Solltest du dich selbstständig machen, gar ein Unternehmen gründen?

Start-Up-Hype — Extended Version

Zu Beginn dieses Artikels öffne ich eine Klammer, die erst zum Fazit wieder geschlossen wird.

Alles in dieser Klammer ist Gelaber um den heißen Brei herum.

Für alle, die das Thema extrem interessiert und ein effizienter gestaltetes Fazit haben wollen: Ihr solltet nur das Fazit lesen.
Für alle, die das Thema einfach nur extrem interessiert und genug Zeit im Gepäck haben: Ihr könnt euch auch überlegen, den ganzen Artikel zu lesen.
Für alle anderen: Hi? 👋 🤷

Hier außerdem noch ein Link zur kurzen Fassung in einem separaten Artikel.

[ Klammer auf— — — — — — — — — — — — — — — — — —

Ich stellte mir Fragen: “Marco, solltest du dich selbstständig machen, gar ein Unternehmen gründen?”, “Wie erkenne ich, ob ich nur am Start-Up-Hype beteiligt bin oder tatsächlich Unternehmer bin?” und so galt es Informationen zusammenzutragen, um das näher zu erörtern. Ich weiß, dass es viele Menschen da draußen gibt, die diese Fragen auch umtreiben. Warum also nicht gleich einen Artikel draus machen?

In Ermangelung jeglicher Kompetenz, sollte es also beginnen:

Egal, ob ein neuer Podcast, YouTube-Channel, oder solch komische Blogs, überall schießen diese Projekte aus dem Boden wie Pilze im Herbst. … Vermutlich nur, um mich zu verunsichern, ob auch ich nur Teil des Hypes bin. Grundsätzlich war ich aber auch einfach genervt, andauernd von diesem Gesocks belästigt zu werden.

Was meine ich?

Wie ihr alle wisst, bin ich auf meinem Sporttrip. Fühle mich da wohl. Ist wie so ne einsame Insel in der Karibik. Wunderschön! Es wäre zwar noch Platz für ein paar handverlesene Menschen, aber lieber als innenstädtische Fußgängerzonen ist mir das allemal.

Gleichzeitig akzeptiert man, dass es Menschen da draußen gibt, denen die Sportlichkeit womöglich nicht so wichtig ist. Ich übertreibe es. Ich weiß das. Alles kein Problem. — Bzw. ist das nun einfach so gar nicht Bestandteil dieses Artikels. — Und ich mag das an mir! Also: Leise!

Ich schweife ab.

Wenn man auch im Sommer mit 14, 20 oder 40% Körperfett glücklich und zufrieden ist, soll mir das recht sein. Wenn du es nicht bist und trotzdem nichts daran änderst, dann versuche ich mich zumindest, nicht daran zu stören.

Von diesem ganzen Körperfett und Gesundheitskram mal halbwegs weg und #BackToBusiness. — Instagram-Business, um genau zu sein. — 
Selbstverliebt, wie man ist, postet man Bilder, bei denen man nahezu ausschließlich mit freiem Oberkörper abgebildet wird.

Andere Menschen machen das Gleiche und schreiben dann private Nachrichten, an den Menschen (mich), der auch #Fitnesslover-Bilder postet. Nachrichten, in denen sie ihre Fitnesskurse, -riegel oder -programme anwerben. Ein Klick auf ihre Profile offenbart mir dann den Dude/ die Dudette, der mich für sein Produkt gewinnen will. Bei ihm wechseln sich Produktbilder mit oberkörperfreien Selfies ab. Ich beobachte meine Reaktion. Der Blick schweift langsam nach links…

Der gute Geist dort nickt gutmütig und urteilsfrei.

… nichts Gutes ahnend nach rechts…

Dem kleinen Kobold auf meiner rechten Schulter schäumt der Mund. Außer sich schreit er:
ICH… DEIN Fitnessprogramm?!?! DU solltest MICH auf Knien anflehen, mich reich dafür beschenken zu dürfen, 30 Minuten meiner Zeit zu gewinnen, um dir mal zu erklären wie der Sportlichkeitshase läuft. Wer wagt es?! Ich glaub, es hakt! Wieso belästigt mich dieser Mensch?!

Ich sitze im Bett vor meinem Smartphone, belächle meine beiden Homunkuli und nicke. Halbwegs gutmütig, aber nicht urteilsfrei schreibe ich, dass mir dafür leider momentan einfach die Zeit fehlt und füge gedanklich hinzu: “Außerdem ist mir nicht an den Resultaten deines —’äußerst erfolgreichen‘— Fitnessprogrammes gelegen. Du KaSCHperl!

