Ein ganz anderer Abend

Auszug aus den Tagebüchern des Chryztyian Tsett

Dienstag, irgendwann im Winter

Hi, liebes Tagebuch,

mein Tag verlief heute ganz anders als geplant.

Eigentlich hatte ich mich schon darauf gefreut, ganz entspannt, nachdem ich meine Pizzabaguettes verschnabuliert hatte, mich meinen Hobbies zu widmen.

Das letzte Stück mit Salami und Käse war noch nicht ganz im Enddarm angekommen, als draussen am Himmel mein Emblem die Wolken erhellte. Jemand brauchte meine Hilfe! Es war wieder Zeit für: Nerdman! Irgendwo brauchte irgendwer irgendeine helfende Hand, um ein Computerproblem zu lösen.

Natürlich weiß ich, dass niemand auch nur eine Kerze für mich entzündet hat. Vielmehr bekam ich eine WhatsApp Nachricht, in der mich jemand um Hilfe gebeten hat, weil der Computer abgestürzt ist.

Trotzdem wirkt es beim Lesen erstmal cool. Ich hätte auch ein Cape mit einer Rüstung, umgeben von Motherboards oder so. Ich führe eine Armee von schnurlosen Mäusen an, die alle meiner digital synthetisch erzeugten Flöte meines tragbaren Synthesizers folgen würden. Wie episch! Doch, ich schweife ab.

Nach nun einigem Hin und Her konnten wir das anfangs schier unlösbare Problem des Black Bildschirms lösen und der Tag war gerettet. Zumindest konnte ich am anderen Ende unserer unsichtbaren Telefonschnur einige fröhliche Ausrufe ausmachen, die auf Grund der hohen Dezibel-Lautstärke nicht nur mein Gehör veranlasst haben sich vorzeitig seiner hohen Töne zu entledigen, sondern auch den Rückschluss auf ein gewisses glücklich sein zu ließen. Hatte ich doch immerhin dafür gesorgt, dass letztlich Geld eingespart werden konnte und vor finanziellen Ausgaben bewahrt. So gesehen eigentlich mehr ein Schaden für die Wirtschaft, da nun kein Geld in den Umlauf gebracht wurde. Darüber hinaus hatte ich eine beliebige Bank davor bewahrt, einen Kredit abzuschließen, der sich wahrscheinlich alleine durch die Zinsen getragen hätte. Ach, was soll’s? Was kann eine einzige Person schon anrichten? Obwohl, wenn jeder so denke, erführen wir wohl früher oder später eine wirtschaftliche Katastrophe. Hm. Naja, vielleicht auch nicht. Oder etwa doch? Fragen über Fragen.

Ich habe zwar das, was ich mir ursprünglich vor ähm, nicht geschafft, doch vielleicht habe ich mir durch mein Tun einen Karmapunkt auf meinem Gute-Karmapunkte-Konto verdient. Das hat ja auch was. Somit hat Nerdman wieder einmal eine gute Tat vollbracht und verschwindet episch in der Nacht. Wenn ihr wieder mal ein Problem habt, wisst ihr nun, wie ihr Nerdman erreichen könnt. Bis dahin gehabt euch wohl. Bis zum nächsten Bit-Kipper. Euer Nerdman

Tja, liebes Tagebuch. So war das gewesen. Zwar ganz anders als ursprünglich geplant, aber letztlich doch erfolgreich.

Ich bin gespannt, was mich die nächsten Tage erwartet.