Sorry I ain’t got no money I’m not trying to be funny. (DC | Digitale Währung)

Mit ungefähr 9 Jahren fand ich meinen ersten Geldschein auf der Straße. Ein lila grüner 10 Mark Schein. Ich kann mich deswegen so gut daran erinnern, weil das Gefühl diesen von der Straße aufzugabeln großartig war. Zu dieser Zeit machten meine Kindergartenfreundin und ich an Übernachtungswochenenden gerne Frühstück für alle . Dafür gingen wir dann immer ganz alleine einkaufen und an diesem Tag zahlten wir den Einkauf mit dem gefundenen Geld. Angenommen es wäre nun lediglich möglich gewesen mit Karte zu bezahlen… wir hätten uns wohl nie so stolz gefühlt, das alles alleine gemeistert zu haben. Denn erstens hätten wir zum Einkaufen dann ein Elternteil mitnehmen müssen und zweitens wäre das geplante Frühstück keine Überraschung gewesen.
Das ist schon mal ein Grund, der den Umstieg auf eine digitale Währung zweifelhaft machen sollte. Wie bezahlen die Kinder? Was ersetzt das Taschengeld und vor allem… wie kann der Wert des Geldes vermittelt werden, wenn es nichts gibt was man zählen kann? Auch der Belohnungseffekt wäre wohl nicht mehr derselbe. Wenn der Sohn dem Vater hilft das Auto zu waschen… und der Vater danach sagt: „danke, ich überweis dir was!“, dann klingt das fast wie ein Witz. Damit wäre wohl auch kein Kind zufrieden. Kinder wollen das Geld schließlich in einen Kaugummiautomaten werfen oder es stolz den Freunden präsentieren.
Gleichermaßen würde sich in der Welt der Erwachsenen einiges verändern. Gerade was das Kaufverhalten angeht. Es ist ja schon jetzt so, dass wenn wir ohne Geld losziehen mehr einkaufen als wir eigentlich geplant hatten. Besonders fällt mir das auf, wenn ich im Drogeriemarkt Besorgungen mache. Sind in meinem Geldbeutel 20 Euro dann gebe ich 19,50 Euro aus. Habe ich kein Bargeld dabei und zahle mit meiner Bankkarte, dann können es auch schon mal 30 Euro sein. Die Übersicht geht verloren, man schaut nicht mehr ganz so penibel auf den Preis und legt das ein oder andere Produkt mehr in den Korb. Ähnlich ist es beim Onlineshopping. Da sieht die Zahl 50 dann auch nicht mehr so mächtig aus wie auf dem Schein. Etwas Gegenständliches aus den Händen zu geben vermittelt doch noch einmal mehr das Gefühl etwas zu verlieren als eine Zahl, die sich verkleinert.
Auch mit dem Thema Selbstbestimmung würde es sich anders verhalten. Eine Bank die permanent über die persönlichen Mittel verfügt ist mächtig. Sollten irgendwelche Komplikationen auftreten, die auch nur für einen bestimmten Zeitraum dafür sorgen, dass man keinen Zugriff mehr auf das digitale Eigentum hat… dann könnte man sich nicht einmal mehr Geld leihen. Denn keiner könnte es dir einfach mal so zur Verfügung stellen. Stell dir vor du bist mit dem Handy einer anderen Person unterwegs und verwaltest deren Finanzen. Wie soll feststellbar sein, ob es sich nun um einen Akt der Freundschaft handelt oder um Diebstahl. Viele würden sich diese Undurchsichtigkeit wohl noch mehr zu Nutzen machen. Darüber hinaus ist es für diejenigen, die das Hacken beherrschen ein Leichtes an solche online Daten heranzukommen.
Warum sollte man also einer Technik trauen, die andere mehr durchschauen als man selbst?
Der Gedanke das Handy mit der eigenen Kreditkarte zu verbinden, für mich unbegreiflich. Damit legt man seine persönlichen Daten doch vollständig offen. Dann weiß Mark Zuckerberg zukünftig auch noch wie viel ich auf dem Konto habe… nein danke, das ein oder andere Stückchen Privatsphäre behalte ich mir gerne bei.