Schule

Es gab einen Abschnitt meiner Schulzeit, indem ich mich wirklich bemüht habe die mir bestmöglichen Noten zu erreichen. Ich habe mich vor Schularbeiten genauestens mit den Themen befasst, erst aufgehört zu lernen, wenn wirklich jedes Kapitel bombenfest in meinem Gedächtnis gespeichert war. Dementsprechend hatte ich auch sehr gute Noten. Nur Einser und Zweier waren in meinen Zeugnissen vertreten. Ich, als lernfreudige Person, habe natürlich versucht mein Wissen an die weniger motivierten Schüler und Schülerinnen weiterzugeben. Ich konnte nicht nachvollziehen, dass manche meine Hilfe zurückwiesen, mit der Begründung: „Warum sollte ich meine Zeit in stundenlanges Lernen investieren, wenn ich auch mit wenig Aufwand durchkommen kann?“. Ich konnte ihnen keinen triftigen Grund nennen.

Irgendwann fing ich selbst an, an meiner Arbeitsmoral zu zweifeln. Bis zu diesem Punkt, hatte ich Angst der Wahrheit ins Auge zu blicken. Angst mir selbst einzugestehen, dass meine Arbeit und Mühen um sonst waren. Im Endeffekt werden die Faulen, wie die überehrgeizigen Schüler und Schülerinnen nach zwölf Jahren mit der Matura (Abitur) das Schulgebäude verlassen. Dank der zentralisierten Abschlussprüfung ist sowieso egal, ob man eine technisch orientierte, sprachliche oder künstlerische Schule besucht hat. Wir alle bekommen dasselbe Zertifikat, dieselbe Auszeichnung, die zwölf Jahre voller Bemühen und Arbeit rechtfertigen soll. Immerhin sind wir jetzt berechtigt an jeder Universität oder Fachhochschule unser Studium zu beginnen. Vier (oder mehr) Jahre in denen wir wieder von Null beginnen dürfen und uns auf ein Thema spezialisieren können. Aber Moment, habe ich nicht etwas von einer Studienberechtigungsprüfung gehört? Mit der Abgabe eines Aufsatzes zu einem allgemeinen Thema, drei Prüfungen zu jeweils einem Pflichtfach und einer Prüfung zu einem Wahlfach, ist es möglich die Universitätsreife für ein Bachelor-, Diplom- oder Lehramtsstudium zu erreichen. Das bedeutet, dass jemand, der gerade einmal seine Schulpflicht absolviert hat, mit einem Aufwand, der sicherlich nicht mit vier Jahren Gymnasium zu vergleichen ist, dieselbe Ausbildung wie Schulabsolventen/Absolventinnen genießen kann.

Schüler/innen, die bereits mit 14 Jahren ihre Traumberufung gefunden haben, sind bei einer Lehre, sofern es für jene Berufung eine solche Ausbildungsmöglichkeit gibt, bestens aufgehoben. Auch hier besteht die Möglichkeit mit weitaus weniger Aufwand die Matura nachzuholen. Ja, eine Lehre mit Matura ist kein Kinderspiel, aber eine arbeitsorientierte Ausbildung PLUS der abgeschlossenen Reifeprüfung sind die besten Voraussetzungen um zukünftig schnell zu einem anständigen, profitablen und hoffentlich erfüllenden Beruf zu gelangen. Dazu werden Lehrlinge auch noch bezahlt! Als Schüler/in ist man zu 100% abhängig von seinen Eltern. Einen Beruf nebenbei auszuüben ist zeitlich nicht möglich, außer man möchte seine Wochenenden, die Tage, die man für Hausaufgaben und Referaten opfert, auch noch mit Arbeit verbringen.

Ich bin mit dem aktuellen System nicht zufrieden, muss mir aber eingestehen, dass auch ich keine Lösung habe. Ich werde auch in meinem letzten Jahr für Noten arbeiten, Hausaufgaben abgeben und mit Referaten meine Zeit verbringen. Wenn ich meinen Abschluss dann geschafft habe, werde ich aufatmen, mich zufrieden fühlen und dann sofort mit starren Augen die nächste Hürde ins Visier nehmen. Ab auf die Uni!

Bleibt stark.

xoxo Lea

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