Wie viel Offenheit ist erlaubt?

Eigentlich ist Offenheit etwas Schönes. Hinzukommt, dass es gerade mein Anspruch ist, offene Texte zu schreiben, die einen tiefen Blick in meine Seele erlauben. Und dennoch bin ich in den letzten Tagen mehrmals über die Frage gestolpert, wie viel Offenheit erlaubt ist — oder besser gesagt: gut für mich ist. 
Zum einen habe ich den Link zu meiner Webseite auch an viele Personen weitergeleitet, die ich kenne, sodass das mit der Anonymität gar nicht mehr so gewährleistet ist wie am Anfang noch. Da denke ich jetzt schon zweimal nach, was ich schreibe, weil ich weiß, wer es alles lesen könnte. Und doch: Diese Problematik hat ein wenig an Intensität verloren, da ich mich verstärkt auf ein tolles Gandhi-Zitat zurück besinne:

“Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.”

Und ich persönlich wünsche mir eine Welt, in der wir viel offener über die Dinge reden können, die uns bewegen, weil es selbstverständlich sein soll. Heißt also konkret: Ich probiere, die Werte vorzuleben, die für mich die Welt von morgen ausmachen sollen.
Oh Gott! Wenn ich das schon lese… Gerade den letzten Satz. Das konfrontiert mich mit dem nächsten Problem: Bei allen guten Vorsätzen, die ich beim Schreiben habe, wollte ich es immer vermeiden, zu missionarisch zu sein. Tatsächlich ist das der Hauptgrund, warum ich so lange keinen neuen Artikel mehr veröffentlicht habe. Denn ich befinde mich momentan in einer Identifikationsphase als Autor. Was will ich schreiben? Und vor allem WIE will ich es schreiben? Webseiten, die uns die Theorie über die menschliche Psyche vorpredigen, gibt es zuhauf. Wo bleibt da der Mehrwert, den ich kreiere? Auf der anderen Seite will ich aber auch nicht zu sehr aus der Opferrolle heraus schreiben, da ich ja auch Mut machen will und Wege aufzeigen will. Wow! Als ich damals vor einem halben Jahr mit meinem Blog angefangen habe, habe ich mir das mit der richtigen Balance sicherlich nicht so schwierig vorgestellt. Ich denke, die Lösung liegt für mich darin, mehr den Fokus auf meine Erfahrungen zu legen und das, was es gefühlsmäßig mit mir macht. Einfach mehr die Gefühlsebene herauszuarbeiten…
So viel zum Konzept. Und trotzdem tauchen immer wieder Situationen auf, bei denen ich mich frage: Soll / darf / kann ich darüber schreiben? Und wenn ja: Wie detailliert soll ich darüber schreiben? Da ist zum Beispiel diese Tantra-Massage, die ich im Juni bekommen habe und die eine mega spannende Erfahrung war, die gefühlsmäßig ganz viel mit mir gemacht hat. Es wäre bestimmt wahnsinnig interessant zu lesen. Doch auf der anderen Seite merke ich auch einen Widerstand, ob ich wirklich bereit bin, darüber zu schreiben und ob es sich richtig anfühlt. Denn das Ganze einfach nur oberflächlich abzuhandeln, macht keinen Sinn. Dann könnte ich es gleich bleiben lassen. Mal sehen, ob der Artikel noch kommt…
Ich bin also momentan sehr intensiv in einem Selbstfindungsprozess. Wahrscheinlich nicht nur als Autor, sondern auch als Mensch.

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