Mina Ahadi: “Islam? Da reden wir über Terror, Faschismus und Ehrenmord”

1981 flüchtete Mina Ahadi nach Iranisch-Kurdistan. Nach zehn Jahren Kampf flüchtete sie 1990 nach Wien. Seit 1996 lebt Mina Ahadi in Köln.

Als Gründerin und Vorsitzende des Zentralrates der Ex-Muslime, Autorin von ‘Ich habe abgeschworen’ und Islam-Kritikerin hat sich Mina Ahadi viele Feinde gemacht.

Im Exklusiv-Interview spricht die 60-Jährige über ihre Abkehr von jeglicher Religion und warum ihrer Ansicht nach auch der Islam nicht zu Deutschland gehören sollte.

Zentralrat der Ex-Muslime gegründet

Verfolgt und zum Tode verurteilt von Anhängern Ajatollah Khomeinis, die bereits im Iran ihren Ehemann und viele Freunde hinrichteten, lebt sie heute — noch immer unter Lebensgefahr — in ihrer Wahlheimat Köln. “Nachdem wir 2007 den Zentralrat der Ex-Muslime gegründet hatten, bekam ich acht Personenschützer an die Seite gestellt. Seitdem ich 18 Jahre alt war lebe ich in ständiger Gefahr”, blickt die Wahl-Kölnerin zurück auf ein Leben unter Bedrohung. “Je bekannter ich werde, desto schwerer wird es für die Islamisten mich umzubringen. Ich habe gemerkt: Sicherheitsbehörden haben da eine ganz andere Sicht. Aber ich denke: Kein Mensch würde einfach auf die Straße gehen und sich vornehmen: Ich töte heute Mina Ahadi.”

Droh-Mails nach ‘Ich habe abgeschworen’

Mina Ahadi ist den Islam-Anhängern eine unbequeme Aktivistin und muss deshalb seit Jahrzehnten um ihr Leben fürchten. Foto: Peter Dettmer

“Wenn ich auf die Straße gehe, mit anderen Kontakt habe, bin ich nicht ständig in Angst”, beschreibt die Aktivistin ihren Alltag. “Nach Auftritten im Fernsehen bin ich immer freundlich in der Bahn gegrüßt worden. Andererseits: Was in Paris in der Redaktion der Charlie Hebdo passiert ist, kann auch mir geschehen. Man muss gegen Islamismus auf die Straße gehen und darf keine Angst zeigen. Auch viele deutsche Medien zeigen einfach zu viel Angst: Als dann zum Beispiel 2007 Ich habe abgeschworen erschienen ist, haben viele Redaktionen Termine abgesagt, weil sie Droh-Mails erhielten”

“Religion ist Privatsache”

Wegen politischer Aktivitäten gesucht, lebte Mina Ahadi — hier im Gespräch mit Peter Dettmer — viele Monate im Untergrund in Teheran. Besamenos Foto

Den Äußerungen von Politikern wie Angela Merkel, wie der Islam gehöre zu Deutschland, mag die Autorin nicht folgen. “Ich denke alle Religionen gehören nicht zum System. Religion mischt sich in zu viele Angelegenheiten des Alltags ein, die Kirche hat zu viel Macht. Angela Merkel versucht zu vermitteln, der Islam gehöre zu Deutschland — wenn ich eine einfache Antwort geben soll sage ich deutlich: Der Islam gehört nicht zu Deutschland, aber auch alle anderen Religionen sollten sich nicht einmischen. Religion ist Privatsache und sollte es bleiben. Die Vertreter des Islam spielen immer die Opferrolle. Wenn man über Islam redet, dann redet man auch über Islamismus und über eine politisch-aggressive, terroristische und faschistische Bewegung und Merkel macht einen großen Fehler, indem sie versucht, der faschistischen Bewegung in Deutschland zu helfen. Sie hat offensichtlich kein Interesse, sich mit Ehrenmorden zu beschäftigen, Islam-Gerichten in Deutschland, Richtern ohne Gesetze, oder Moscheevereinen, in denen Kinder radikalisiert werden und dann den IS unterstützen.

