“Traces of Hope” — der Youtube-Clip zeigt Making-of und die in Kurdistan entstandenen Fotos vom Krieg

Zusammenstoß der Werte

Kriegsfotografie als Jahresurlaub

25. Januar 2017 | Darf man das? Macht man das? Was soll das? Als PR’ler, Journalist, Fotograf, ehemaliger Soldat und Mensch frage ich mich, was ich davon halten soll. Da zieht ein Marketing-Manager mit der Kamera in seinem Jahresurlaub in den Krieg und macht schöne Fotos. Ein Wiederspruch in sich: #schön und #Krieg. Krieg ist immer häßlich. Relativiert man nicht das Grauen des Krieges, wenn man ihn in schönen Fotos inszeniert?

Nach dem Bericht bei Spiegel Online über die Kriegsfotografie von Johannes Müller bleibe ich verwirrt zurück. Ein Manager, der zum Urlaubmachen in ein Kriegsgebiet fliegt — ist das nicht pervers? Ein Fotograf, der gekonnt schöne Fotos vom Krieg produziert — verharmlost er damit nicht den Krieg? Eine lockere Gesellschaft, die die Bilder aus dem Krieg mit einem wohltemperierten Weißwein konsumiert — ist das die Faszination des Bösen und Schrecklichen? Aber auch eine ganz banale Frage zu meinem Berufsstand “Journalist” kommt mir in den Sinn: Wieso wird von Spiegel-Online-Redakteurin Verena Töpper immer wieder darauf herumgeritten, dass er ein Bosch-Manager (richtiger von “Bosch Hausgeräte”) ist? Und klar: Ein Marketing-Fuzzi ; die sind eh alle schräg und durchgeknallt.

Ohne Müller persönlich zu kennen oder bei der Vernisage dabei gewesen zu sein, verbietet es sich natürlich, ein Urteil zu fällen. Ist es der Nervenkitzel und das Abenteuer? Oder der Wunsch, die Menschen in Deutschland über Krieg, Vertreibung und Flucht nachdenken zu lassen? Oder einfach nur eine künstlerische Herausforderung?

Wunderschöne Porträts hat Müller mitgebracht. Von Kindern. Von alten Menschen. Von Berufstätigen und von Soldaten und Soldatinnen. Eindrucksvoll. Menschlich. Stolz. Elend? Muss man das zeigen? Ist es nicht auch wichtig, den Stolz der Menschen zu zeigen? Den Mut und die Hoffnung?

Nur zu einer Frage traue ich mir eine klare Antwort zu geben: Schöne Fotos vom Krieg sind immer das falsche Mittel. Als ehemaliger Soldat kenne ich die Faszination, die von Waffen ausgeht (ausgehen kann) und ich stehe dazu, dass es ein “geiles Gefühl” ist, in friedlichen Gebieten mit einem Panzer durch die Gegend zu fahren. Und die ästhetisch fotografierten und photogeshopten Bilder von Patronenhülsen, die aus dem Gewehr fliegen, von Mündungsfeuer im Abendrot und Mörsergranaten beim Abschuss, ziehen mich durchaus in den Bann. Ich weiß aber, dass das nicht der Krieg ist. Das sind Bilder, wie Krieg verkauft wird. Das ist Marketing für den Krieg. Für mich.

Was denkt ihr?