Was hat das jetzt alles mit der Ausgangsfrage zu tun, ob du ein Unternehmen gründen solltest?

Mir ist bewusst, dass ich mich teils zu Unrecht empöre. Da versucht jemand nur “sein Ding” durchzuziehen. Hat eine Idee und versucht sie umzusetzen. An sich jemand, der etwas tut. Props dafür. Aber wieder einmal wirkt es so, als versuche man einfach nur irgendwie ein neues, fancy Programm auf den Markt zu bringen. Es wirkt nicht so als würde er versuchen, mir zu helfen, meine Fitnessziele zu erreichen.

Erstes Ergo: Nein, du solltest kein Unternehmen gründen, vielmehr solltest du ein Unternehmen gründen müssen, weil Menschen deinen Shit* haben wollen.

* Shit verwende ich hier als nicht-negativ konnotiertes, aber fancier klingendes Synonym für “Produkte und/oder Dienstleistungen”.

Es wirkt auf mich auch nicht so als würde der Programmersteller eine besonders große Expertise auf dem Gebiet ausweisen können. Das ist nun natürlich reichlich oberflächlich, aber wenn man ein Fitnessprogramm auf den Markt bringt, das die Menschen fitter aussehen lassen soll, dann …

Für mich war das also ein klarer Fall von jemanden, der einfach irgendetwas auf den Markt bringen wollte. Das ist so ziemlich das Gegenteil von vielen “Success-Stories” einiger Unternehmen — wie Facebook oder Apple — , die die sogenannte “contained fire strategy” anwendeten. Wenn du bereits heute von deinen Freunden und am besten auch deren Freunden und Freundes-Freunden für ein Produkt oder eine Dienstleistung — möglicherweise (bis dato) unbewusst — geschätzt wirst, dann wäre das ein Beispiel für solchen Shit*, den du sinnvollerweise auf den Markt bringen könntest.

Da du allerdings die extended Version dieses Artikels liest, scheinst du dir recht bewusst Gedanken zum Thema Unternehmensgründung zu machen.

Daher die Frage: Wo entstehen zwangsläufig neue Geschäftsmodelle, mit denen man ein Unternehmen aufziehen könnte?

  1. Plattformen, die bisherige Ineffizienzen eliminieren (meist indem sie neue Märkte schaffen) → Airbnb, Uber, Blockchain-Modelle**, …
  2. Datengetriebene Geschäftmodelle (“Einfach” 😉 einen Algorithmus schreiben, der ein Problem löst, bei dem viele Inputvariablen mit hinreichender Sicherheit eine Outputvariable bestimmen können. Das sollte er möglichst besser und/oder kostengünstiger als ein Mensch erledigen.)
  3. Der Serial Entrepreneur, der um die Welt jettet und am Strand (vor aufgeklapptem Laptop) Whiskey trinkt, weil jetzt gerade der perfekte Moment ist um Unternehmen zu gründen.***
**Zu Blockchain poppt bei mir derzeit dieser Medium Autor auf: Bastian Wilkat
***Stark an diesem Video angelehnt.
“Der Spiegel schrieb dazu: ‘Inkubatoren, Brutkästen, heißen jene Dienstleister, die Unternehmer planmäßig aufpäppeln. Überall in Deutschland entstehen diese Gründerzentren neuen Typs, in denen die Börsenstars von morgen heranwachsen sollen. Längst ist das Geschäft mit den Gründern keine Domäne von Banken und Wagniskapitalgebern mehr. Fast wöchentlich öffnet ein neues Startup-Center, das Gründern einen bisher nicht gekannten Rundum-Service verspricht.’
Dieser Spiegel-Artikel stammt aus dem Jahr 2000. Es folgte der tiefe Absturz der Dotcom-Blase. Die im Artikel genannten Beispiele und Startups sind heute fast ausnahmslos in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.” — aus diesem Artikel

Hier haben wir elegant gleich drei Themen vermischt: Start-Up-Hustler, Serial Entrepreneurs und Blogger. Der gemeinsame Nenner ist jedoch, dass sie alle versuchen ein “Business am Runnen” zu halten/ “ins Runnen” zu bekommen. Insbesondere Serial Entrepreneurs und Blogger meist getreu dem Motto:

Fake it till you make it.

Was so viel heißt, wie: Du siehst nur die rosaroten Seiten und wenn sie die Schattenseiten zeigen, dann wirken die von Außen irgendwie cool. Spannend. — Erinnert mich an — Aber das ist genau die Herausforderung: 
Die Spannung. Das Chaos.

