn-Beiträge denken, die sie geliked haben.

Wie der Lindy-Effekt besagt, neigt das, was wirklich wertvoll ist, dazu, über lange Zeiträume hinweg zu bestehen. In dieser Hinsicht denke ich, dass die traditionelle Methode, bei der Informationen flüchtig fließen, nicht geeignet ist, um ein digitales Erbe aufzubauen. Bei Glasp hoffen wir, eine Plattform zu schaffen, die es der nächsten Generation ermöglicht, Wissen auf der Grundlage von Themen und Interessen selbst aufzubauen und abzurufen – unabhängig von Zeit.

Viele Knowledge workers verwenden bereits ein Tool zur Erstellung von Notizen. Wie lässt sich Glasp mit anderen Werkzeugen integrieren?

Wir wollen Apps für Notizen nicht ersetzen oder zu stören. Wir wissen es sehr zu schätzen, dass es diese großartigen Apps für Notizen gibt. Vielmehr hoffen wir, dass Glasp sie ergänzen kann. So könnt ihr beispielsweise mit der Kopier- und Einfüge-Funktion von Glasp nur die wichtigen Teile eines Dokuments, z. B. Markierungen und Notizen, in eine Notizapp exportieren anstatt des gesamten Texts.

Glasp nimmt auch Metadaten wie den Titel und die URL des Artikels auf. Deswegen hinterlasst ihr gleichzeitig neben dem Lernen Markierungen und Notizen auf Glasp als Erbe für zukünftige Generationen, ohne den Fluss eurer Notizanwendung zu unterbrechen. Auf diese Weise könnt ihr potenziell zur Wissensgeschichte der Menschheit beitragen, ohne den eigenen Arbeitsablauf zu ändern!

Das klingt wunderbar! Kannst du uns sagen, wie du Entscheidungen über das Produktdesign triffst?

Alle Entscheidungen in Bezug auf Produkte, einschließlich des Designs, basieren darauf, ob sie im Einklang mit unserer Mission stehen. Unsere Mission ist immer unser Nordstern. Was das Feedback anbelangt, so rufen wir regelmäßig unsere Nutzer an, um ihre Kommentare und Vorschläge einzuholen. Manchmal fragen wir sie direkt, ob wir sie anrufen dürfen, und manchmal vereinbaren die Nutzer selbst einen Anruf über die Schaltfläche „Talk to Founders“ in der Web-App.

Früher haben wir mit allen neu angemeldeten Nutzern Onboarding-Anrufe gemacht. Jetzt sind wir ein Team von drei Personen, und aufgrund der begrenzten Ressourcen können wir nicht alle Ideen umsetzen. Aber wir halten alle Rückmeldungen, die wir erhalten, in einem Backlog fest, von dem wir uns inspirieren lassen.

Ich hole mir auch Design-Inspirationen von GitHub, Wikipedia, Pinterest, Twitter, Goodreads, Kindle und anderen Apps, die meiner Meinung nach in Bezug auf Aufgabe, Richtung oder Bereich ähnlich sind. Obwohl ich den größten Teil der Benutzeroberfläche entwerfe, bin ich kein Designexperte, sodass einige Aspekte meines Designs vielleicht inkonsistent erscheinen. Wenn jemand gute Ideen hat, würde ich mich freuen, von euch zu hören.

Welche Art von Menschen benutzen Glasp?

Die Hauptnutzer sind eifrige Leser, aktive Mitschreiber, Schriftsteller und lebenslang Lernende, die aktiv und fleißig sind und das, was sie gelernt haben, zu bestimmten Themen von persönlichem Interesse aufbewahren. (Mitschriften, Psychologie, Produktmanagement, Gründungsgeschichten)

Qualitativ hochwertige Inhalte kommen von vielen verschiedenen Orten im Internet. Von bekannten Domänen wie Wikipedia und Ness Labs bis hin zu Domänen, von denen ich noch nie gehört habe. Mittlerweile gibt es über 300.000 Highlights („digitale Hinterlassenschaften“) auf über 45.000 einzigartigen Websites. Mehrere Nutzer haben sich bei uns für die interessanten und aufschlussreichen Inhalte bedankt, auf die sie mit Glasp gestoßen sind und sonst nie gestoßen wären.

Andere interessante Anwendungsfälle sind die von Leuten wie Ev Chapman und Michael Simmons, die Newsletter und Blogs schreiben. Es ist interessant zu sehen, wie Autoren und ihr Publikum voneinander lernen und aufeinander aufbauen (z. B. wenn jemand die Highlights der ihm folgenden Personen hervorhebt). Der soziale Charakter von Glasp ist der Ausgangspunkt für Content-Autoren, um direkt mit ihrem Publikum in Kontakt zu treten, Feedback zu erhalten und Inspiration für zukünftige Beiträge zu bekommen.

Was ist mit dir … wie nutzt du Glasp persönlich?

Wenn ich auf Inhalte zu diesen Themen stoße, überfliege ich sie zunächst, und wenn ich eine bestimmte Passage finde, die mich wirklich anspricht oder die ich für später aufbewahren möchte, markiere ich die Passage oder hinterlasse eine Notiz. Wenn ich dann beim zweiten Lesen bei einem bestimmten Satz denke: „Das erinnert mich an ein Konzept, das in einem anderen Artikel erwähnt wurde“, hinterlasse ich eine Notiz mit einem entsprechenden Link oder einer früheren Markierung. Dann markiere ich den Artikel und hinterlasse manchmal eine Zusammenfassung für mich oder künftige Leser.

Wenn ich mich dafür interessiere, was andere über den von mir hervorgehobenen oder interessanten Inhalt denken und daraus gelernt haben, gehe ich auf die Community-Seite von Glasp. Es ist faszinierend zu sehen, wie unterschiedliche Menschen über denselben Inhalt denken und fühlen. Je mehr Perspektiven ich bekomme, desto tiefer wird mein Verständnis für das Thema.

Durch die hohe Aktionsschwelle von Glasp bleibt nur das beste eines Artikels bestehen. Wenn ich also etwas recherchieren möchte, suche ich zuerst auf meiner Seite in Glasp. Je mehr Zeit ich mit dem Gelernten verbringe, desto mehr Informationen sammle ich zu einem bestimmten Thema, was hilfreich ist, weil ich bei jeder Suche neue Zusammenhänge entdecke und sofort Zugang zu wichtigen Informationen habe.

Ich kann meine Highlights und Notizen zu einem bestimmten Thema auch über eine eindeutige URL weitergeben oder auf Websites integrieren. Wenn mich also ein Freund oder Kollege nach etwas fragt, gebe ich einfach meinen Link weiter, damit sie auf die Inhalte zugreifen können, die ich für wichtig halte. Natürlich kann ich auch auf den Seiten anderer Nutzer stöbern. Es ist interessant zu sehen, was andere lernen und was sie für wichtig halten. Manchmal bekomme ich das Gefühl, dass ich in ihr Gehirn schaue, wenn ich auf ihr digitales Erbe zugreife.

Zurzeit senden wir unseren Nutzern zweimal pro Woche den Glasp Weekly Newsletter mit drei guten Artikeln, die wir in der Woche gelesen haben. Mit Glasp sind die Highlights und Notizen zu dem, was ich gelernt habe, alle an einem Ort, sodass es für mich selbst sehr einfach ist, einen Newsletter zu erstellen. Im Grunde genommen müsst ihr nur die Highlights, Notizen oder Kommentare kopieren und in den Text des Newsletters einfügen.

Wenn du also ein Newsletter-Autor oder ein Autor von Inhalten bist und regelmäßig die Artikel, die du liest, mit deinem Publikum teilst, ist es nicht nur sehr einfach den Newsletter zu erstellen, sondern du kannst auch deinen Lern- und Schaffensprozess teilen.

Es gibt noch so viel zu tun, um die Art und Weise, wie wir gemeinsam lernen, zu verbessern und unsere kollektive Intelligenz zu steigern. Wo willst du Glasp in den nächsten Jahren sehen?

Wir wollen unser Leben damit verbringen, an der Mission von Glasp zu arbeiten. Das wird ziemlich lange dauern und es gibt noch viele Hindernisse zu überwinden. Um ein digitales Erbe für künftige Generationen zu hinterlassen, benötigen wir ein System, mit dem Daten langfristig, sicher und leicht zugänglich gespeichert werden können.

Vielleicht ist eine dezentrale Technologie wie die Blockchain oder etwas Vergleichbares notwendig. Oder man könnte sie in eine Steinplatte einmeißeln, um ganz sicherzugehen. Das Team diskutiert immer noch über Nachhaltigkeit und langfristige Beständigkeit in diesem Bereich, aber wir hoffen, dass wir im Laufe der Zeit einen Weg finden werden, den Durchbruch zu schaffen.

Hoffentlich sind wir in den nächsten Jahren einen Schritt näher dran, ein weiteres soziales Profil zu sein, das den eigenen Lern-Fußabdruck zeigt, und eine Suchmaschine für die nächste Generation zu sein, die es ermöglicht, im digitalen Erbe von Menschen zu stöbern, die wir bewundern.

Ich glaube auch, dass wir, wenn wir wie bei einem Familienstammbaum visualisieren können, woher die Menschen ihre Informationen beziehen und wie und an wen sie ihr Wissen weitergegeben haben, in der Lage sein werden, ihren Beitrag zur menschlichen Gesellschaft zu veranschaulichen.

Es wäre sehr bewegend zu sehen, wie das, was die eigenen Großeltern und Urgroßeltern hinterlassen haben, über die Generationen hinweg an einen selbst und an die Gesellschaft weitergegeben wurde, und es wäre interessant zu sehen, wie das, was man hinterlässt, an die Enkel und Urenkel weitergegeben wird. Nichts würde mich glücklicher machen, als wenn die Zahl der Menschen, die durch Glasp einen Sinn und einen Wert in ihrem Leben finden, auch nur ein wenig zunehmen würde.

Das ist eine wunderbare Aufgabe. Vielen Dank für deine Zeit, Kazuki! Wo können Menschen mehr über Glasp erfahren und es ausprobieren?

Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte! Ihr könnt Glasp im Internet unter glasp.co ausprobieren. Wir haben eine Chrome- und Safari-Erweiterung. Es ist völlig kostenlos. Wir sind auch auf Social Media aktiv (Twitter, LinkedIn) und versuchen, unsere Community auf dem Laufenden zu halten, wenn wir Updates haben.
Ich bin sehr gespannt auf das Feedback der Ness Labs-Community über Glasp!

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Biology, Chemistry, Ethics, and Philosophy teacher in Germany. Struggling minimalist.

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