Licht an! Aber richtig.

tl;dr: Ich hab mir in letzter Zeit einiges an Lampen für meine Video- und Streaming-Aktivitäten gekauft und die Binsenweisheit “wer billig kauft, kauft öfter” bestätigt bekommen.

Licht ist ein Thema für alle, die irgendwie Bilder einfangen. Alle Consumer-Kameras und inzwischen auch Smartphones machen bei Tageslicht brillante Bilder und Videos. Wenn es dann aber zu dämmern anfängt, trennt sich die Spreu vom Weizen. In Innenräumen werden Fotos, aber vor allem Bewegtbilder sehr schnell unschön: ganz viele krisselige Punkte im Bild. Es rauscht!

Ich bin auf verschiedensten Events tätig, die ich live einfange und streame. Große Konferenzen und Messebühnen sind ordentlich ausgeleuchtet. Die Brotfabrik in Frankfurt-Hausen bei der ich seit vier Jahren den Webmontag einfange, hat auch Scheinwerfer auf die Redner und alles ist prima. Leider gibt es halt doch jede Menge Locations, bei denen eben nicht alles ok ist. Ich hab schon im schönsten Schummerlicht von Kronleuchtern alter Herschaftshäuser Podiumsdiskussionen einfangen dürfen…

Im Vorfeld Auftraggeber nach der Ausleuchtung zu fragen, ist auch komplett sinnlos. “Ja, hier ist’s total hell mit der Beleuchtung.” bringt mir nichts. Mein Verständnis von hell ist leider doch etwas anders.

1. Anlauf: das “Studio-Lampen-Kit” von Amazon

Richtig damit beschäftigt, dass ich mich nicht auf die Beleuchtung vor Ort verlassen kann, habe ich mich im Rahmen von Retroblah. Unser privates Projekt einer regelmäßigen Retro-Gaming-Show im Livestream startete im Foyer des Filmmuseums in Frankfurt. Und an dem Ort, wo wir uns aufbauen durften, war die Lichtsituation wirklich eine Katastrophe. Also kam der Gedanke auf, ein paar Lampen zu besorgen, die man für Retroblah, aber im Bedarfsfall auch für Auftragsarbeiten nutzen kann.

Für ein privates Projekt möchte man nicht das große Geld ausgeben. Somit bin ich erst einmal auf Amazon fündig geworden. Für knapp 100 Euro kann man doch nicht so viel falsch machen, oder?

Bezogen auf Retroblah und das Ausleuchten aller Beteiligten stellte sich raus, dass die riesigen Glühbirnen in den Softboxen nicht ganz so prickelnd waren und ich gleich noch ein zweites Set mit zwei Schirmen, gleichem Leuchtmittel und mit Greenscreen bestellt habe.

Das hat zumindest für Retroblah funktioniert und in den späteren Sendungen aus dem Flipper- und Arcademuseum in Seligenstadt die Gaming-Couch ordentlich aufgehellt (Der Greenscreen kam nur ein Mal zum Einsatz.). Allerdings musste der auszuleuchtende Bereich auch mit allen Lampen “umzingelt” werden, damit das wirklich gewirkt hat. Und nach knapp zehn Use-Cases guckten die Drähte zum Aufspannen der Softboxen aus dem Stoff und Panzertape-Fixes waren nötig. Der Glasteil der Leuchtmittel war auch bei einigen Birnen irgendwie wackelig in der Fassung. Die Lampenstative waren schon von Anfang an wackelig und biegsam… Für eine Flächenbeleuchtung an einem Veranstaltungsort, wo die Lampen auch mal weiter als ein bis zwei Meter vom zu beleuchtenden Subjekt weg stehen müssen, wären die 55 Watt-Birnen in der Softbox selbstredend auch nicht verwendbar. Bei mehr als drei Meter Entfernung könnte ich den Speakern auch eine Kerze in die Hand drücken.

2. Versuch: Swit LED-Panels

Für die Umsetzung von Videotutorials im Kundenauftrag hatte ich bald einen bezahlten Use-Case für ordentliche Beleuchtung und habe für eine Greenscreen-Ausleuchtung zwei verschiedene LED-Panel-Varianten von Swit besorgt.

Die 70 Watt-Variante in Tageslicht war in zweifacher Ausfertigung zur Ausleuchtung des Greenscreens gedacht. Mit zwei weiteren 60 Watt-BiColor-Panels sollte der Tutor frontal ausgeleuchtet werden.

Beide LED-Panels waren zwar um einiges lichtstärker als meine Billiglampen. Die Ausleuchtung des Speakers war aber leider noch nicht wie gewünscht. Ebenso fällt auch bei diesen Panels die Leuchtkraft bei Abständen über zwei Meter rapide ab. Ein so fixes Szenario wie die Greenscreen-Situation in den Videotutorials lässt sich damit umsetzen. Für O-Töne und Interview-Situationen auf Events bieten sich die Panels auch prima an. Aber eine Podiumsdiskussion würde ich damit auch nicht wirklich ausleuchten können.

Endlich: Richtiges Licht und die Sonne geht auf

Ich brauchte also mehr Licht für den nächsten Tutorial-Sprecher, aber mit Sicherheit nicht noch mehr kleine LED-Panels. Von Swit gibt es noch etwas größere Varianten der Panels, aber auch diese leuchten nicht auf Distanz.

Ich wollte auch nicht zum regelmäßigen Lampenkunden bei MBF werden. Also habe ich mich nach einem guten Beratungsgespräch für eine Arri S60C entschieden. Diese Lampe verdient ihren Namenszusatz “Skypanel”, denn hier ging wirklich die Sonne auf.

400 Watt LED-Leistung, weiches Licht, regelbare Farbtemperatur und ein paar Features, die ich erst noch austesten muss (den Disco-Modus habe ich schon ausprobiert).

Das erste topp ausgeleuchtete Videotutorial ist gerade im Kasten. Drei der kleineren Panels kamen noch für die Ausleuchtung des Greenscreens und als Spitzlicht für den Speaker zum Einsatz. Ich bin absolut begeistert und freue mich auf weitere Einsätze mit der mobilen Sonne.

Im Nachhinein kann ich natürlich sagen, dass ich mir den Schrott von Amazon hätte sparen können. Die beiden 70 Watt-Panels leuchten z.B. das Retroblah-Set prima aus. Wahrscheinlich hätte hier sogar eine Leuchte den gleichen Effekt gehabt, wie die fünf “Funzeln”. Ebenso habe ich ein überzähliges 60-Watt-Panel gekauft, welches ich glücklicherweise an meine großartige Kollegin Yvonne abtreten konnte. Das Skypanel ist in vielen Situationen natürlich ordentlicher Overkill, bringt mir aber Flexibilität und erspart mir sicher weitere Beleuchtungskäufe.

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