Wer als Unternehmer oder Selbstständiger tätig sein will, muss Spannung aushalten. Oftmals wird es dir so erscheinen, als würde dein gesamtes Leben nur von ein paar Fancy-Loop-Gummis (die heißen wirklich so) zusammengehalten und … sie werden immer älter und rissiger.

Weil du immer unter Druck stehen wirst und es sich sogar noch chaotischer anfühlen wird, als es wirklich ist, wirst du ein Sicherheitsnetz unter dir wissen wollen, das an mindestens drei Säulen fest verknotet ist:

  1. Ein soziales Netzwerk, dem dieses Chaos und der Druck bewusst ist und welches mit den (un)vorhersehbaren Konsequenzen leben kann.

Nachdem der ganze Artikel aus Mutmaßungen, Vermutungen und ein paar zusammengetragenen Informationen besteht, füge ich dem Ganzen noch diese hinzu: Selbstständige/ Unternehmer sind sich in besonderem Maße der Bedeutung der Beziehung zu ihrer Lebensgefährtin bewusst. Auch dieser Teil deines sozialen Netzwerks wird deine Entscheidung, dem Selbständigkeitspfad zu folgen, Wohl oder Übel stützen müssen. Ansonsten wird es sich über kurz oder lang negativ auf die Beziehung oder das Business auswirken.

2. Geldliche Disziplin. Womöglich wird dir das Geld zu gewissen Perioden in Strömen zufließen. Auf lange Frist wirst du aber mit an Sicherheit grenzender W’keit auch Perioden durchmachen, in denen der Geldhahn eher nach Luft schnappt, als dir irgendwas zufließen zu lassen und daher solltest du in der Lage sein “Rücklagen” zu bilden und dein Selbstbild von deinen materiellen Besitztümern abkoppeln können.

3. Eine halbwegs stabile Persönlichkeit, die mit Risiken und Chaos klarkommt.


An dieser Stelle einen kleinen Exkurs, weil er für mich notwendig ist, in dem Artikel, der ein einziger Exkurs ist, weil er für mich notwendig ist.

Ich würde mich jetzt nicht als Präzedenzfall einer stabilen Persönlichkeit sehen. Aber meines bisherigen Erkenntnisstandes nach, steht meine Fragilität in keinerlei Zusammenhang mit der Sicherheit meiner Einkünfte. Mir ging es in sicheren Phasen schon ganz und gar nicht gut. Ebenso ging es mir in planlosen Zeiten schon sehr gut, aber auch in planlosen Phasen schon einfach weniger gut.

Ich frame die Frage “Hast du eine halbwegs stabile Persönlichkeit?” mal zu meinen Gunsten um und frage stattdessen: “Siehst du dich in der Lage an Projekten zu arbeiten, die zunächst einmal keinen monetären Nutzen abwerfen, ohne deinen Selbstwert dabei in Frage zu stellen? Könntest du dich dafür diszipliniert einsetzen?

Dann würde ich sagen: Ja. Was tue ich denn hier? Ich glaube, ich müsste einen Nutzen sehen, den andere Menschen davon haben werden, der mich begeistert oder den ich erstrebenswert finde. Den gilt es halt zu haben. Vom Monetären alleine lerne ich mich weiterhin in einem langjährigen Prozess abzukoppeln. #Outputdistanziertheit

Wenn ich die Frage so umframen sollte, dass ich ein überzeugtes “JA! rufen könnte, müsste sie, “Könntest du dir ein Projekt zum absoluten MUSS machen, für das es keinerlei externen Druck gibt, bei dem du dir jeglichen Druck selbst einbildest?”, lauten. Und: Ich will die Frage umframen, dass ich ein überzeugtes “JA!” rufe.

→ Eine halbwegs stabile Persönlichkeit, die mit Risiken und Chaos klarkommt. ✅JA!✅

Der Exkurs ist vorbei, lang lebe der Exkurs!


Jetzt mal noch ein paar Gründe, warum du dich nicht selbstständig machen solltest

Und die sind übrigens weitaus schwieriger in Internetrecherchen zu finden als die “Why you should start your Freelancing-Career today” oder “The bullet-proven path to your *fill in some 🎇fancy 🎇industry*-empire”-Gründe. Warum ist das so? Nun erstens, weil genau diese Leute solche Artikel schreiben. Das heißt die Gruppe der Menschen, die Artikel veröffentlichen, die es hier dann zu lesen gibt, weicht schon von der Grundgesamtheit der westlichen Bevölkerung hinsichtlich ihrer Freelancing-Affinität ab. Folge: Bias. Ein Bias zwischen der Anzahl der Artikel, die dir zu einer Freelancing- oder Unternehmer-Karriere raten, gegenüber der Wahrscheinlichkeit, dass das wirklich der richtige Weg für dich ist.

