Europa, ich bin Dein Vader!

FAZ — Wir werden afrikanischer

Europa, ich bin Dein Vader!

Vorsicht: “Explicit Content”

Am 11. Oktober veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen Leitartikel mit dem Titel: Wir werden afrikanischer. Der Autor lässt uns wissen, dass, wenn es darum geht, die Migration aus Afrika zu stoppen, wir sowohl über Demographie als auch über die Schaffung von Arbeitsplätzen debattieren sollten. Gleichwohl warnt er, dass diese Migration zu stoppen ein derlei schwieriges Unterfangen sei, dass derzeit keine Lösung in Sicht sei. Deshalb würden wir eben auf Zeit afrikanischer. Puh!

Erstens mag frau sich fragen, wer mit „wir“ gemeint ist. Ja, wer ist wir? Die Leser der FAZ (also auch ich)? Die FAZ-Redaktion? Deutschland? Oder sogar Europa? Alles, was wir wissen, ist, dass „wir“ wohlhabend sind, denn es geht darum, „den drohenden Ansturm auf unseren Wohlstand zu verhindern“. Zweitens bleibt auch unklar, was „afrikanisch“ ist. Der Spiegel hat doch vor gerade mal zwei Monaten erklärt, dass wir (die menschliche Gattung) „alle Afrikaner sind“. Wie kann ein Afrikaner afrikanischer werden? Beim weiteren Lesen wird es deutlich, worum es geht: „Afrikanisch“ oder das Spielen mit altgedienten Vorstellungen. Schließen Sie die Augen, sagen Sie „Afrika, Afrika, Afrika“ und bewundern Sie die Kraft der Klischees. Der Neger war irgendwie nie weg, aber er ist doch wieder da.

Die Eingangsfrage des FAZ-Artikels: „Wie kann der Zug von Flüchtlingen aus Afrika nach Europa gestoppt werden?“ ist natürlich eine Scheinmillionenfrage. Es ist eine Millionenfrage, da von ihrer Beantwortung angeblich den Schutz des Wohlstands abhängt. Es ist eine Scheinfrage, da die Lösung allseits bekannt ist. Wenn die jungen Menschen eine Lebensperspektive haben, werden sie nicht ihr Leben durch Wüste und Meer riskieren, um im Exil zu leben. Niemand ist gerne unerwünschter Gast. Auch nicht die Welt zu Gast bei Freunden, die nicht weiterschauen als deren Tellerränder.

Über „Afrika“ schreiben ohne die drohende Überschwemmung herbeizuschwören? Geht doch nicht! Das viel, wirklich zu viel beschworene Klischee der schwarzen Plage kann immer helfen. Guckt mal, da kommen sie. In Scharen. Die Neger. Das Argument hat eine derlei starke Anziehungskraft, dass weder Leitkommentartoren renommierter Zeitungen noch braune Brut es widerstehen können. Die dunkle Seite der Macht eben. Europa, ich bin Dein Vader!

Und nebenbei: Deine Mudder!

Neger können sich nicht bändigen, ficken wie wild, zeugen viele Kinder. Das hat Hegel im 18. Jahrhundert auch schon gewusst. Natürlich aus den höchst objektiven Berichten von Missionaren, wie er selbst bekanntgibt. Entwicklungsminister Müller weiß es auch: Afrikanische Männer saufen und ficken. Das weiß er angeblich dank einer mysteriösen Studie dieser höchst wissenschaftlichen Stiftung… Die FAZ-Redakteure wissen es auch: Aus dem Leitartikel lernen wir nämlich, dass es in Tansania „zum guten Ton gehört, ein ‚gut gefülltes Haus‘ zu haben.“ Und wie Björn Höcke von der AfD sagt: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“

Überall lauern Herz-der-Finsternis-Fantasien gepaart mit Jenseits-von-Afrika-Nostalgie, die leider unseren Blick auf die wahren Probleme versperren. Und doch kann einiges erklärt werden, wenn frau nach Gründen fragt, die Menschen dazu bewegen, bestimmte Verhaltensweisen zutage zu legen und nicht pauschal (aber natürlich pseudowissenschaftlich) schlussfolgert, sie müssten so handeln, da sie ja Neger sind, oder Juden, oder Sachsen, oder CSU-Politiker. Aber dazu bedarf es ja aufrichtige Empathie und vielleicht auch eine Portion Mut, denn einige Antworten können ja unbequem sein. So ist es eventuell nicht einfach „guter Ton“ ein „gut gefülltes Haus“ zu haben, sondern vielleicht reine ökonomische Notwendigkeit. Wie kann es auch anders sein in Gesellschaften, in denen es kein funktionierendes Sozial- oder Rentensystem gibt. Neulich sagte ein ranghoher ECOWAS-Beamter auf einer Wirtschaftskonferenz bei der OECD in Paris, dass er in seinem Land für die Förderung von Freizeitangeboten eintrete, da Bauern abends nach ihren täglichen Feldarbeiten mangels Alternativen nichts anderes tun können als zu kopulieren. Dass für diese Bauer, Kinder zugleich Lebens- und Rentenversicherung sind, weiß er natürlich auch. Aber dies entspricht nicht, was die Herren in Paris hören wollten. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Sie haben Recht, das Problem ist das Kopulieren und nicht die ökonomischen Strukturen. Ich hab’s gesagt. Wo bleibt mein Scheck?

Wenn wir aber über die Ökonomie reden, dann müssen wir zum Beispiel über die umstrittenen Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und den AKP-Ländern reden. Über die Kaskadenzölle der EU, die afrikanische Volkswirtschaften bestrafen, wenn sie sich entscheiden, verarbeitete Erzeugnisse statt Rohstoffe in die EU zu exportieren. Kurz gesagt, wir müssten über die Zementierung asymmetrischer Handelsstrukturen reden. Das wäre zweifelsohne nützlich, aber es regt leider keine Fantasien an wie das Überschwemmungsgedöns.

Die Empfehlung von Herrn Scheen, „den demographischen Faktor als Ankerpunkt“ um Migration zu stoppen, ignoriert die ökonomische Realität und verhält sich zum Problem wie sich der Nigerfluss zur Saharawüste zwischen Timbuktu und Gao: mit einem Bogen weg vom Problem. Was Menschen brauchen, sind Perspektiven auf ein würdiges Leben. Keine retropaternalistischen Ratschläge über Familienplanung. Eine Binsenweisheit, die Herr Scheen ja auch weiß: „Eine Lebensperspektive ist die beste Garantie, Menschen daran zu hindern, ihr Bündel zu schnüren.“ Warum dennoch das triste Amalgam mit der Demographie? Ach ja, es ist ja das Zeitalter des Populismus. Alle schwingen populistische Töne, aber wenn irgendein Oberpopulist eine Wahl gewinnt, gehen alle auf die Barrikaden. Wenn das nicht Populismus ist.

Herr Scheen aus der FAZ-Redaktion lässt übrigens ausrichten, dass die Europäer Afrikas beste Freunde sind und wie es sich unter Freunden gehört, auch gerne helfen würden. Aber natürlich nur unter der Bedingung, dass „sich Afrika überhaupt helfen lässt“. Hier haben wir es wieder. Neger sind so unreif sind, dass sie selber nicht wissen, was gut für sie sei. Herr Professor Hegel, sind Sie das?