Kulturschock: IBM goes Apple — Mac@IBM

Wer 1984 vorausgesagt hätte, dass IBM am 1. Juni 2015 damit beginnt seine PC-Infrastruktur auf Macs umzustellen, wäre wahrscheinlich sofort eingeliefert worden. 1984 war IBM der böse Big Brother und Ridley Scott dreht zum Verkaufsstart des Macs einen legendären Werbespot, in dem ein Hammer in einen riesigen Bildschirm mit eben diesem Big Brother IBM geworfen wird, worauf der Bildschirm zerspringt – eine Kampfansage.

https://youtu.be/2zfqw8nhUwA

Aber genau dieser Kampf scheint jetzt gewonnen worden zu. Seit 2015 haben die Mitarbeiter von IBM die Möglichkeit statt eines PCs beziehungsweise IBM-kompatiblen Computers einen Mac als Dienstrechner zu bestellen. Die Auswirkungen sind beeindruckend. Inzwischen sind mehr als 90.000 Macs bei IBM angeschafft worden. Jede Woche werden 1300 neue Rechner angeliefert. IBM hat weltweit mehr als 600.000 Laptops im Einsatz, die jetzt Stück für Stück durch Macs ersetzt werden. Wenn die Entwicklung so weiter geht ist abzusehen wann IBM fast nur Macs als Arbeitsplatzrechner hat. Und tatsächlich sieht es sehr danach aus: 73 % der Mitarbeiter wünschen sich als nächsten Computer einen Mac. Schon jetzt gehört IBM zu den größten Kunden bei Apple und wird mit 100.000 Macs Ende 2016 der größte Unternehmenskunde von Apple sein.

https://youtu.be/NLgvIarqdDM?t=4m6s

Eigentlich war dieses Projekt dazu gedacht den Mitarbeitern eine angenehmere Arbeitsatmosphäre zu bieten, indem sie das System auf dem sie arbeiten wollen selbst wählen können. So sollte IBM auch attraktiver für die Toptalente der Branche werden. Ziel war es mit diesem „Workplace as a Service“-Programm eine neue Unternehmskultur zu schaffen. Die These: Technologie kann gestohlen werden, Unternehmenskultur aber nicht. Die Folgen sind aber weitreichender. Denn nicht nur die Zufriedenheit der Mitarbeiter ist gestiegen (bei Macs liegt sie bei 91 %), sondern IBM hat festgestellt, dass der Einsatz von Macs und iOS Devices um ein vielfaches günstiger ist als der Einsatz von IBM-kompatiblen Computern und Android-Devices. Das fängt schon bei der Anschaffung an. Macs sind zwar grundsätzlich teurer als herkömmliche PCs, aber ihr Wiederverkaufswert ist deutlich höher als der eines Windows Rechners. Die größte Kostenersparnis entsteht jedoch bei der Betreuung der Macs. Im Gegensatz zu IBM-kompatiblen PCs, auf denen zuerst ein Festplatten-Image eingespielt werden muss, können Macs direkt an die Mitarbeiter ausgeliefert werden. Auch die weitere Wartung ist vollkommen unkompliziert. Im Gegensatz zu Windows-Rechnern können die Macs direkt über die Apple Server ubgedatet werden. Das ist bei Windows-PCs laut dem Vicepresident für “Workplace as a Service”, Fletcher Previn, nicht der Fall. Er sagt sogar, dass es bei Windows-Rechnern günstiger ist einen neuen Computer zu kaufen als ein neues System zu installieren. Der Ansatz, den er verfolgte, war der: „Wenn ich ein Smartphone habe, dann muss ich ja auch kein Festplatten-Image vor der Verwendung aufspielen. Warum kann ich einen Computer nicht genauso wie ein Smartphone managen? Und genauso funktionieren Macs: Im Gegensatz zu IBM-kompatiblen PCs sind sie so unproblematisch zu betreuen wie Smartphones. Zudem sind Sie mit nahezu jeder Software kompatibel, die bei IBM verwendet wird. Das sind rund 3000 Anwendungen. 78 davon sind problematisch und nur 42 davon laufen tatsächlich nicht auf einem Mac, was aber nur sehr sehr wenige Mitarbeiter betrifft. Ein weiterer nicht unterschätzender Vorteil der Macs ist: Sie sind für die Mitarbeiter mit der höchsten Sicherheitsstufe einsetzbar. D.h. sie erfüllen die gleichen Sicherheitsstandards, wie die bisher eingesetzten Linux-Rechner. Windows-PCs sind dafür nicht zugelassen. Sie sind zu unsicher.

