Assassins Creed Origins: Fantasie vs. Wahrheit

Es gibt viele Games, die gerne die Geschichte oder eine historische Begebenheit aufgreifen und sie für ihre Story nutzen. Schaut man sich nur Uncharted und seinen Bezug zu Sir Francis Drake an oder in Tomb Raider 2013 die Sonnenkönigin Himiko. Beide Personen beruhen auf wahren Begebenheiten, die für die Games so umgesetzt wurden, dass daraus eine spannende Story entstand.

Wahre Pioniere in diesem Bereich sind die Assassins Creed Spiele. Jedes Spiel spielt zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort, an dem gerade andere historische Ereignisse stattfinden. Und sie alle haben eines gemeinsam: Die historischen Ereignisse wurden von Ubisoft passend für den Kampf zwischen Assassinen und Templer umgeschrieben und zu einer spannenden, wenn auch nicht immer historisch korrekten Story geformt.

In diesem Artikel schaue ich mir den historischen Kontext von Assassins Creed Origins an, dem jüngsten Game aus der Reihe, die Ubisoft erschaffen hat.

Mir geht es nicht darum aufzuzeigen, was Assassins Creed Origins alles falsch oder richtig macht. Viel mehr möchte ich dir hier einen spannenden Einblick darin geben, wo sich Assassins Creed Origins historisch bewegt.

Denn Ubisoft hat einmal mehr eine historische Begebenheit genutzt und ihre Geschichte um die Assassinen und Templer so darin verwoben, dass es durchaus schwierig ist zu erkennen, wie die Geschichte Ägyptens wirklich war. Denn eins ist klar: In der Zeit in der sich Assassins Creed Origins bewegt, gab es weder die Assassinen noch die Templer und am allerwenigsten einen Krieg zwischen beiden Parteien, der ein ganzes Land ins Chaos stürzte.

Es leben die Assassinen und natürlich die ganze Technik von Abstergo

Was allerdings korrekt dargestellt wurde ist die Tatsache, dass das Game zu einer Zeit spielt, in der Ägypten gerade dabei war seine von den Griechen aufgebaute Fremdherrschaft an die Römer zu verlieren. Nichts worüber man sich als Land und vor allem als Herrscher freuen kann, denn eigentlich ist jedes Land darauf aus, sich weitestgehend autonom zu regieren. Allerdings hat Ägypten dahingehend ab einer bestimmten Zeit in der Antike eh nicht mehr so viel Glück gehabt.

Interessant daran ist allerdings, dass die Ägypter schon so lange unter griechischer Herrschaft waren, dass dies mittlerweile ein Teil ihrer Identität geworden war und damit nicht mehr zwangsläufig wirklich negativ aufgefasst wurde.

Die Ptolemäer, die mit offenen Armen empfangen wurden

Warum das interessant ist? Nun, in aller Regel ist es eher unüblich, dass ein Land freudestrahlend eine Fremdherrschaft annimmt und sich denkt: „Jau, darauf haben wir gewartet. Natürlich kann ein Grieche unser Land besser regieren als wir selbst.“

Wie kam es also, dass die Ptolemäer 300 Jahre lang relativ friedlich und ohne Probleme ein Land regieren konnten, dass sie eingenommen und für sich beansprucht hatten?

Dafür schauen wir uns einmal den Beginn der Herrschaft an. Denn jede gute Story hat nun mal einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Und damit wir eben an das dicke Ende kommen, in dem sich Assassins Creed Origins bewegt, müssen wir erst einmal klären, was am Anfang und in der Mitte passierte.

Ehrlich, einer der Gründe wieso ich es liebe über die Antike zu schreiben ist, dass die Antike praktisch die Soap Opera erfunden hat. Keine Epoche konnte mit so vielen Intrigen und Machtkämpfen im Stil von Dallas und dem Denver-Clan aufwarten wie diese.

„Sic semper Tyrannis“ ein kurzer Blick auf die griechische Geschichte

Doch beginnen wir am Anfang. Die Zeit der Ptolemäer sollte mit Alexander dem Großen beginnen. Seine Feldzüge waren legendär, was aber vor allem an der Vorarbeit, die sein Vater Philipp II. geleistet hatte, lag. Seinem Einfluss ist es zu verdanken, dass Alexander mit gerade einmal 22 Jahren unter genauso harter Hand wie sein Vater jeden Widersacher nieder streckte und damit auch ungemein weit kam.

