Homo sapiens; weiser Mensch? (DC | Internet; Fluch oder Segen)

Laut Omi sind wir alle etwas verrückt geworden. Die Welt sei angesichts der Möglichkeiten unbegreiflich geworden, fast schon beängstigend. Und tatsächlich sind wir wohl etwas über das Ziel hinausgeschossen. Über die Vor- und Nachteile der technischen Entwicklung hinsichtlich des Internets ist schon viel philosophiert worden. Positiv ist, dass die Vernetzung der Welt Optionen bietet wie eine schnelle unkomplizierte Kommunikation oder den Zugriff auf einen enormen Fundus an Wissen und Unterhaltung, negativ sind Cyber Mobbing und die Gefahr des Datenmissbrauchs usw. Jaja… darüber haben wir alle schon viel gehört, viel gelesen und viel gesehen. Unser Alltag ist schon lange nicht mehr offline. Die digitale Welt ist fest verstrickt mit der Welt, die auch ohne Strom funktioniert. Man trennt nicht mehr, Internet ist Leben. Man ist heute nicht einmal mehr überrascht, was die Bandbreite an Funktionen und Optionen betrifft. Man hat aufgehört zu hinterfragen und akzeptiert ziemlich schnell bestimmte Bedingungen, indem man sein Häkchen setzt um auf gewisse Inhalte Zugriff zu erhalten. Und es scheint als hätte der ein oder andere vergessen, dass hinter der Aufmachung von Facebook Menschen sitzen, denen man seine geteilten Informationen anvertraut, um nicht zu sagen „überlässt“.

Evolution. So könnte man das ganze nennen… oder den Lauf der Zeit. Aber dabei ist eine Sache ziemlich auffällig. Bis zu einem gewissen Punkt entwickelte sich der Mensch an sich. Sein Aussehen, die Körperhaltung oder das Verhalten im Bezug auf die Umwelt. Jetzt scheint es allerdings so, als würde etwas stagnieren. Zumindest in der ersten Welt. Die Mehrheit versucht nach Geld, Ruhm und Macht zu greifen. Dafür beuten wir unsere Erde aus, führen Kriege und sind dauerhaft damit beschäftigt die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Wir sind engstirnig. Alles was sich stetig zu verändern scheint, ist die Persönlichkeit. Da fragt man sich ob wir schon so vollkommen sind, dass es nur noch gilt eine richtige Denkweise oder ein richtiges „Inneres“ zu definieren. Der technische Fortschritt steht damit eng in Verbindung. Die Möglichkeiten sind quasi grenzenlos. Man kann genauso viel Schaden anrichten, wie Gutes tun und das im großen Stil.

Wer waren diese Leute, die das Wissen hatten die Grundsteine für solch eine Neuerung in der Lebensweise der meisten Menschen zu legen?

Alles begann wohl mit der Erfindung der Telekommunikation. Harmlos und noch begreiflich. Das Witzige ist, damals konnte man einfach den Stecker ziehen und war wieder Herr der Lage. Ist jedoch einmal die Entscheidung gefallen die neusten Technologien zu nutzen, kann man das Handy ausschalten und Unbekannte werden trotzdem noch damit beschäftigt sein, die persönlichen Informationen auszuwerten und diese für ihre Zwecke zu nutzen. Stichwort Vorratsdatenspeicherung. Jetzt kann man sagen, gut sollen sie… ich existiere und handle trotzdem wie ich es für richtig halte… ich habe nichts zu verbergen. Aber ist es nicht grotesk, dass uns dabei die Entscheidung abgenommen wird? Wortwörtlich sind die „Drahtzieher“ andere, nicht wir selbst. Allein diese Tatsache sollte uns doch langsam stutzig machen. Wenn es nur das wäre… dem ein oder anderen fällt es mittlerweile verdammt schwer das Smartphone aus der Hand zu legen und dem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Ein Gegenstand scheint uns zu kontrollieren.


Und wie würde die Welt heute aussehen, wenn niemand jemals einen Schritt in diese Richtung gemacht hätte?

Es ist sieben Uhr, der Wecker klingelt. Und zwar einer der tickt, mit Zeigern und so. Ich räkle mich, gähne und versuche langsam aus dem Bett zu kriechen. Erstmal schauen wer in whatsss… halt das gibt es nicht. Laut Stundenplan geht`s um neun los. Also beeile ich mich um den Zug um acht zu erwischen. Am Bahnhof angekommen sehe ich… Mist der Zug fällt aus. Hätte ich das mal vorher gewusst — das kostet mich jetzt eine dreiviertel Stunde meiner sonst enorm sinnvoll verwalteten Lebenszeit. Wenn es nur sowas wie eine Deutsche Bahn App gäbe… Schnell die Mädels anrufen und Bescheid sagen. So jetzt ist in die Luft starren angesagt bis der nächste Zug kommt. Oder, Nachdenken…

Das Seelenleben ordnen und den Moment der Ruhe auskosten.

An der Uni angekommen, quetsche ich mich in die letzte Reihe im Vorlesungssaal. Alle starren wie gebannt… nach vorne und hören aufmerksam zu. Denn ein Smartphone mit lustigen Spielen wie CandyCrush drauf gibt es ja fatalerweise nicht. Der Professor freut sich an der großen Zuhörerschaft und gibt sich richtig Mühe die Inhalte interessant rüber zu bringen. Trotzdem gibt es den ein oder anderen der gelangweilt am Bleistift kaut.

Wie wichtig es doch ist, sich auch mal auf etwas einzulassen und nicht direkt abzuschalten.

Nach der Vorlesung waren wir noch in der Bibliothek um für ein Projekt zu recherchieren, ein paar fette Bücher schleppten wir auch mit nach Hause. Wie dufte wäre ein Onlinenachschlagewerk. Im Zug zurück setzte sich ein älterer Mann zu mir. Er erzählte mir ein paar Anekdoten aus seinem Leben und es entstand ein nettes Gespräch. Der Mann schien sehr selig darüber zu sein, seine Fahrtzeit durch ein solches Gespräch aufwerten zu können.

Und es macht glücklich ein echtes Lächeln zum Abschied zu sehen.

Ich war überhaupt nicht überrascht von diesem Ereignis, denn sowas passiert in einer Welt wie dieser. Wenn es jetzt so etwas wie Facebook gäbe, könnte man sich in dieser Zeit natürlich auch mit den Posts von irgendwelchen Leuten beschäftigen, die einen doch nicht so wirklich interessieren, auch cool und vor allem so unverfälscht und authentisch…

Müde und irgendwie erfüllt falle ich an diesem Tag in mein Bett. Es ist in diesem Moment nur minimal bedauerlich, dass es jetzt nicht noch mindestens drei offene Konversationen gibt… oder negative Nachrichten aus der Welt die mir über sowas wie ein Smartphone zugspielt werden könnten.

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