„Illusion findet Weg zum Objekt:“ Der Künstler Ulrich Behl in der Holmer „sengpiehl | zepfel Galerie“. Foto Kay-Christian Heine

Der Fänger des Lichts

Ulrich Behl in der „sengpiehl | zepfel Galerie“ in Schönberg-Holm

Die Zeichnungen, Grafiken, Lithographien und Objekte des in Kiel lebenden Künstlers Ulrich Behl verleiten mit vordergründiger Unscheinbarkeit zu achtlosem Vorbeigehen. Dem nachzugeben hieße aber, sich fahrlässig um ebenso eindrucksvolle wie lehrreiche Seherlebnisse zu bringen. Noch bis Ende August ist in der „sengpiehl | zepfel Galerie“ am Holmer Marktplatz Gelegenheit, in der „status quo“ betitelten Ausstellung zu sehen, wie Ulrich Behl mit Form, Strich und Struktur dem Licht eine Falle stellt.

von Kay-Christian Heine (Text & Fotos)


Wer wissen will, was ich mache, findet hier alles“, sagt Ulrich Behl lachend und zufrieden beim Rundgang durch die sorgfältig kuratierte Ausstellung. Sie ist ein Extrakt aus Ulrich Behls typischen Arbeitsfeldern der vergangenen 50 Jahre und umfasst rund 40 Positionen, darunter viele monochrome und farbige Zeichnungen. Ihnen widmet sich Behl „von Kindesbeinen an“ und tut es noch immer: Intensiv, sorgfältig und heftig, in seiner geometrischen Formensprache dem Bauhaus und konkreten Konstruktivismus verbunden, beeinflusst unter anderem von der Farb- und Formenlehre eines Wassily Kandinsky.

„DIE ZEICHNUNG ALS ILLUSION VON RAUM …

Die „Schönheit des Bleistifts“ habe er schön früh erkannt, erinnert sich der 1939 in Pommern geborene und in Hannover aufgewachsene Ulrich Behl. In jungen Jahren gehörten noch Farbeimer und Pinsel zu seinen Werkzeugen und Menschen zu seinen Motiven. Als seine eigentliche Aufgabe erkannte Behl aber bald die künstlerische Erforschung von Licht, Struktur und Raum, von Kontrasten zwischen Schwarz, Weiß und Farbe, von feinsten, im Papierweiß ihren Ursprung nehmenden oder sich darin verlierenden Grau- und Farbwerten. Licht und Raum fängt Ulrich Behl in mathematisch-geometrischen Anordnungen von Formen und Kanten, die auf dem Blatt stets gleichgewichtig harmonieren. „Es geht immer um das Papier als leeren, weißen Grund und die Figur“, sagt Ulrich Behl, „außerdem um das Erfinden von Bildern, ganz langsam und behutsam.“ Und: „Als Erstes kommt der Kontrast aufs Blatt, dann taste ich mich soweit voran, bis das Papier eine Bedeutung erlangt — vor allem dort, wo ich nichts mache, wo es leer bleibt.“

… FINDET IN DER SKULPTUR IHREN WEG ZUM KONKRETEN.“

Während Raum auf dem flächigen Papier Studie und Illusion bleibt, führt Ulrich Behl mit filigranen, leicht und transparent gebauten Körpern die Wirkung des Lichts tatsächlich in die dritte Dimension: Die abstrakte Räumlichkeit der Fläche wird konkret in der Skulptur und auch die mathematisch anmutende, kristalline Geometrie vieler Zeichnungen findet sich in ihr wieder. Wer sich beim Betrachten der in formaler Harmonie ausbalancierten Objekte an die Luftfahrt erinnert fühlt, geht nicht fehl: Die Idee zu den Skulpturen ist Ulrich Behl in der Tat beim Bau von Flugmodellen gekommen: Er bespannt zarte Holzkonstruktionen mit durchscheinendem Papier, baut Licht fangende Hohlräume ein oder umgibt Strukturen mit opakem Plexiglas. Behl lässt so Skulpturen entstehen, die je nach Lichteinfall durchscheinend oder massiv wirken und ihr Innenleben mehr oder minder deutlich offenbaren.

Mit der zentral im Ausstellungsraum angeordneten Installation einheitlich beklebter und so äußerlich uniform gemachter Alltagsgegenstände verfolgt Ulrich Behl letztlich das gleiche Ziel, nämlich mit Hilfe des Lichts, wie er sagt, „Dinge zur Erscheinung zu bringen“. Kleiderbügel, Werkzeuge, Möbelstücke, ein Fahrradsattel und viele andere Alltagsdinge mehr streben in ihrer Anordnung nur scheinbar dem Chaos entgegen. Ihr Aufbau folgt, wieder einmal und typisch für Ulrich Behl, dem Licht. Das Licht und seine Wirkung, das wird beim eingehenden Betrachten der Installation deutlich, macht die Gegenstände erst erkennbar. Das eng bedruckte Zeitungspapier, mit dem Behl sie alle beklebt hat, blendet Farbe und Material der Dinge konsequent aus. Behl reduziert sie also auf ihre Form, die das einfallende Licht ungestört von anderen Faktoren modelliert. Im Ergebnis ist die Vereinheitlichung der Oberfläche eine zur Klarheit der Formensprache beitragende Verfremdung. Die Wirkung ist verwirrend und verblüffend zugleich. Nicht zuletzt deshalb rät Ulrich Behl dem Ausstellungsbesucher: „Kommen sie mit offenen Augen und erlebnisbereit.“


Ulrich Behl, Ausstellung >status quo<, Zeichnung, Objekt, Installation, noch bis zum 30. August 2015 in der „sengpiehl | zepfel Galerie“ (Kapellenweg 37, Schönberg-Holm, Holmer Marktplatz), Tel.: 0171–1546997, Web: www.rositasengpiehl.de, geöffnet Sbd. 15–18 Uhr, So. 15–21 Uhr, Di. 15–18 Uhr, Mi. 18–21 Uhr und nach Vereinbarung.


Fotos & Text © 2015 all rights reserved: Kay-Christian Heine

Impressum / Imprint