Nicht nur Religion, sondern politische Bewegung

Das weltweite Problem liegt viel tiefer: Der Islam ist seit rund 30 Jahren nicht nur Religion, sondern eine politische Bewegung. Wir haben zu tun mit islamischen Regierungen, dass war vor vielleicht 50 Jahren noch nicht so problematisch. Es gibt Mord, Terror, Steinigungen. Wenn wir sagen: der Islam gehört zu Deutschland, müssen wir auch sagen: die Scharia gehört zu Deutschland, die Steinigung, Ehrenmorde, Barbarei, Verachtung von Frauenrechten… All das kann man nicht einfach so annehmen mit den Worten: Der Islam gehört zu Deutschland.”

“Scharia-Polizei war nur die Spitze des Eisbergs”

Die Radikalisierung der Muslime ist nach Ansicht der gebürtigen Iranerin die Folge. “Wir haben es mit Islamismus zu tun. In Organisationen in Deutschland fließt viel Geld aus Ländern wie Saudi-Arabien, dem Iran oder der Türkei. Es wird angestrebt, immer größere und mehr Moscheen zu bauen. Es gibt Familien, die sind vor 20 Jahren vor den Taliban aus Afghanistan geflohen, in denen haben die Frauen kein Kopftuch getragen, aber im Laufe der Zeit haben die Männer über die Einflüsse der Moschee durchgesetzt, dass sie sich ebenso verhüllen müssen , wie die Töchter, die hier geboren sind. Der politische Islamismus hat zu viel Einfluss gewonnen. Die Scharia-Polizei in Wuppertal war nur eine Spitze des Eisbergs.”

Zentralrat der Muslime und Islam-Konferenzen

Die Islam-Aktivisten versuchen nicht nur innerhalb der Moscheen, sondern durchaus auch über Parteien wie das Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit (BIG Partei) und Gremien, wie die Integrationsräte der Städte, Einfluss zu nehmen. “Religiöse Gruppierungen sollten nicht als politische Parteien anerkannt werden”, positioniert sich die Autorin. “In Deutschland wurden durch die Bundesregierung Millionen von Zuwanderern abgestempelt, indem diese angeblich durch einen Zentralrat der Muslime oder in Islamkonferenzen vertreten werden. Dabei sind die meisten Menschen säkular und wollen nichts mit den islamischen Organisationen zu tun haben. Die Bundesregierung hat vier Millionen Menschen billig verkauft, indem sie festlegt, ein Aiman A. Mazyek vom Zentralrat der Muslime würde die Zuwanderer in Deutschland vertreten.

“Kein Kopftuch, keine Schläge, kein Muslim-Rabatt”

Im Januar 2009 erschien die Biographie von Mona Ahadi unter dem Titel “Ich habe abgeschworen”. Foto: Heyne-Verlag, ISBN: 978–3–641–01973–0

In ihrem Buch spricht sich die Autorin für Freiheit und Rechte von Frauen aus. Doch diese sieht sie durch radikale Religionsvertreter gefährdet. “Im Laufe der Jahre haben Ausländer in Deutschland das Etikett ‘Muslime’ übergestülpt bekommen. Viele sind mit dem Gefühl gekommen, vor allem viele Frauen, dass man hier in Freiheit leben kann. In Europa haben sich Menschen- und Frauenrechte durchgesetzt. Mein Wunsch ist es, dass die Politik diese Werte verteidigt und nicht den islamistischen Organisationen alles gibt, was diese fordern. Es muss klar geregelt sein: Hier werden Frauen und Kinder nicht geschlagen, keine Frauen gezwungen, ein Kopftuch zu tragen, hier gibt es keine Geschlechterapartheid, ein Mädchen darf einen Freund haben und niemand darf sich einmischen — so laut wie möglich möchte ich deutlich machen, dass unsere Menschenrechts- und Frauenrecht-orientierte Kultur verteidigt werden muss. Es darf keinen Rabatt geben mit der Begründung: das sind Muslime, das ist eine andere Kultur. Politiker und Medien verteidigen unsere Rechte nicht ausreichend.”