Geburtstag feiern mal ganz anders…

von Sandra Bruza

Foto: Sandra Bruza

Geburtstag feiern mal ganz anders…

und unglaublich einzigartig! Dieser Geburtstag war wohl einer der emotionalsten aber auch einmaligsten überhaupt. Zum Teil überkam mich großes Heimweh, und all die lieben Glückwünsche, die von meinen lieben Freunden und meiner Familie kamen, führten dazu, dass Tränen flossen. Doch gleichzeitig hatte ich ein riesengroßes Lächeln im Gesicht, als ich von meinen Mitvolontärinnen beispielsweise am Morgen meines Geburtstags mit einem selbstgemachten (!) Kuchen und dem tollsten „Happy Birthday“-Song geweckt wurde. Dabei ist dieser Kuchen wirklich etwas besonderes, wenn man erst mal bedenkt, unter welchen Umständen sie ihn machen mussten, und die Überraschung ist ihnen eindeutig gelungen. Doch mich erwarteten diesen Tag noch weitere Überraschungen. Kaum war ich Mittags im Maison de l’Esperance sangen alle Jugendlichen für mich auf Fon (was wirklich einmalig war zu hören), das Happy Birthday und neben den ganzen Glückwünschen und unzähligen Umarmungen von allen, bekam ich ein selbstgemachtes Fußkettchen mit meinem Namen.

Foto: Sandra Bruza

Viele könnten meinen, es ist ja „nur“ ein Kettchen, aus Perlen. Doch für mich bedeutet es so viel mehr, und an diesem Tag lernte ich eins, undzwar: Dass die kleinen Dinge so viel ausmachen, und man für eine Umarmung dankbarer ist als man es vielleicht vorher war. Ich persönlich habe diesen Geburtstag jeden Tag im Kopf, denn wenn mir etwas die Augen geöffnet hat, dann war es dieser Tag. Am Abend kam dann ein Mädchen aus dem Foyer zu mir und gab mir einen Brief, den sie selbst gebastelt hat. Zu Tränen rührte mich dieser Brief, denn Worte wie „Ich habe nichts was ich dir geben kann, aber deswegen wünsche ich dir alles Glück der Welt, und Gesundheit für dich und deine Familie“ … von einem jungen Mädchen, welches ohne Familie hier im Mädchenheim der Don Bosco Schwestern lebt — die berührten mich schon sehr!

Sandra Bruza aus Tirol ist 18 Jahre alt und absolviert seit September einen achtmonatigen Freiwilligeneinsatz bei den Don Bosco Schwestern in Bénin.

Nun würde ich euch gern ein wenig das FOYER (Mädchenheim) beschreiben, damit ihr wisst, was ich meine wenn ich darüber berichte. Es gibt ein kleines und großes Foyer. Im Kleinen sind die Mädchen, deren momentane familiäre Situation noch nicht ganz klar ist und wo nach Möglichkeiten gesucht wird, sie wieder in die Familie zu integrieren. Beim großen Foyer kann man von einem Mädchenheim sprechen, wo die Mädchen zwischen 6 und 20 Jahren ein betreutes Wohnen haben. Hier kümmern sich die Schwestern, als auch die Tatas (Betreuerinnen) 24h lang um die Mädchen, wobei die meisten von ihnen als wesentliche Unterstützung die Möglichkeit bekommen, in die Schule zu gehen. Ich verbringe 2 Nachmittage die Woche bei ihnen im Foyer, wo wir gemeinsam Hausaufgaben machen und lernen. Es macht mich glücklich, zu sehen wie begeistert sie eigentlich alle beim Lernen sind. Ich kann wiederum nur Vergleiche zu mir Daheim aufstellen, wo besonders pubertierende Mädchen vielleicht weniger gern den Nachmittag mit Mathe oder Englisch verbringen. Hier platzen sie vor Stolz, wenn ich sie lobe, weil sie etwas Neues gut verstanden haben.

Ähnlich aber auch komplett anders verläuft mein Freitagnachmittag jede Woche, wo ich im Espace Éveil in Hindé bin. Das ist eine Art Vorschule, was bei uns aber eher als ein Kindergarten gelten würde, da die Kinder alle im Alter von 4 bis 6 Jahren sind. Von den Don Bosco Schwestern gibt es insgesamt 5 solcher Vorschulen hier in Cotonou, die alle verteilt in den Armenvierteln der Stadt sind. Denn genau diesen Kindern soll die Chance geboten werden, ein wenig Französisch zu lernen, bevor sie in die Schule kommen. Doch es klingt einfacher als es ist. Um euch ein wenig vor Augen zu führen, wie es so abläuft: es ist laut. Sehr laut! So viele Kinder und leider eher wenig Platz. Und dabei brauchen sie eben viel Auslauf um die Energie loszuwerden, was sie dann trotzdem irgendwie schaffen, nur eben artet es meistens im Schlagen anderer Kinder aus, und so geht es den ganzen Nachmittag dahin. Ein Kind nimmt dem anderen etwas weg, und zack schlägt es das andere Kind zurück und manchmal fühle ich mich eher als eine Streitschlichterin als wie Lehrerin dort.

Foto: Sandra Bruza

Doch bevor ich die Geduld verliere, rufe ich mir in Erinnerung, dass genau diese Kinder auch am meisten Aufmerksamkeit brauchen. Doch das Problem: Wie soll ich das bei ca. 30 Kindern machen? „Tata Sandra Tata Sandra, …“ und dann weint schon ein Kind. Es sind teilweise richtig heftige Schläge, die sich die Kinder gegenseitig geben, und vergleicht man diesen „Kindergarten“ mit einem in Österreich, so findet man mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Deswegen blende ich diesen Vergleich lieber sofort aus und lasse mich hier auf dieses Leben ein. Somit kommt es auch, dass es für mich nun fast gar nicht mehr so komisch ist, dass diese Vorschule mitten an einem Müllhaufen steht, dass 30 Kinder mit nur 1 Betreuerin sind, und dass es hier z.B. kein Klo gibt, sondern die Kids einfach vorne raus gehen und auf die „Straße“ (was eher eine Mischung aus Sand und Müll ist) hinpinkeln. Die Kinder sind auf das Leben hier eingestellt, und es besteht eben keine andere Möglichkeit, bereits dass es eine Vorschule überhaupt gibt, ist den Don Bosco Schwestern zu verdanken. Mit der Zeit bin ich auch all das hier in Cotonou gewohnt, und nahezu wie eine Traumwelt kommt mir dann ein so super ordentlicher Kindergarten in Österreich vor. Es klingt vielleicht etwas extrem, aber im Endeffekt, das ist das Leben hier, und wie ihr auf dem Foto sehen könnt, ein Lächeln und eine Begeisterung haben die Kleinen, wie denke ich, alle Kinder auf jedem Fleck unserer Welt.

Sandra Bruza aus Tirol ist 18 Jahre alt und absolviert seit September einen achtmonatigen Freiwilligeneinsatz bei den Don Bosco Schwestern in Bénin.

Links:

Sandra Bruzas Blog: http://sandra-afrika-benin.jimdo.com/blog/

VIDES Austria

WeltWegWeiser, Servicestelle für internationale Freiwilligeneinsätze: http://www.weltwegweiser.at/

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