Doping und Greenwashing — zwei Seiten einer Medaille?

Ein Blick auf den aktuellen Medaillenspiegel der Olympischen Spiele zeigt wie unterschiedliche Systeme der Sportförderung und der Dopingkontrolle zu Erfolg/Mißerfolg führen. An der Spitze des Medaillenspiegels stehen die USA und Grossbritannien. Beide Länder verfolgen eine sehr umfangreiche Sportförderung und verfügen über effektive Dopingkontrollen. Gefolgt von Russland und China mit einer ebenfalls sehr guten Sportförderung, im Falle Russlands aber auch einem nachgewiesenen, institutionalisierten Dopingsystems.

Deutschland auf Platz sechs des Medaillenspiegels wartet mit guten Dopingkontrollen und einer eher schwachen Sportförderung auf. Diese Kombination, so beklagen einige deutsche Sportler, macht es schwer bei internationalen Wettkämpfen erfolgreich zu sein. Die Olympischen Spiele in Rio machen deutlich, dass institutionelle Maßnahmen einen erheblichen Einfluss auf die sportlichen Gesamtleistungen eines Landes haben können.

Auch wenn es um die Vereinbarkeit von wirtschaftlichem Handeln und den Schutz von Mensch und Umwelt geht, gibt es Regierungen, die aktiv versuchen Nachhaltigkeit zu fördern und zu steuern. Andere Regierungen wiederum ermöglichen Unternehmen einen breiten Handlungsspielraum, damit diese selbst Nachhaltigkeit oder Corporate Responsibility (CR) definieren und umsetzen.

Eine Studie, gefördert von der Bertelsmann Stiftung, untersucht diesen Zusammenhang: führen unterschiedliche marktwirtschaftliche Systeme und institutionelle Rahmenbedingungen zu einer unterschiedlichen Umsetzung von Nachhaltigkeit und CR bei Unternehmen? Die Studie Corporate Responsibility in Different Varieties of Capitalism: Exploring the Role of National Institutions vergleicht 24 OECD Länder und kommt zu dem Ergebnis, dass die Unterschiede sowohl was das Ausmaß als auch die Art der Corporate-Responsibility Aktivitäten zwischen den verschiedenen Ländern sehr gross sind.

Allerdings konnte die Studie keinen Zusammenhang zwischen einem hohen oder niedrigem Grad an verantwortlichem Handeln und einer liberalen versus einer koordinierten Marktwirtschaft feststellen.

Die Studie bringt ein sehr interessantes Muster zum Vorschein, das in fast allen Ländern beobachtet werden kann: Unternehmen mit hohen Werten von Corporate Responsibility haben zugleich hohe Werte von Corporate Irresponsibility. Die Autoren erklären dies u.a. damit, dass Corporate Responsibility von Unternehmen als Antwort auf öffentliche Kritik an unsauberen Geschäftspraxen genutzt wird. Damit wird Corporate Responsibility zu einer Art Versicherung gegen negative Schlagzeilen und einen potentiellen Vertrauensverlust bei Konsumenten. Die Autoren der Studie befürchten, dass Corporate Responsibility ein nicht sehr effektives Mittel ist und im schlimmsten Fall sogar nur einen symbolischen Charakter erhält und damit zum “greenwashing” verkommt.

Und obwohl die Studie Institutionen sowohl als ermöglichend als auch einschränkend in Bezug auf Corporate Responsibility sieht, weisen die Länder einen höheren Grad an Verantwortung auf, in denen ein gewisses Maß an institutionalisierter Koordination herrscht. Institutionen wie Betriebsräte, Arbeitnehmerschutz und staatliche Wohlfahrtsausgaben führen zu höheren Werten von Corporate Responsibility.

Die Studie kommt darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass eine verpflichtende öffentliche Berichterstattung von Corporate-Responsibility Aktivitäten starke positive Effekte vorweist und mit höheren Werten von unternehmerischer Verantwortung einhergeht. Die Studie empfiehlt deshalb eine Berichterstattungspflicht zum zentralen Katalysator von Corporate-Responsibility Aktivitäten zu machen.

Olympisches Gold für ihre Bemühungen zum Schutz von Mensch und Umwelt, würden der Studie zur Folge, Unternehmen in Frankreich, Grossbritannien, Spanien und Schweden bekommen. Deutschland landet auf Platz 14 von 24 und hat, wie in der Sportförderung, einen grossen Nachholbedarf. Ganz weit abgeschlagen sind die Türkei, Japan und die USA. Die amerikanische Regierung könnte von ihrer eigenen Sportförderung wahrscheinlich viel lernen und mehr institutionelle Anreize für Unternehmen schaffen.