Benötigt man einen guten Abschluss, um erfolgreich zu ein?

Nachdem ein guter Freund von mir vor kurzem festgestellt hat, dass das ganze Lernen für die Schule wohl doch nichts für ihn ist und er deshalb lieber eine Art “Shortcut” nimmt, habe ich immer öfter darüber nachgedacht, ob und wie man ohne Ausbildung erfolgreich werden kann.

Nun, zu aller erst muss man definieren:

Was ist Erfolg?

Ist ein Mensch erfolgreich, wenn er viel Geld verdient, die schicksten Autos fährt oder die meisten Romanzen hat? Oder ist man erfolgreich, wenn man eine Familie gründet und Kinder groß zieht?

Meiner Meinung nach ist es die Verwirklichung seiner Träume und aufgrund der Tatsache, dass diese bei jedem Menschen unterschiedlich sind, kann man kein striktes Ziel oder Ereignis angeben.

Für mich persönlich wäre “Erfolg” glücklich sein, mit einem Beruf Geld zu verdienen, der mir Spaß macht und diese Freude mit jemandem teilen zu können.

Chris, die Person die mir heute als Anlass und gleichzeitig als Vorlage für diesen Text dient, ist in jedem Fall nicht glücklich mit seiner derzeitigen Position.

Zuerst benötigt man ein paar Informationen:

In Österreich gibt es Schulformen die “HAK -Handelsakademie” und “HTL - Höhrere Technische Lehranstalt” heißen und zu der Kategorie “BHS -Bildende Höhere Schule” zählen. Diese besucht man, nachdem man 4 Jahre lang die Volkschule und weitere 4 Jahre ein Gymnasium, oder eine Mittelschule absolviert hat. Die HAK ist eine Wirtschaftsschule und die HTL ist eine technische Schule, wie der Name schon impliziert, beide bestehten aus 5 weiteren Schulstufen. Eine kürzere Form der HAK, die “HAS - Handelsschule” dauert 3 Jahre und hat keinen allzuguten Ruf.

Ich befinde mich momentan in der zweiten Schulstufe der HAK und Chris, mein Schulkollege, ebenfalls. Er hat zuvor die HTL besucht, doch diese nach 1 1/2 Jahren abgebrochen, da er dies als falsche Entscheidung abstempelte und meldete sich an meiner Schule an. Dieses Jahr, ein nicht sonderlich erfolgreiches Jahr aus seiner Sicht, wurde ihm aber bewusst, dass es wohl nicht am Schultyp, sondern an dem Konzept Schule selbst liegt, die ihm nicht gefällt, weshalb er in die HAS, die kurze und schlechte Ausbildung, wechseln möchte, um möglichst schnell fertig zu sein.

Nun, zu aller Erst finde ich es gut, dass er nicht einfach die Schule beendet, ohne jegliche abgeschlossene Ausbildung, das ist nämlich ein Mittel, zu dem viele ehemalige Schüler der HAK greifen. Dennoch weiß ich nicht, ob ich seine Entscheidung unterstütze, denn er nimmt sich selbst die Möglichkeit eine gute und teure Schulausbildung zu besuchen.

Sein Statement dazu lautet:

“Ich bin mit der derzeitigen Situation nicht zufrieden und möchte mein eigener Boss sein, ich möchte etwas Vernünftiges mit meiner Zeit anfangen. (…) Ich lerne die Dinge, die ich benötige, wenn ich sie benötige.”

Und zwei Ansätze daraus, fand ich sehr interessant.

  1. Chris möchte etwas Vernünftiges tun.
  2. Er möchte nur die Dinge lernen, die er braucht.

Die Tatsache, dass Schule als “nicht vernünftig” abgestempelt wird, kann ich so nicht ganz unterschreiben. Ich finde es vernünftigt Zeit dafür aufzuwenden später potenziell eine gute Arbeitsstelle zu finden und meine Ziele zum Erfolg zu erreichen. Gleichzeitig ist es wohl auch vernünftig, diese Ziele so bald als möglich zu erreichen, um dauerhaft glücklich zu werden.

Gleichzeitig muss ich ihm Recht geben, selbst in meiner Schule, die einen schon in eine bestimmte Berufsrichtung lenkt, muss ich Dinge können, die ich in meinem Leben nicht mehr benutzen werde. Ich brauche als Verkäufer, oder selbstständiger Unternehmer keinen “Sinussatz” und auch keine chemischen Bezeichnungen. Trotzdem ist es sehr gewagt nur die Dinge zu lernen, die man braucht. Denn woher weiß man, dass man etwas braucht? Die Wahrscheinlichkeit, dass man etwas übersieht ist mir persönlich zu hoch, als das ich dieses Risiko eingehen möchte.

Chris’ Definition von Erfolg ist ähnlich meiner, nur das er sich selbstständig machen möchte, was genau er mit seinem Unternehmen machen möchte, weiß er jedoch noch nicht. [Änderung der Redaktion aufgrund vom Wunsch eines Clienten: Er möchte offensichtliche Ungereimtheiten aus der Welt schaffen. Dies möchte er versuchen, indem er durch Partnerschaften zeigt, dass jedes Unternehmen sozial sein kann, also, dass es zum Beispiel keine Tierversuche durchführt, etc.]

Demnach kann er seine Ziele verwirklich, wenn er nur hart genug dafür arbeitet. Gleichzeitig steigt natürlich das Risiko zu versagen, da er sich nicht mit allem zu 100% auskennt und nicht alles berücksichtigt, das resultiert allein daraus, dass er nur das lernt, das er lernen muss.

Zusammenfassend, denke ich, ist es möglich erfolgreich zu sein, wenn die Definition von Erfolg mit der Ausbildung, die man besucht (hat) übereinstimmt. Ich kann nicht erwarten, mein Ziel zu erreichen, wenn dieses ist RichterIn zu werden und ich nur die Mittelschule besucht habe. Dennoch muss man sehr viel Arbeit investieren, um seine Träume zu erreichen, möglicherweise sogar mehr, als wenn man diese Arbeit schon in der Schule investiert hat.


Ich freue mich über konstruktives Feedback ☺

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