Angetrieben von dem Wunsch Griechenland weiter zu expandieren, wie es der Wunsch seines Vaters gewesen war, begab er sich auf seinen Feldzug durch ganz Persien bis hin nach Südasien. Genau in diesen Feldzügen übernahm Alexander auch Ägypten und beendete die Herrschaft der Archimäden über Persien.

Klingt gut oder? Alexander der Große, von jedem verehrt, schaffte es die Herrschaftsgebiete Griechenlands unfassbar zu erweitern. Korrekt, die Feldzüge sind legendär und suchen ihresgleichen. Was dabei aber doch gerne einmal ignoriert wird, ist der Wille, den man für solch eine Expansion braucht. Diesen Willen hatte Alexander zuvor auch schon in Griechenland selbst genutzt und sich unter den Griechen unfassbar unbeliebt gemacht.

Alexander wurde wie ein wahrer Pharao in Ägypten beerdigt

Vielleicht ist es für euch kein Geheimnis, dass die Griechen in der Antike die Demokratie erfunden haben und daher relativ ungehalten reagiert haben, als jemand daher kam und ihnen eben jene Demokratie wegnehmen wollte. Alexanders Vater tat genau das, als er den Sieg in der Schlacht von Chaironeia 338 v. Chr. (Anm.: Klingt wie das Pokemon Chaneira oder? Keine Sorge, während meines Studiums habe ich unablässig darüber nachgedacht, dass es ein Krieg der kleinen rosa Kugeln mit dem Ei vorne in ihrem Beutel war.) erlangte und damit Athen und Theben niederstreckte, die zu der damaligen Zeit noch die letzten Verteidiger gegen ein geeintes Griechenland waren.

Klingt episch oder? Schlachten sind in der Realität alles anderes als episch, aber die Geschichten werden immer nur von und für Sieger geschrieben und für Alexanders Vater war das ein Sieg auf voller Länge. Das bis dahin ungeeinte Griechenland (jede Polis machte ihr eigenes Ding und Demokratie wurde verdammt groß geschrieben) wurde geeint und besaß einen gemeinsamen Nenner: Philipp II. der sich Alleinherrscher über das geeinte Griechenland nannte, von den Griechen aber eher als Tyrann gesehen und empfunden wurde.

Und was passiert mit jedem Tyrannen? Nun „Sic semper tyrannis“ (z.dt: Jedem Tyrann das gleiche Schicksal), er wurde im Glanze seines größten Augenblicks ermordet. Seinen Plan, nach der Einigung Griechenlands in Persien weiterzumachen, konnte er also nicht mehr erfüllen und so kam Alexander ins Spiel.

Theoretisch war seine Übernahme der Macht in Griechenland recht human, praktisch würde jeder Grieche der Antike da jedoch widersprechen. Da Alexander den gleichen Willen wie sein Vater besaß ließ er so ziemlich alles niederstrecken, was seiner Alleinherrschaft im Weg stehen konnte und gerade die Zerstörung Thebens 335 v. Chr. sorgte für einen extrem schlechten Ruf Alexanders unter den Griechen. Interessierte ihn das? Nein, er hatte andere Ziele.

Wie Alexander unter Jubelrufe Ägypten übernahm

Er hatte sein Statement in Griechenland gesetzt, also konnte er dort weitermachen, wozu sein Vater nicht mehr kam: Sein Feldzug durch Persien. Tatsächlich sollte es nicht mehr so lange dauern bis Alexander in Ägypten ankam. Die Eroberung Ägyptens fand 332 v. Chr. statt und die Ägypter dürften zu diesem Zeitpunkt nicht gerade undankbar gewesen sein, dass jemand kam und sie von der persischen Herrschaft befreite.

