Episoden aus Uganda

von Simone Ungersböck

Kampala, Foto: Simone Ungersböck

Traum und Sehnsucht

Vor einem halben Jahr — im Mai dieses Jahres — bin ich nach viereinhalb Jahren im ostafrikanischen Uganda wieder nach Österreich zurückgekehrt. Ich habe in der Hauptstadt Kampala für die Austrian Development Agency (ADA) als Sektorreferentin Governance im Justiz- und Rechtsbereich gearbeitet und mir damit auch einen persönlichen Traum erfüllen können.

Kampala von oben, Foto: Simone Ungersböck

Immer schon war ich vom afrikanischen Kontinent fasziniert und wollte dort unbedingt einmal leben. Dieser Wunsch hat schon meine Studienwahl beeinflusst; ich habe in Wien Politikwissenschaften mit einem Fokus auf Menschenrechte und Internationale Beziehungen studiert. Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich mir diesen meinen Traum erfüllen konnte, und habe in Uganda meine zweite Heimat gefunden. Ist es nicht interessant, nun zurück in der Heimat zu sein und dennoch von Zeit zu Zeit Heimweh zu haben?! Zumindest starke Sehnsucht! Ein schönes Gefühl, zwei Seelen zu haben: eine europäische und eine afrikanische.

Abwechslung pur

Treffen mit KollegInnen vom Justiz- und Rechtssektor (JLOS) und mit KollegInnen von den Botschaften Dänemarks, der EU und der Niederlande, Foto: Simone Ungersböck
Meeting mit mit KollegInnen von Projektpartner Human Rights Centre Uganda im Kobü, Foto: Simone Ungersböck

Mein Job und meine Tage waren äußerst abwechslungsreich. Es gab kaum einen Tag, an dem ich nur im ADA Büro war. Zwar habe ich durchaus die meiste Zeit in Kampala verbracht, aber fast täglich gab es Treffen mit VertreterInnen der Regierung, von NGOs oder anderen Vertretungsbehörden, also Gebern wie zum Beispiel der EU, Schweden, Niederlande, Dänemark u.a. Allein am Weg zu diesen Treffen konnte es schon spannend werden: zum Beispiel als ich mit einem Taxi unterwegs war, dem plötzlich mitten auf der Straße das Benzin ausging, weil die Tankanzeige nicht funktionierte; ich manchmal in schier unauflösbaren Staus feststeckte oder als Fußgängerin von einem tropischen Regen überrascht wurde. Geduld und Gelassenheit sind da ein Geschenk, Improvisation eine Gabe. Das Überraschende war immer wieder, dass am Ende alles irgendwie klappt und möglich ist. Die Boda Boda genannten Moped-Taxis kommen in solchen Ausnahmesituationen gelegen.

Verkehr, Stau Kampala, Foto: Simone Ungersböck

Soziale Absicherung: keine Selbstverständlichkeit

Loyce Akol mit ihren Kindern Precious, Vincence und Moses, Foto: Simone Ungersböck

Zurück in Österreich fällt mir immer wieder auf, dass uns hier diese Flexibilität und Lebenskunst oftmals fehlt. Die Jahre in Uganda haben mich sicher sehr geprägt und ich empfinde so manches in Österreich nun überreguliert und unflexibel. Zugleich ist mir durch meine Zeit in Uganda noch stärker bewusst geworden, wie glücklich wir uns schätzen, dass wir in einem Land wie Österreich doch alle sozial abgesichert sind. In Uganda müssen die Menschen für den Besuch in einer Klinik bezahlen; ein erforderlicher Kaiserschnitt bei Komplikationen, der umgerechnet ungefähr 150 Euro kostet, ist für Ärmere unerschwinglich, was Leben von Mutter und Kind gefährden kann. Kann die Familie das Geld nicht aufbringen und bezahlen, wird der Kaiserschnitt nicht durchgeführt. Im Falle einer ernsthaften Erkrankung wie zum Beispiel Krebs reisen diejenigen, die es sich leisten können, nach Kenia, Südafrika oder Indien. Für Transport und Behandlung wird im Familien-, Verwandten- und Freundeskreis Geld gesammelt; etwas Unübliches in unserer doch eher individualisierten Gesellschaft.