Mini-Exkurs: In der Statistik würde man bemängeln, dass die Stichprobe (Verfasser von Artikeln zum Thema “Entrepreneurship”) nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit (bspw. deutschsprachige Bevölkerung) ist. (Man kann argumentieren, dass eine Stichprobe das nie sein kann, aber hier haben wir einen besonders schweren Fall.)

Zweitens, lässt sich die Idee, “Sei dein eigener Chef” besser verkaufen als “Mach das, was dir dein Chef sagt.”, klingt “inspirierender”. #Inspirational #Inspiration #Motivation #InspirationalContent
Drittens, kommt dann noch der Google-, Facebook-, Social Media-Algorithmus, der den Effekt weiter verstärkt.

Jetzt aber wirklich zu den Gründen gegen die Selbstständigkeit:

Manch “Experten” behaupten, dass in Zukunft tendenziell mehr Leute ihr eigenes Business starten, weil viele Jobs durch die Digitalisierung wegfallen werden? Meine Vermutung: Sogar wenn viele Jobs durch Digitalisierung wegfallen werden, wird man trotzdem noch Arbeit für die Menschen finden. Ergo: Du solltest dich nicht nur selbstständig machen, weil du Angst davor hast, einen sicheren Job in Zukunft verlieren zu können.

Auch wenn es nicht so sexy klingt, wie ein Unternehmen zu starten und so seiner — mehr dem Klischee entsprechenden — “sinnstiftenden Tätigkeit” nachzugehen, ist es doch eine vollkommen legitime Möglichkeit Sinn in seiner Arbeit zu finden. 
Das heißt der angestellte Webdesigner kann genauso einer sinnstiftenden Tätigkeit nachgehen, wie der selbstständige. Ersterer kann vielleicht sogar noch ganz andere Hebel nutzen, weil er in einem Unternehmen mit mehr finanzieller Ressourcen sitzt als der Lonesome-Hustler. 
Ergo: Zwing dich selbst nicht in eine Selbstständigkeit, weil du glaubst, nur so kannst du einen “Sinn im Leben” finden.

Im Zweifel:

“‘Der Sinn des Lebens ist Leben’ — … Das hat schon Casper gesagt.” Julia Engelmann

Eventuell solltest du dich selbstständig machen, wenn du die sinnlosen #SinnSinnSinn Machtkämpfe in vielen großen Konzernen nicht mitspielen willst. Wenn dir allerdings nur diese zuwider sind, dann könntest du dich auch bei einem kleinen Unternehmen, das vielleicht auch schon erste operative Gewinne ausweisen kann und kein Start-Up in der siebten Finanzierungsrunde ist, einbringen. Hättest zudem noch eine gewisse Sicherheit gewonnen. Eine andere Möglichkeit wäre es, zu versuchen auf anderen Plattformen einen “guten Arbeitgeber” zu finden. Beispiel für solch eine Plattform.

Ich befürchte, du solltest dich nicht nur selbstständig machen, wenn du sinnlose, rein bürokratische oder stupide Tätigkeiten vermeiden willst. Die gehören wohl mit dazu. Mimimi. Vielleicht kannst du sie bei “deinem Projekt” noch besser vor dir selbst legitimieren als für einen großen Konzern, wo es eher als reine Schikane empfunden wird.

Wenn du überzeugt bist, dass du etwas auf der Welt bewegen willst, (mit) ein Unternehmen hochziehen willst, dir aber noch nicht ganz sicher bist, welche Form das genau annehmen wird, und sogar bereit bist auf monetäre Anreize zu verzichten, um womöglich die Welt ein klein bisschen besser dastehen zu lassen, dann klopf dir erstmal echt selbst auf die Schulter. Wenn du auch noch andere Menschen dabei unterstützen willst, etwas derartiges zu tun, sodass man gemeinsam mehr schafft als das der Einzelne für sich je könnte, dann kannst du mir auch gerne bei Facebook eine Nachricht schreiben. Ich höre immer gerne von diesen ambitionierten Menschen, die andere unterstützen wollen und was #krasses und sogar #weltverbesserndes hochziehen wollen.

Was spricht sonst gegen das “Solopreneurtum”? Ein Großteil deiner Arbeit wird darin bestehen, dir Klienten zu beschaffen. Du wirst das Produkt oder die Dienstleistung vermarkten müssen. Dazu gehört Ansprechen, Netzwerken, Verkaufsgespräche etc. Wenn du also nur deinen Skill jeden Tag möglichst perfekt einsetzen willst, dann wird das vermutlich besser in einem Unternehmen gehen oder zumindest in einer Gruppe von Leuten und nicht als “Solopreneur”.