Das Alexander definitiv nicht nur ein hirnloser Eroberer war, lässt sich daran erkennen, dass er in die damalige Hauptstadt Ägyptens reiste und dort (im Gegensatz zu den Persern, die die ägyptischen Götter verachteten) dem Gott Apis eine Opfergabe erbrachte und damit sein Wohlwollen zeigte. Die Ägypter waren davon angetan und der Legende nach wurde Alexander schon dort als der neue Pharao Ägyptens gekrönt. Eine Tatsache, die in den Quellen nicht wirklich belegt werden kann. Fakt ist jedoch, dass Alexander in diesem Jahr die Perser von ihrem ägyptischen Thron stieß und die Herrschaft über Ägypten übernahm und im Gegensatz zu den Persern seine Legitimation in Ägypten mittels der Religion anging.

Ein kluger Schachzug, denn den Ägyptern waren ihre Götter heilig und als Grieche konnte Alexander das sicherlich recht gut nachvollziehen, immerhin waren den Griechen ihre Götter ebenso heilig. Er selbst bezeichnete sich gerne als der Sohn des Zeus.

Das Grab des Alexander in Alexandria

Was waren Alexanders nächste Schritte? Nun, er verlegte die Hauptstadt Ägyptens, die sich damals in Memphis befand, nach Alexandria und brachte den Ägyptern extrem viel Fortschritt in ihr Land, allerdings ohne ihnen das Gefühl zu geben, dass sie nicht mehr Ägypter sein durften. Alexander, aber auch seine Nachfolger, legten unfassbar viel Wert darauf, dass jeder Ägypter seinen Glauben und seine Götter ehren durfte.

Das hatte natürlich gleich zwei Vorteile: Zum einen konnte nur ein Ägypter die heilige Priesterschaft annehmen (so blieb Religion und Glaube in ägyptischer Hand) und ausführen. Und zum anderen gab er den Ägyptern damit so viel Position, dass nicht auffiel, dass die Ägypter eigentlich nicht mehr viel zu melden hatten. Warum? Nun, bis auf eine Priesterschaft konnten hohe Ämter nur noch dann ausgefüllt werden, wenn man griechischer Abstammung war oder aber griechisch sprechen konnte. Auch durfte kein Ägypter sich der Armee anschließen.

Damit gewährleistete Alexander, dass nur seine eigenen Leute für ihn kämpften und es keine Ägypter gab, die kampftauglich genug waren, sich gegen ihn zu stellen. Nach Alexanders Tod wurde das Ganze an den ersten Ptolemaios (gut, eigentlich gab es da noch eine Schlacht und viel Geprügel um den Thron, aber der Einfachheit halber reicht es, wenn ihr wisst, das Ptolemaios der Gewinner war) übergeben und in den nächsten 300 Jahren sollte die Herrschaft relativ ruhig verlaufen und sich von einem Ptolemaios zum nächsten übergeben.

Das hellenistische Zeitalter war in Ägypten geboren, es brachte viel Fortschritt, viel Prunk und hier und da leider doch auch einiges an Leid.

300 Jahre Ptolemäer waren vielleicht doch 100 Jahre zu viel

Und genau hier setzt Assassins Creed Origins ein. Nach 300 Jahren Unterdrückung der Bauern Ägyptens war eine Zeit gekommen, an dem die Wirtschaft Ägyptens am Abgrund stand. Die Reichen wurden immer reicher, die Armen immer ärmer.

Dazu kamen noch die Römer, die auf dem Vormarsch waren und sich just in dem Moment dachten: „Ägypten ist ein Land, dass ich erobern muss. Schließlich wurde es von dem großen Alexander dem Großen erobert“. Und ohne Geld keine Soldaten. Was mussten die Griechen also tun? Yupp, ihre goldene Regeln verletzen, keine Ägypter in ihre Armee aufzunehmen. Sie hatten einfach niemand anderen, also wurden nun auch Ägypter ausgebildet. Kostengünstige Variante, die aber definitiv nicht so effektiv war, wie ein wirklich gut ausgebildeter griechischer Soldat.

Gerade in Alexandria sieht man die griechischen Einflüsse sehr

Änderte nichts daran, dass die Ptolemäer damit den Ägyptern das erste Mal nach 300 Jahren bewusst Waffen in die Hand legten und ihnen damit die Möglichkeiten gaben, sich gegen den wirtschaftlichen Untergang ihres Landes zu wehren.