Berührende Momente

Frauen im Gefängnis, Koboko Prison, Foto: Simone Ungersböck

Sehr berührt haben mich oft die Schicksale von Frauen in Gefängnissen, insbesondere die Geschichte einer 24-jährigen Frau in Nebbi, im Nordwesten Ugandas, die in Haft war, weil sie ein Baby gestohlen hatte. Auf die Frage, warum sie das getan hätte, erzählte sie, dass sie einen „Baby-Boy“, also einen Buben, haben wollte. Sie habe schon drei Töchter, allerdings noch keinen Sohn, und ihr Ehemann drohte, sie zu verlassen, wenn sie ihm keinen Sohn schenkt. Was Genderstereotype auslösen und welches Leid — wie auch in diesem Fall — sie verursachen können, stimmt traurig und macht betroffen. Die junge Frau hat aufgrund des patriarchalen Drucks gehandelt, nur um endlich einen Sohn zu bekommen. Sie wurde dafür verurteilt, bekam allerdings ein mildes Urteil und ist mittlerweile wieder aus der Haft entlassen. Im Rahmen der Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit für den ugandischen Justiz- und Rechtssektor werden zum Beispiel Fälle wie dieser thematisiert. In engem Dialog mit der ugandischen Regierung werden auch andere Herausforderungen besprochen, wie u.a. die Problematik der langen Untersuchungshaften, worüber ich auch meine Masterarbeit geschrieben habe.

Reiseziel: Die Perle Afrikas

Elefanten im Queen Elizabeth Nationalpark im Westen Ugandas, Foto: Simone Ungersböck

Die Herzlichkeit der UganderInnen ist groß. Gelacht wird sehr gerne. Immer besteht großes Interesse daran, woher man kommt, was man in Uganda macht, wie einem das ugandische Essen schmeckt, ob man verheiratet ist und Kinder hat, bzw. in welche Kirche man geht. Dass die Menschen auf „I’m from Austria“ oft mit „Ahh Australia“ reagierten, zeigte, dass Österreich nicht sehr bekannt ist… Aber auch umgekehrt wissen nicht allzu viele ÖsterreicherInnen, wo Uganda genau liegt, bzw. was es dort alles zu sehen gibt. Deswegen habe ich beschlossen in meiner Post-Uganda-Zeit in meinem persönlichen Umfeld ein wenig die Werbetrommel für Reisen nach Uganda zu rühren. Mehr TouristInnen bedeuten wichtige Einnahmen für das Land mit einer der höchsten Bevölkerungswachstumsraten weltweit; Tourismus stellt einen wichtigen Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung des ostafrikanischen Landes dar. Die Perle Afrikas, wie Uganda schon 1907 von Winston Churchill genannt wurde, ist wahrlich eine Reise wert. Freundliche und offene Menschen — viele von ihnen Lebenskünstler, die faszinierenden Berggorillas, (Fuß-)Safaris in traumhaften Nationalparks, Kanufahren oder Raften am Nil, Segeln am Viktoriasee, Schwimmen in Kraterseen, Wandern und Bergsteigen, Unterkünfte von einfach bis luxuriös, ein sehr angenehmes, mildes Klima, ausgezeichnetes Essen, gute wie auch richtig schlechte Straßen, die für ein wenig Abenteuer sorgen. Inspiration pur sind auch die afrikanischen Stoffe und die bunten Kleider der ugandischen Frauen. All das und unendlich viel mehr hat Uganda zu bieten.

Krater im Queen Elizabeth Natinalpark, Foto: Simone Ungersböck