#BloggerFuerFluechtlinge :
Der Kreis schließt sich

Eine Geschichte aus der Zukunft

von Sven Ademi


Deutschland. Wir schreiben das Jahr 2035. Die Weltwirtschaft befindet sich seit der Finanzkrise 2007 in einem stetigen Abwärtsstrudel. Denn es folgten in immer kürzeren Abständen weitere Krisen, die die Weltwirtschaft auf den Kopf stellen sollten. Immobilienkrise in den USA, Eurokrise in Europa, Aktienkrise in China, Wirtschaftskrise in den gesamten westlichen Industrienationen. Die Welt, wie wir sie kennen, sollte nach und nach zusammenbrechen. Einzig die BRICS-Staaten wie Russland, China und Brasilien schafften es, aus der Entwicklung auszubrechen und ein eigenes, neues und weltweites Wirtschaftssystem zu etablieren. Der Dollar verlor irgendwann als Leitwährung seine Bedeutung, nachdem der Euro bereits von den betroffenen europäischen Mitgliedsstaaten in einer letzten Verzweiflungstat verworfen wurde. Als Konsequenz erschufen die BRICS-Staaten eine neue Leitwährung, die den Dollar ablösen sollte. Die USA zogen sich auf Grund der Schwierigkeiten im eigenen Land schließlich in ihrer Rolle als globale Führungsnation zurück und überließen die Welt, die sie hinterlassen hatten, sich selbst. Vor allem Europa litt an den folgenden Entwicklungen. Nicht nur, dass die ständige Terrorgefahr aus dem arabischen Raum überhand nahm, auch die zunehmende Verarmung der Bevölkerung sollte zu einem Zusammenbruch der gesamten Europäischen Union führen. Die EU-Bürger, allen voran die Deutschen, die in den letzten 100 Jahren im Überfluss schwelgten und Kriege nur noch aus den Nachrichten kannten, sahen sich mit der bitteren Realität konfrontiert:


Nichts ist sicher. Frieden und Wohlstand sind kein Dauerzustand, der sich von allein aufrecht erhält, wenn man nichts dafür tut.

All die technologischen und auch ideologischen Errungenschaften sollten am Ende nichts wert sein. Was half einem das teuerste Smartphone, das Dritt-Tablet für den Familienhund oder der 100 Zoll- Fernseher, wenn sich niemand mehr diese Dinge leisten konnte? Was half die Erkenntnis nach dem Zweiten Weltkrieg, dass sich solche “Ereignisse” niemals wiederholen durften, wenn der Rentner von nebenan all dies bereits vergaß und die selben Nazi-Parolen von sich gab, mit denen seine Elterngeneration den größten Krieg in der Geschichte ins Rollen brachte?

Ein Flüchtlingsboot: Kein Platz für Deutsche?

Letztendlich ergab es sich, dass die Not und der Hunger in Europa die Leute wieder auf die Straße trieb. In etlichen Ländern herrschen bereits bürgerkriegs-ähnliche Zustände. Auch in Deutschland im Jahr 2035. Diejenigen, die es sich leisten konnten, flohen vor der Armut und der Gewalt in die Länder, die noch vor 20 Jahren als arm oder rückständig galten. Doch gerade die Deutschen werden in diesen Ländern nicht gern gesehen, denn die Fehler der Vergangenheit mussten sich irgendwann rächen. So schließt sich der Kreis. Nachdem die Welt zuerst mit ansehen musste, wie Deutsche im Zweiten Weltkrieg Minderheiten wie Tiere abschlachten und verfolgen ließen, einen ganzen Kontinent ins Chaos stürzten und 80 Jahre später erneut ihre menschenverachtende Seite in der Flüchtlingskrise zur Schau stellten, wollte niemand mehr einem deutschen Staatsbürger helfen. Allein die Herkunft reicht schon, um des Landes verwiesen zu werden.

Open End


Diese kleine Geschichte sollte einmal eine andere Sicht auf die Dinge geben, die sich derzeit in unserem Land abspielen. Denn auf lange Sicht ist nichts sicher und auch wir Alle können einmal in der selben Situation stecken wie die Flüchtlinge, die derzeit zu Hunderttausenden aus ihrer Heimat fliehen müssen.

Was in Heidenau und vielen anderen Orten geschieht, muss aufhören. Sofort! Es ist ein echtes Armutszeugnis für Deutschland, dass es eine Minderheit erneut schafft, Hass und Fremdenfeindlichkeit zu verbreiten. Schon im März schrieb ich meine kleine Abrechnung mit Scheinheiligland und seither hat sich die Situation noch weiter verschlechtert. Nicht nur in Deutschland, auch bei unseren europäischen Nachbarn. Aber gerade Deutschland sticht in der internationalen Berichterstattung wegen fremdenfeindlicher Übergriffe auf Flüchtlinge, neudeutsch auch Refugees genannt, hervor. “Besorgte Bürger”, also Rentner, Mütter mit kleinen Kindern, Anwälte und sogar Polizisten sehen in den Notleidenden, die da in letzten 12 Monaten verstärkt in Europa Schutz suchen, eine Gefahr. Dabei sind diese Menschen, die da Steine werfen und ihre Botschaften mit Gewalt, fremdenfeindlichen Kommentaren oder Demonstrationen verbreiten, die wahre Gefahr.

Wir alle sind nun gefordert, etwas zu tun. Ob man nun Geld spendet, Sachen abgibt, vielleicht sogar eine Unterkunft bietet oder sich ehrenamtlich betätigt. Wir alle sind gefordert, den Flüchtlingen zu helfen und dem rechtsradikalen Gedankengut der “besorgten Bürger” die Stirn zu bieten. Ihre Hass-Botschaften sind laut, aber wir können lauter sein.

Fragt bei den örtlichen Institutionen, ob und wie ihr helfen könnt, was gebraucht wird. Tragt eure Meinung im Alltag, bei Facebook und auf der Arbeit in die Welt, besucht Gegen-Demonstrationen gegen die pegidischen Wutbürger. Veranstaltet Willkommens-Feste für Flüchtlinge.

Aber: Bleibt immer besonnen und sachlich — niemand wird für Argumente dadurch empfänglicher, dass man ihn als dummen Menschen beschimpft! Hass bekämpft man nicht mit Hass. Viele der Leute, die da auf die Straße gehen, haben über die Jahre ein falsches Weltbild in ihre Köpfe gehämmert bekommen. Und das rächt sich nun. Diese Menschen denken, die Flüchtlinge würden ihnen etwas wegnehmen, was ihnen aber in Wahrheit selbst gar nicht gehört. Denen ging es vorher auch schon schlecht, bevor die Flüchtlinge kamen. Oder sie haben tatsächlich schlechte Erfahrungen mit Asylanten gemacht. Oder, oder, oder…

In diesem Sinne will noch auf zwei Dinge hinweisen:

#1 Ein Projekt, welches von Bloggern initiiert und Hilfe für Flüchtlinge organisiert. Karla Paul, Nico Lumma, Stevan Paul und Initiator Paul Huizing haben unter dem Hashtag #BloggerfuerFluechtlinge eine Aktion ins Rollen gebracht, über die in erster Linie Spendengelder für die Menschen am LaGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales) in Berlin eingesammelt werden soll. Mittlerweile gehen auf Grund der überwältigenden Resonanz die eingehenden Spendengelder an unterschiedliche Hilfsprojekte für Flüchtlinge in ganz Deutschland. Auf Betterplace.org könnt Ihr Euch, wenn es möglich ist, beteiligen.

#2 Ein paar Links - als Argumentationshilfe, die Situation betreffend oder schlicht lesenswert: