PewDiePie reagiert auf Antisemitismus- Vorwürfe und kritisiert Medien

PewDiePie adressiert die Vorwürfe per Videobotschaft (Quelle: YouTube).

YouTube’s größter Videoproduzent Felix Kjellberg, besser bekannt als PewDiePie, reagierte in einem neuen Videostatement auf den Vorwurf, seine Videos würden antisemitische Äußerungen enthalten und nationalsozialistisches Gedankengut befürworten. Im Video entschuldigt sich der 27-Jährige zwar für sein Verhalten, gleichzeitig kritisiert er die Medien scharf und wirft ihnen vor, eine Kampagne gegen den Blogger zu führen.


Felix Kjellberg verdient seinen Lebensunterhalt mit der Produktion von YouTube Videos. Hauptsächlich spielt er unter dem Namen Pewdiepie PC Spiele und filmt seine Reaktionen. Mit diesem einfachen Konzept ist er zum meistabonnierten YouTuber der Welt geworden — seinem Kanal folgen (potentiell) 53 Millionen Menschen (Stand: Februar 2017). Eine enorme Reichweite an Zuschauern, die er täglich mit seiner provokant-albernen Art unterhält. In einem Wallstreet Journal Artikel aus der vergangenen Woche wurde der 27-Jährige Schwede nun beschuldigt, Antisemitismus zu fördern. Auslöser war ein (inzwischen bereits gelöschtes) Video des Vloggers von Januar 2017, in dem er über einen Webdienst zwei Menschen dafür bezahlt hat, judenfeindliche Äußerungen auf ein Plakat zu schreiben. Das WSJ verwies in ihrem Artikel auf weitere, angeblich antisemitische Äußerungen Kjellbergs. In der Folge kündigte das zu Disney gehörende Netzwerk Maker Studios die Verträge mit Pewdiepie. Google wird auf die Ausstrahlung der zweiten Staffel von Scare PewDiePie auf YouTube Red, einem Video-on-Demand Bezahlangebot von YouTube, verzichten. Außerdem wird Pewdiepie seine Inhalte nicht mehr über das Google Preferred Program vermarkten und mit Anzeigen versehen können. Seinen Monetarisierungsstatus verliert der Blogger allerdings nicht.

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Nachdem Kjellberg bereits mit einem Tumblr Post auf die Vorwürfe eingegangen ist und sich von neonationalsozialistischen Gruppen distanziert hat, folgte nun ein Videostatement. Und das hat es in sich. Denn was als ernst gemeinte Distanzierung von den Vorwürfen und als Entschuldigung beginnt, endet in einer Tirade gegen die Medien. So führt Kjellberg an, dass traditionelle Medien vor Internetpersönlichkeiten wie ihm gewissermaßen Angst hätten, da der Einfluss von Bloggern heutzutage viel größer und relevanter sei, als der von Zeitungen oder Newsoutlets. Eine eher ungerechtfertigte und wenig belegbare Meinung. Viel gravierender: Ganz offenbar ist sich Kjellberg seiner Reichweite und seines Einflusses also bewusst. Damit muss er sich auch der Verantwortung, die mit dieser Reichweite — vielleicht auch gegen seinen Willen — kommt, bewusst werden. Einen Videostunt mit äußerst provokativen Äußerungen zu produzieren, kann daher als kalkuliert gesehen werden. Auch wenn die Entwicklung den Blogger wohl überrascht haben dürfte und er auch im Video einen äußerst angespannten und emotionalen Eindruck hinterlässt. Für den „joke“ entschuldigt er sich, kritisiert aber das WSJ und andere News Outlets, die die Geschichte aufgegriffen haben, scharf. Man führe eine Kampagne gegen ihn und vor allem das WSJ hätte seine Äußerungen aus dem Kontext gegriffen. Dass er auch in Zukunft seiner provokanten Linie treu bleiben will, zeigt sein Abschlussgruß an die Autoren des WSJ Artikels. Denen zeigt er den Mittelfinger.

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Was bleibt von PewDiePie’s Statement zu halten? Der Blogger sagt, dass seine Äußerungen nur ein Witz, ein „joke“ gewesen wären, mehr nicht. Auch wenn er sich für seine Äußerungen entschuldigt, so hat gerade seine Generalabrechnung mit den Medien einen seltsamen Beigeschmack. Dass es eine feine Linie gibt, die schnell überschritten ist, scheint ihm wenig bewusst. Stattdessen inszeniert er sich als Opfer einer medialen Hetzkampagne. Seine Vorwürfe gegenüber dem WSJ und den Medien, sie würden nur ihre eigene Agenda verfolgen und gezielt Menschen in Misskredit bringen wollen, sind nicht nur haltlos, sondern in den turbulenten Zeiten eines Donald Trump als US Präsident, der erst kürzlich die Medien zum Feind des amerikanischen Volkes erklärt hat, äußerst problematisch. Erneut ist sich Kjellberg bei seiner Generalkritik an den Medien nicht seiner Reichweite und damit einhergehenden Verantwortung bewusst. Ob er weiß, dass er im schlimmsten Fall — wenn auch unabsichtlich — Trumps Versuch, journalistische Darstellungen allgemein zu diskreditieren befeuert? Wahrscheinlich nicht. Oder er nimmt es zumindest billigend in Kauf. Das Video erzielte mittlerweile über 11,6 Millionen Aufrufe, 1,6 Millionen positive Bewertungen und über 188,000 Kommentare. Der Kanal wird laut Social Blade auch weiterhin kontinuierlich abonniert.

Was haltet ihr von PewDiePies Verhalten und seinem „Response“ Video?