Nun, dass es in der Zeit also doch einige durchaus schwierige Interessenkonflikte gegeben hat, sollte damit offensichtlich sein.

Dazu kam noch, dass Ptolemaios XIII. absolut kein Interesse daran hatte mit seiner Schwester Kleopatra zu regieren. Wieso auch? Nur weil es testamentarisch so festgehalten wurde, muss man das noch lange nicht so machen und es war nicht unüblich, dass man Familienmitglieder, die man loswerden wollte, auch einfach mal beseitigen ließ.

Kleopatra, die genau wusste, dass ihr Bruder diesen Weg vermutlich gehen würde, floh vor ihrem Bruder und stand nun vor einer relativ schweren Hürde. Sie musste die Herrschaft ihres Bruders stoppen, die Eroberung der Römer aufhalten und dabei noch mal kurz legitimieren, dass sie eine Frau war. Ich glaube ich spoilere nicht, wenn ich verrate, dass sie das alles sicher nicht mit Hilfe der Assassinen schaffte und ihr Bruder bzw. seine Berater auch nicht die Templer waren und es somit natürlich auch keinen Krieg zwischen Assassinen und Templer gab.

Kleopatra, die Frau mit dem Janusgesicht

Und was war nun an Kleopatra so besonders, dass man sie in den Fokus eines gesamten Games rückt, obwohl in der Zeit eine Menge anderer Shit ebenfalls abging? Eine Frage die sowohl leicht, aber doch etwas komplexer zu beantworten ist. Die leichte Antwort wäre: Sie ist und war eine Legende ihrer Zeit, eine Pharaonin widerwillen, die Liebhaberin von Julius Caesar und Marcus Antonius, die Frau die sich nicht beugen ließ und mit den Mitteln einer Frau ihre Ziele erreichte (heute würde man es wohl Sex gegen Leistung bezeichnen, damals anscheinend nicht).

Aber ich würde diesen Artikel nicht schreiben, wenn es wirklich so einfach gewesen wäre, wie es im Game dargestellt wurde. Die einfache Antwort ist nämlich zu größten Teilen einfach nur Schwachsinn.

Kleopatra sah sich selbst sowohl als Griechin als auch als Ägypterin an, zu ihrer Zeit etwas besonderes, denn in aller Regel sah sich jeder Herrscher einzig und alleine als Grieche an. Damit fühlte sie sich ihrem ägyptischen Volk schon einmal sehr viel verbundener als ihr Bruder Ptolemaios XIII. Damit war ihr Wunsch etwas für ihr Volk zu erreichen, umso größer.

Ist das per se negativ? Nein. Warum fallen die Rezensionen der Quellen über Kleopatra dann so negativ aus? Weil die einzig vorhandenen Quellen über Kleopatra von Römern verfasst wurden und die konnten die gute Dame wirklich auf den Tod nicht ausstehen. Sie war ihnen ein Dorn im Auge und das in so vielen Belangen, dass es den Rahmen des Artikels sprengen würde, sie alle aufzuzählen.

Ägyptische Quellen über Kleopatra gibt es eigentlich keine mehr, lediglich einige Abbilder und Prägungen auf Münzen. Übrigens ebenfalls etwas, was den Römern bitter aufstieß: Wie konnte man es wagen, eine Frau auf einer Münze abzubilden? Das sagt einem Historiker also nicht wirklich viel über die wahre Kleopatra und wenn es einem Historiker schon nicht viel sagt … nun es hat mich nicht gewundert, dass Ubisoft sich auf das gestützt hat, was sie finden konnten und das Kleopatras Darstellung deswegen doch sehr negativ ausgefallen ist.

Massenorgien, Alkohol, Drogen, Machtgeilheit, mehr nackter Körper als Kleidung ist das Bild das Ubisoft von Kleopatra darstellt. An dieser Stelle kein Fehler von Ubisoft, sondern nur ein einfaches Mittel Kleopatra genau so zu nutzen, wie sie es für ihr Game gerade brauchten. Die Realität sah allerdings doch etwas anders aus.