Aber auch im laufenden Betrieb bieten die Macs erhebliche Vorteile. So rufen Mac-User nur halb so oft die Hotline an. Und bei lediglich 5 % der Fälle ist Service vor Ort nötig. Bei herkömmlichen PCs sind es 27 %. Zudem sinkt die Nutzung des Supports in Prozent auf die installierten Macs kontinuierlich. Waren es am Anfang noch 7,6 % Support-Tickets, die benötigt wurden, sind es jetzt mit 3,2 % nur noch knapp die Hälfte. Alles in allem kosten Windows-kompatible Rechner für Support, Software, Auslieferung u.a. in einem Zeitraum von vier Jahren 57,3 Millionen Dollar mehr als Macs. Die Kosten sind damit dreimal höher als bei Macs.

Und das obwohl für das Mac@IBM-Programm neue Helpdesks mit Apple-spezialisierten neuen Mitarbeitern eingerichtet werden mussten. Sie wurden aber mit dem Entwicklerteam zusammengelegt, was auch zur Steigerung der Effizienz beigetragen hat. Tritt jetzt also ein Problem auf oder am Helpdesk wird festgestellt, dass etwas verbessert werden kann, wird ein solcher Fall direkt vom Entwicklerteam in die Hand genommen. Das hat zu Veränderungen generell bei IBM geführt. Nicht nur alle Apple-relevanten Webseiten im Intranet, sondern zahlreiche andere Programme und Seiten wurden durch diesen Kulturwechsel verändert und stark vereinfacht. Die Macs verändern so tatsächlich weit über das gesteckte Ziel hinaus die Unternehmenskultur.

Ein weiterer Punkt ist die Sicherheit: Während für Windows 7 im Jahr 2015 135 Systempatches installiert werden mussten, waren es für Macs nur 31. Beim Mac waren 11 sicherheitsrelevant, bei Windows 7 waren es 86. Für die IT-Abteilung heißt das: Macs müssen 104 Mal weniger betreut werden als herkömmliche PCs. Auch bei Android zeigt sich im Vergleich zu iOS ein signifikanter Unterschied bei der Security. Um eine unbekannte Sicherheitslücke dort aufzufinden und ein Schadprogramm dafür zu entwickeln kostet das im Darknet laut Fletcher Previn zwischen 10.000 und 100.000 Dollar. Für iOS liegt der Preis bei ungefähr 1.5 Millionen Dollar. Es ist also allein schon finanziell extrem aufwendig iOS zu hacken. Unter anderem deswegen werden bei IBM auch bei den Mobile Devices mehr iOS-Geräte eingesetzt. Von den rund 160.000 Devices sind 66% iOS-Devices, 44% Android und 0,4% Blackberry-Geräte.

Es ist wirklich verrückt, dass der Hauptkonkurrent von Apple nach 30 Jahren dessen Technologie übernimmt. Und das alles eigentlich nicht um Geld einzusparen und das bessere System zu nutzen, sondern um ein Kulturwechsel im Konzern einzuleiten. Die Folgen aber sind weitreichend. Nicht nur die Unternehmenskultur ändert sich, sondern eben auch die Kosten sinken, die Mitarbeiter sind zufriedener und alles in allem läuft der IT-Bereich weitaus besser. Ein Ergebnis, dass wohl niemand vorhergesagt hätte.

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