Selbstdisziplin und woher sie kommt

Anhand der Ernährung, des universitären Lernens und der Selbstständigkeit.

Thanks: PICSELI

Artikel als One-Minute-Read

Zunächst ein Kurztest zum Thema Selbstdisziplin anhand von drei Beispielen.

Ursache für Disziplinlosigkeiten ist oftmals, dass das Ziel nicht mehr als erstrebenswert (1) oder die eigenen Handlungen nicht als zielführend (2) wahrgenommen wird.

Um ihnen vorzubeugen, gilt es sich die Wichtigkeit der Ziele nachhaltig bewusst zu machen und sich Expertise im Gebiet anzueignen.


“Der Ursprung der Weisheit ist nicht die Disziplin, der Ursprung der Weisheit liegt zunächst vielmehr in der Sehnsucht nach Disziplin, der Liebe zur Disziplin und der freiwilligen Wahl, diszipliniert zu sein.”
 — Nancy Lincoln
Nancy Lincoln

Zumindest für Nancy Lincoln stand somit fest: Disziplin oder Diszipliniertheit ist kein genetisch determinierter Charakterzug, sondern eine Tugend, der es entgegen zu streben gilt und der man freiwillig nachgehen kann oder eben nicht.

Kurztest: Wann holt dich die Disziplinlosigkeit ein?

  1. Ein stinknormaler Dienstagabend. Ihr habt gerade gegessen und nun besteht die Möglichkeit, sich noch ein klein wenig vom Schokoladeneis in der Gefriertruhe zu holen. Es ist jedoch Mai, der Sommer steht vor der Tür und man hat sich vorgenommen noch ein wenig abzunehmen. Solltet ihr euch noch etwas vom Eis nehmen? Was wäre die Geschichte, die ihr euch erzählt? Entweder: “Ach, ich brauche eigentlich nicht wirklich abnehmen. So wichtig ist das doch auch nicht und soll man nicht auch mal das Leben einfach genießen?” (1) oder “Das eine Mal Eiscreme ist jetzt auch nicht so schlimm. Wenn´s ist, esse ich halt morgen in der Früh weniger oder fahre mit dem Fahrrad in die Arbeit.” (2)
  2. Es ist Mittwochnachmittag und in drei Wochen beginnen die Prüfungen. Den Vormittag über wurde brav gelernt. Nun steht die Entscheidung an: Mit Freunden an den See fahren und ein wenig das Wetter genießen oder weiter zuhause bleiben und lernen? Nehmen wir wieder an ihr wählt die weniger disziplinierte Option. Was entspräche eher eurem Gedankengang? “Ich brauche keine gute Note, ich bestehe das schon irgendwie und das reicht mir doch.” (1) oder “Ob ich jetzt den einen Nachmittag lerne oder nicht, macht doch auch keinen Unterschied. Es sind noch drei Wochen.” (2)
  3. Wir springen jetzt einmal zu einer größeren Frage im Leben: Dazu, dass sich viele Menschen selbstständig machen wollen, aber jetzt gerade halt einfach nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist. Mir ist bewusst, dass das keine Banalität ist und dies große Auswirkungen auf unser Leben hat. Trotzdem möchte ich euch auch hierbei zwei alternative Ansätze geben, welche man durchaus als Disziplinlosigkeit betrachten könnte. Beispielsweise, wenn es darum geht, nach dem Beschäftigtenverhältnis noch einige Stunden in die eigene Geschäftsidee für ein zukünftig eigenes Gewerbe zu investieren. Gedankengang eins: “Eigentlich bin ich doch ganz zufrieden in meinem Job. Die meiste Zeit langweilt mich die Arbeit zwar, aber immerhin bekomme ich doch jeden Monat mein Gehalt und so komme ich doch auch durchs Leben.” (1) Zwei: “Wenn ich weiter an meiner Geschäftsidee arbeite, weiß ich doch auch nicht, ob ich sich das irgendwann auszahlt. Wozu jetzt die Arbeit reinstecken, wenn ich ohnehin nicht weiß, ob es dann was wird?” (2)

In abstrakterer Form ausgedrückt erschien uns

  • bei Option (1) das Ziel während des Schwachwerdens nicht mehr ganz so erstrebenswert [Ziel ≠ erstrebenswert] und
  • bei Option (2) erschien uns das disziplinbenötigende Verhalten zu eben jenem Zeitpunkt nicht mehr als zielführend oder notwendig. Die Handlungs-Ergebnis-Kontingenz ist uns hier nicht mehr bewusst. [Handlung ≠ zielführend]

Ursachenforschung und Lösung

Als Lösung für Disziplinlosigkeiten der Kategorie (1) können wir somit festhalten:
Wer bei der Verfolgung eines Ziels über die notwendige Disziplin verfügen will, sollte sich zunächst darüber bewusst werden, was dieses Ziel erstrebenswert macht. Dabei ist es wichtig in den starken Momenten qualitativ hochwertige Gründe zu finden. Diese haben idealerweise zu jedem Zeitpunkt so intensiv mit dem Selbstbildnis zu resonieren, dass sie dich aus deinem Schwächezustand holen können.