Kleopatra war ihrer Zeit relativ weit voraus, sie wird als überaus intelligent und sprachversiert beschrieben und daraus lässt sich schließen, dass sie genau wusste welche Hebel sie in Bewegung setzen musste, damit sie ihr Land nicht nur vor einer wirtschaftlichen Totalkatastrophe, sondern auch vor einer Machtübernahme der Römer bewahren konnte. Im Game of Thrones Stil würde man wohl behaupten, dass sie das Spiel um den Thron perfekt spielen konnte, selbst dann wenn es gerade so aussah als würde sie eigentlich untergehen.

Und nebenher muss ich einfach betonen, dass wir über eine Zeit reden, wo Frauen absolut nichts zu sagen hatten und vor allem nicht regieren durften. Wir reden hier also über eine verdammt starke Frau, die ihrer Zeit wirklich viele Schritte voraus war, dementsprechend negativ fällt natürlich ihre Kritik aus. Wie kann eine Frau es wagen sich soweit aus dem Fenster zu lehnen und damit auch noch was zu erreichen?

Sie ist selbstredend nicht die einzige Frau, es gibt in der Historie genug andere Frauen, die es ebenfalls schafften sich zu behaupten. Man schaue sich nur Königin Elizabeth von England an. Trotz allem war das alles nach Kleopatra.

Wieso man auf abgetrennte Köpfe als Geschenk verzichten sollte

Zugegeben ihr Bruder spielte ihr schon extrem gut in die Hände, anscheinend hatte er nicht die besten Berater an seiner Seite oder aber es war wirklich seine Idee. Auf jeden Fall hatte sich die obere Riege der Ptolemäer überlegt, dass es sicherlich eine simple Möglichkeit gibt, die Römer auf ihre Seite zu ziehen. Allgemein war es bekannt, dass zu der Zeit, als die Römer Interesse an Ägypten hatten, Pompeius und Caesar einen ganz schönen Machtkampf miteinander hatten. Pompeius war Caesar ein Dorn im Auge und theoretisch wäre die Überlegung, den Dorn zu ziehen um Caesar auf ihre Seite zu ziehen, vielleicht nicht mal ein schlechter Ansatz gewesen, wenn man nicht ein paar taktische Fehler dabei begangen hätte.

Übrigens eine Szene, die auch im Spiel vorkommt, allerdings im Spiel dermaßen aus dem Kontext gerissen wurde, dass ich ab diesem Zeitpunkt das Spiel historisch komplett ignorieren werde und erst zum Schluss noch einmal darauf zu sprechen komme, was Ubisoft historisch besonders gut dargestellt hat.

Der gute Pompeius einen ganzen Kopf kürzer

Fehler Nummer eins war, dass Ptolemaios Pompeius direkt nach seiner Ankunft in Ägypten töten ließ, obwohl er als Schutzsuchender dort ankam. Ein Statement, das man eventuell nicht setzen sollte, wenn man Frieden mit den Römern schließen möchte.

Der zweite Fehler, und der war vielleicht sogar noch größer als der Erste, war es den abgeschlagenen Kopf Caesar voller Stolz zu präsentieren. Natürlich könnte man jetzt glauben, dass Caesar sich darüber gefreut hat, dass ein Widersacher seiner Pläne tot war. Tat er aber nicht. Alles was Caesar in dem Moment signalisiert bekam war, dass die Ptolemäer kurzen Prozess mit den Römern machten. Caesars Paranoia bezüglich Pompeius Tod gingen soweit, dass er um sein eigenes Leben fürchtete und daher recht vorsichtig in Ägypten agierte. Erfolg sieht also anders aus.

Der Beginn einer Liebschaft, die Kleopatra den Sieg brachte

Allerdings gab dies Kleopatra die Möglichkeit mit Caesar in Verhandlung zu treten, denn dieser versteckte sich förmlich in Alexandrien um seine nächsten Schritte zu planen. Wie sie das erreichte obwohl ihr Bruder sie noch immer tot sehen wollte, sie also eigentlich kein Fuß nach Alexandrien setzen konnte ohne sofort zu sterben?

