Scar Symmetry: The Singularity
Ein Lobgesang auf ein Metal-Album

Der Titel lässt es schon erahnen. Es soll sich hier tatsächlich um einen sehr subjektiven Lobgesang auf ein Album handeln.

Am 20.05.2015 habe ich mir das Album The Singularity (Phase 1: Neohumanity) der Band Scar Symmetry gekauft. Bis Freitag Morgen haber ich es bereits sage und schreibe fünf Mal angehört. Ich könnte es sogar noch öfter und in Folge hören und hätte es nicht über. Dieses Album hat meine gesamten Erwartungen übertroffen, was da hätte erscheinen können.
Doch zurück zum Anfang…

Als ich die Band Scar Symmetry mit dem Song The Illusionist kennen lernte, war ich schlichtweg begeistert. Der Sound, der Druck, die Riffs und vor allem der Wechsel zwischen den Clean Parts und den Growls. Das hat mich damals einfach weggeblasen. Hinzu kam dann noch der Text, der mich sehr ansprach. Als ich hinterher herausfand, das sowohl die Growls als auch die Cleans von einem einzigen Sänger performed werden, Schlug das dem Fass den Boden aus. Ich musste mehr von dieser Band haben. Un-be-dingt!

Entsprechend habe ich mir Tracks und Alben besorgt und stellte schnell fest, dass dies eine Band ist, die einen Nerv von mir traf. Als dann Sänger Christian Älvestam die Band verlies, kam für mich schnell die Frage “Und nun?” auf.
Interessanter Weise wurde er durch zwei neue Sänger ersetzt. Zum Einen Lars Palmqvist, der die Clean Parts übernimmt, zum Anderen Robert Karlsson, der sich für die Growls verantwortlich zeigt.
Alleine dieser Schritt ist für eine Band schon recht besonders.

Als dann neue Alben mit den neuen Sängern folgten, war ich allerdings nur semi-begeistert.
Sicherlich waren der Sound und die Thematik noch vorhanden, aber die Symbiose zwischen Band und Vocals schien eher noch im Prozess zu sein. Es fühlte sich teilweise nach “Suchen und Finden” an oder nach dem Versuch den ehemaligen Sänger imitieren / ersetzen zu wollen. Im Großen und Ganzen wirkte es ein wenig unausgereift.
Trotzdem bin ich der Band treu geblieben und war gespannt, wie die Entwicklung der Band voran schreiten und welche Richtung man einschlagen würde.

Am 03.10.2014 erschien dann The Singularity (Phase I: Neohumantiy).
Dies ist mir fast ein Jahr zu spät aufgefallen. Sehr schade, wie ich feststellen musste. Aber besser zu spät, als nie etwas davon mitbekommen.
Umso mehr hat mich überrascht, was meine Ohren zu hören bekamen:

The Singularity hat einfach alles, was ich an Metal mag, gut finde und feiere. Noch nie habe ich so viele unterschiedliche Einflüsse in einem Album gehört. Das man Melodic Death oder Modern Metal hören würde, war ja durch die vorherigen Alben bereits klar. Was aber dazu gekommen ist und in welcher Kombination, lies mich wahrlich erstaunen:
Tiefe Growls gefolgt von Clean Parts oder auf gefolgt von Screams. Soweit so gut. Was für mich aber neu war, ist das Überlagern von Growl und Clean mit identischer Textzeile! Was für ein Sound! Gleiches gilt für Screams und Growls. Hammer! Zwischendurch mehrstimmige Passagen, wie man sie eher im Power-Metal oder Melodic Metal ansiedeln würde.
Abwechslungsreiche harte, schnelle Riffs, unterschiedliche Gitarren-Soli, mal schnell, mal episch, mal langsam.
Der Double-Bass darf natürlich nicht fehlen, genauso wenig wie der Beat, der mal treibend, mal groove-mäßig einschlägt.
Im Hintergrund passend zu den Passagen Keyboard Pads, die das musikalische Szenario mit ihrem Klangteppich vervollständigen.
Tempi-Wechsel und Tonart-Variationen, sowie harmonische und disharmonische Akkorde passend zum Text bzw. der Stimmung dürfen dort auch nicht fehlen.
Genre-technisch haben sich Scar Symmetry absolut ausgetobt:
Gitarren-Soli aus dem Progressive-Bereich, groovige Akkorde aus dem AOR wie man sie vielleicht von Twisted Sister oder KISS hätte erwarten können, Gesangs-Passagen aus dem Melodic- / Power-Metal Bereich ebenso wie Gitarren-Parts und Keyboard Pads.
Das Ganze gewürzt mit einer kleinen Prise 8-Bit Synth legen wir das auf die Melodic-Metal / Modern-Metal Basis und fertig ist The Singularity.

Wir begeben uns nicht nur thematisch auf eine Science Fiction Reise die den Cyberpunk mit einschließt sondern erleben zusätzlich auch noch eine auditive Achterbahnfahrt durch verschiedene Metal Genres.

Dabei wird das Album nie langweilig oder nimmt zu wenig Fahrt raus. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, etwas unpassendes oder unstimmiges zu hören. Man kann das Album am Stück hören und bekommt das Gefühl, das es einfach rund ist. Das könnte nicht zuletzt am Intro, den Interludes und der großartigen Reihenfolge der Tracks liegen.

Scar Symmetry haben zwar eine große “Suchen und Finden”-Phase gehabt, doch nun bekommt man den Eindruck, das sie sehr genau wissen, was sie tun. Man nimmt die Vorteile beider Sänger und nutzt es zu seinem Vorteil, zwei Sänger zu haben, was der Band hervorragend gelingt.

Ich für meinen Teil lehne mich soweit aus dem Fenster, das ich sage, ich besitze mit The Singularity das beste Metal-Album, das ich je gehabt habe. Ausgenommen diverser Klassiker, die über jeden Zweifel erhaben sind und den Genre-Spezialitäten wie z.B. Medieval oder Pirate Metal, schafft es Scar Symmetry in weniger als 45 Minuten mein gesamtes Metal Feld genretechnisch abzudecken und dabei noch Groove und Druck zu haben.

Abgesehen von der geringen Laufzeit, legt die Band meinen Erwartungshorizont sehr hoch. Diesem Album gleichzuziehen oder gar es zu übertreffen, scheint mir geradezu unmöglich. Ich wüsste nicht, wie man das schaffen könnte. Dabei handelt es sich bei The Singularity um den ersten Teil einer Trilogie.

Ich bin auf jeden Fall mehr als begeistert und gehyped und werde mir nun noch ein paar weitere Male die Trommelfelle mit The Singularity (Part I: Neohumanity) zudröhnen.