Ein wenig plastischer angewandt auf die jeweiligen Fälle:

  1. Ernährung: Erscheint dir dein Körper als Spiegelbild deiner Leistungsfähigkeit? Und: Leistungsfähigkeit sei dir ein entscheidender Wert im Selbstbildnis, so beantwortet sich die Frage, ob die Strandfigur oder das Eis erstrebenswerter ist, leichter.
  2. Lernen: Siehst du dich selbst als derjenige, der seinen Master anschließend auf einer der weltbesten Universitäten machen wird? Die Frage, ob noch mehr gelernt werden sollte, stellt sich nicht mehr.
  3. Selbstständigkeit: Verbindest du mit dem Begriff der Selbstständigkeit mehr als den reinen gesetzlichen Rahmen, sondern siehst dies als Ausdruck deines Verlangens nach leistungsgerechter Bezahlung oder als Abbild deiner freigeistigen Lebenseinstellung, so neigst du vielmehr dazu, die notwendige Disziplin aufzubringen auf dein Ziel hinzuarbeiten.

Lasst uns festhalten, dass wir uns in den “starken Momenten” das Ziel so wichtig machen müssen, dass wir daraus auch in den “schwächeren Momenten” Kraft ziehen können.

Was jetzt aber bei Disziplinlosigkeiten der Kategorie (2)?
Wer bei der Verfolgung eines Ziels ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen will, sollte sich im Vorhinein zu bestimmten Verhaltensweisen bekennen. Dabei hilft es entweder sich ein fundiertes Wissen über die Auswirkungen möglicher Verhaltensweisen anzueignen oder hundertprozentiges Vertrauen in eine Person, die unser Verhalten einschätzt.

Zur Verdeutlichung bezogen auf die einzelnen Fälle:

  1. Ernährung: Auch hier ist Wissen Macht. Trackt man beispielsweise seine täglichen Aktivitäten mit einem Fitnessarmband oder anderweitig, so kann man zumindest kalorisch wirklich sagen, ob das morgendliche Fahrrad in die Arbeit das abendliche Eis ausgleicht.
  2. Lernen: Schreibt man beispielsweise seine gelernten Stunden auf und vergleicht dann die Ergebnisse der jeweiligen Prüfungen mit dem Aufwand. So weiß man aus den vorherigen Semestern, dass diese vier bis fünf Stunden sehr wohl einen Unterschied machen. So fällt es auch hier leichter, die Handlungs-Ergebnis-Kontingenz zu sehen.
  3. Selbstständigkeit: Bei der Selbstständigkeit kann das mit dem Wissen über Auswirkungen schon schwerer sein. Der Schlüssel hier ist Selbstvertrauen. Vertraust du darauf, dass deine Arbeit einen Wert liefert, der groß genug ist, dass Menschen dafür zahlen oder später dafür zahlen werden? Ist das der Fall, ist die Motivation die Arbeit reinzustecken vorhanden, weil du weißt, dass sie sich lohnen wird.

Wir müssen somit unser Wissen über den Prozess verbessern oder schlicht und ergreifend auf die gewählte Methodik oder besser uns und unsere Arbeit vertrauen.

Fazit

Zu Beginn haben wir gelernt, dass es zwei unterschiedliche Denkprozesse gibt, durch die wir zum Schwachwerden neigen.

Die erste Ursache ist, dem Ziel eine nur noch ungenügende Bedeutung einzuräumen. Neigen wir dazu, sollten wir in uns nach besseren Gründen suchen. Ist es dir besonders wichtig ein Ziel zu erreichen, dann ist es wirksam seine Gründe bewusst mit deinem Selbstbildnis zu verknüpfen.

Dann ist jede Disziplinlosigkeit auf eine Unstimmigkeit mit unserem Selbst zurückzuführen und der Ausspruch Sokrates´

“the undisciplined life is an insane life”

wird verständlich.

Die zweite Alternative ist, keine Handlungs-Ergebnis-Kontingenzen mehr zu sehen. Keine Selbstwirksamkeitserfahrungen mehr zu machen. Hier ist Wissen Macht oder auch Vertrauen auf die Handlung. Im Zweifel auf einen Selbst. Suche oder schaffe dir in dem Fall mehr und vertrauensvollere Indikatoren, ob deine Handlung zum gewünschten Ergebnis führen wird oder nicht.

Zum Ende des Artikels möchte ich gerne alles über den Haufen werfen und anmerken, dass es trotzdem von Zeit zu Zeit in Ordnung ist “Nein.” zur Disziplin zu sagen und “Ja.” zum Schokoladeneis, denn auch die Flexibilität ist eine Tugend.

Floreant Dendritae, 
Marco (auf Facebook)
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