Na ja, vielleicht erinnert sich der eine oder andere von euch an die Teppichszene im Game, historischen Überlieferungen nach muss es sie wirklich gegeben haben. Aber weit weniger pompös und erotisch, wie es oft in Filmen und Büchern dargestellt wird. Caesar war auch nicht hin und weg von Kleopatras Schönheit, den Quellen nach dürfte es viel eher ihr Intellekt und ihr taktisches kluges Verhalten gewesen sein, dass bei dem über 20 Jahre älteren Caesar ordentlich Eindruck geschunden hat.

In diesem Teppich ist soll Klepatra sein

Damit war Ptolemaios raus und Kleopatra wieder drin, denn Caesar ließ Kleopatra wieder als Mitregentin neben ihren Bruder einsetzen. Und nun drehte Kleopatra den Spieß um. Mittels Caesar konnte sie eine Allianz mit Rom erwirken, was sehr viel besser als eine alleinige Fremdherrschaft der Römer war. Allerdings konnte sie dies nur erreichen, wenn ihr Bruder, und damit der letzte herrschende echte Ptolemäer, von der Bildfläche verschwand.

Im Assassins Creed Origins stirbt er theatralisch bei der Flucht aus seinem eigenen Palast, damit er Caesar und Kleopatra entkommen kann. Das war definitiv nicht so, im Gegenteil Ptolemaios versuchte sogar noch mit seiner Armee Caesar und damit die Römer in einer Schlacht aufzuhalten. Das klappte nicht wirklich, schon alleine deswegen, weil die Römer damals für ihre unfassbar militärische Versiertheit bekannt waren und Ptolemaios kaum anständige Soldaten auf seiner Seite hatte.

In einer alles entscheidenden Schlacht, ging das Schiff auf dem Ptolemaios gewesen war unter, der Weg war frei für Kleopatra und für eine Zeit sollte sie als Geliebte von Caesar ihre Herrschaft über Ägypten sogar festigen können.

Kleopatra und Caeser haben sich gefunden.

Etwas womit die Römer im Allgemeinen nicht sonderlich glücklich waren, immerhin hatte Caesar schon eine Ehefrau in Rom und war so dreist, seine Geliebte mit nach Rom zu bringen und dort offen zu zelebrieren, dass sie seine anerkannte Geliebte war und ihre Kinder definitiv Nachfolger für den Thron in Ägypten sein sollten.

„Sic semper Tyrannis“ die Zweite oder wieso Caesars Tod Kleopatra fast ruinierte

Ihr seht, Kleopatras Plan hätte echt gut klappen können. Aber erinnert ihr euch noch an das Sprichwort „Sic semper Tyrannis“? Yup, Caesar sollte es auch erwischen und das nicht zu knapp. Von seinem Freund Brutus verraten und danach dem Mythos nach von dem gesamten römischen Senat abgeschlachtet, musste Kleopatra aus Rom fliehen und sehen wie sie ihre Herrschaft über Ägypten noch halten konnte.

Brutus tötet Caeser und erfüllt damit das Sprichwort “Sic semper Tyrannis”

Die Römer hatten sicherlich andere Pläne als sie. Aber die gute Frau wäre nicht so weit gekommen, wenn sie es nicht ein weiteres und damit letztes Mal schaffen sollte einen mächtigen Mann zu ihrem Geliebten zu machen.

Nach Caesars Ableben errang sie die Gunst von Marcus Antonius, es war sicherlich gerade zu Anfang nicht wie bei Caesar, aber es reichte um ihre Position ein weiteres Mal zu festigen. Sie konnte sogar eine relativ lange Zeit alleine in Ägypten regieren und sollte es noch einmal schaffen, die Zeit der Ptolemäerherrschaft aufblühen zu lassen.

Wenn zwei sich streiten hat Kleopatra echt Pech gehabt

Das Problem dabei war nur leider, dass Kleopatra mitten in den Kampf um die Nachfolge Caesars rein rutschte und es nicht zu ihrem Vorteil war, dass Octavius (ich verrate euch am Ende wer er ist, wenn ihr es nicht schon wisst) sie nicht wirklich leiden konnte. Denn Octavius und Antonius schenkten sich relativ wenig dabei zu klären, wer der Nachfolger Caesars war.

Etwas das Kleopatra zwar versuchte zu lenken, aber etwas was sie wohl kaum in seinem vollen Umfang lenken konnte. Und tatsächlich sollte der Tod von Antonius und damit die Niederlage gegen Octavius ihr baldiges Ende einläuten.

Was das Spiel uns sagen möchte: Aya möchte Caeser und Kleopatra tot sehen

Octavius hatte eigentlich kein wirkliches Interesse an Kleopatra, noch weniger daran, dass sie ihre Kinder auf den Thron von Ägypten setzte. Das Einzige was ihn interessierte waren ihre Massen an Schätzen, mit denen er seine Soldaten bezahlen wollte. Und genau das sollte Octavius auch gelingen. Er nahm Kleopatra gefangen, nahm ihre Schätze und wie genau sie starb ist bis heute ein Mysterium.

Selbstmord war es in jedem Fall, doch wie es genau von statten gegangen ist, dass kann keine Quelle belegen. Octavius selbst dürfte es aber entgegen gekommen sein, denn danach ließ er gleich noch die älteren Kinder Kleopatras töten, damit sie in keinem Fall den ägyptischen Thron besteigen konnten.

Lang lebe Kaiser Augustus, der nun die Alleinherrschaft über Ägypten besaß

Octavius konnte sich nach dem Tod Antonius und einiger Beseitigungen von Leute, die ihm noch im Weg standen (es hat niemand gesagt, dass man auf die sanfte Tour die Alleinherrschaft als Diktator pardon Imperator in einem Land übernehmen kann) endlich zum alleinigen Herrscher Roms ernennen lassen.

Dabei bekam er seinen neuen Namen, der bis heute den ikonischen Name für eine friedliche Alleinherrschaft im Kaiserreich Rom darstellen sollte. Aus Octavius wurde nun Imperator Caesar Divi Filius Augustus, den meisten von euch vermutlich einfach nur bekannt unter dem Namen Kaiser Augustus.

Nachdem er den Titel annahm reiste er noch einmal nach Ägypten um dort ebenfalls seine Alleinherrschaft klar zu stellen und besuchte das Grab Alexander des Großen. Dieser symbolische Akt wird als das Ende der ptolemäischen Herrschaft bezeichnet.

Von Assassinen über Templer bis hin zur Wahrheit

Ihr seht, sehr viel hat das nicht mit Assassinen und Templern zutun. Und das was ich hier geschrieben habe kann auch nur als absolut grober Umriss der wahren Ereignisse angesehen werden. Die Jahreszahlen dienen dazu euch einen Überblick darüber zu geben, wie viel oder wenig Zeit eigentlich zwischen den jeweiligen Ereignissen gelegen hat.

Würde ich versuchen euch das gesamte Ende der ptolemäischen Herrschaft zu schildern, dann würde ich ein ganzes Buch damit füllen. Spannend ist jedoch, dass es durchaus extrem viel Dramatik und Intrigen gab, es blutig wurde und Mord an der eigenen Familie fast schon zum guten Ton gehörte. Dahingehend macht Ubisoft nicht wirklich viel falsch, allerdings braucht man sich nur irgendeine Familie aus der Antike raussuchen und die Chance, dass sie sich gegenseitig versucht zu töten, ist relativ hoch.

Daher bewerte ich an dieser Stelle nicht die historische Genauigkeit die Ubisoft versucht hat zu vermitteln.

Fakt ist jedoch, dass es die Medjai in der Form wie Ubisoft Bayek beschreibt, nicht gegeben hat. Schon gar nicht während die Ptolemäer an der Macht waren. Es gab eine Art Polizei im alten Ägypten, diese wurde auch vor der Zeit der Griechen durchaus als die Medjai bezeichnet, doch gerade während die Ptolemäer an der Macht waren wurden sie meist nur noch Blemmyern genannt. Die waren sicherlich vieles, aber nicht die gängige Polizei von Ägypten, sondern eigentlich eine Bedrohung für die Herrscher in Ägypten.

Was Ubisoft allerdings perfekt gelungen ist, und das darf und muss lobend erwähnt werden, ist die optische Darstellung Ägyptens. Sie ist ein Augenschmaus und so detailliert wie sie nur sein kann. Ubisoft hat viel Wert darauf gelegt die Umgebung so detailgetreu wie machbar zu programmieren und das ist ihnen definitiv gelungen.