Wenn du dich fragst, ob du mit deinen Ambitionen nur mit einem Trend läufst, dann stell die Frage getrost zurück. Einfach streichen. Dass das gerade “in” ist wird nicht dazuführen, dass du dich eines Tages als Geschäftsführer und Inhaber eines profitablen und weltbereichernden Unternehmen wiederfinden wirst und dann zusammenbrichst und merkst: “Ups… Nein… Ich bin doch kein Unternehmer.”. Wenn du es nicht bist, wirst du das früh genug merken. Vertrau darauf, dass dir das Leben genügend Hürden zum Überspringen geben wird, um festzustellen: Ok, das ist nichts für mich.****

****Die Hürden kommen allerdings auch, wenn es etwas für dich ist.

Wenn du Solopreneur werden willst, weil du deine Eltern viel hast arbeiten sehen, und jetzt sagst: “Arbeiten ist nicht alles: Ich will meine Zeit flexibel einteilen können.” Dann sollte dir gesagt sein: Sich die Zeit flexibel einteilen können, heißt nicht unbedingt, mehr Zeit für anderes übrig haben. Auch als Unternehmer oder Selbstständiger wirst du bewusst Prioritäten festlegen müssen und dir Zeit für Familie, Freunde etc. schaffen müssen. Die Chancen stehen sogar nicht schlecht, dass du dich noch mehr mit deiner Arbeit identifizierst und sie daher höher priorisierst. Ergo: Der Grund “Zeit flexibel einteilen-Wollen” reicht nicht.

Auch solltest du dich nicht selbstständig machen, sobald du ein (möglicherweise) skalierbares Geschäftsmodell siehst. Im Umkehrschluss gilt auch nicht, dass ein Geschäftsmodell, das nicht für ein Millionen-Business absehbar ist, nicht der Mühe wert ist, umgesetzt zu werden, sofern DU einen Wert darin siehst. Es macht dich vielleicht sogar glücklicher und zufriedener ein solide laufendes überschaubares Unternehmen aufzubauen als ein möglichst skalierbares Businessmodell zu pushen.


OK, das war jetzt mal ein Artikel aus der Kategorie: “Wie Marco versucht, in Denkprozessen, die ihm sonst als zu komplex erscheinen, schreibenderweise weiterzukommen”. Ich gebe zu, ich habe mich mal wirklich ein wenig ungezügelt und besonders ineffizient gegeben, aber hier kommt das

— — — — — — — — — — — — — — — — — — Klammer zu ]

Fazit:

In Internetrecherchen ist es einfacher die “Why you should start your Freelancing-Career today” oder “The bullet-proven path to your *fill in some fancy industry*-empire”-Gründe Pro-Unternehmertum zu finden als die Kontra-Artikel. Autoren weichen von der Grundgesamtheit der westlichen Bevölkerung hinsichtlich ihrer Freelancing-Affinität ab. Daraus folgt ein Bias. Ein Bias zwischen der Anzahl der Artikel, die dir zu einer Freelancing- oder Unternehmer-Karriere raten gegenüber der Wahrscheinlichkeit, dass diese “Selbstständigkeit” was für dich ist.

Deswegen stell dir vorab diese drei Fragen:

  1. Hast du ein soziales Netzwerk (Freunde, Partner/in, Familie), das auch während des (un)vorhersehbaren Chaos hinter dir und deiner Entscheidung, selbstständig zu sein, steht?
  2. Bist du einerseits in der Lage und andererseits bereit dazu, über längere Perioden auf monetäre Kompensation zu verzichten und trotzdem weiterzumachen? Kommst du damit klar, viele Monate/ Jahre weniger zu verdienen als Maximlian, Philipp, Janina oder Bella? Vielleicht sogar nie so viel zu verdienen?
  3. Kommst du als Person mit Risiken und chaotischen Situationen zurecht?

Wenn du all diese drei Fragen mit “Ja” beantworten kannst, bedeutet das noch gar nichts, aber es könnte dich für ein paar Kriterien sensibilisiert haben.

Denn auch wenn viele Leute reden — das war schon immer so, heute ist das “Spreaden” nur noch einfacher — , ist die Ausführung und das am Ball bleiben, dann noch einmal etwas ganz anderes. Daher brauchst du dir auch keine Sorgen machen, dass in zehn Jahren alle mit ihrem Multi-Millionen-Dollar (natürlich nicht Euro)-Business dastehen und nur du in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt bist.

Das führt uns auch direkt zum nächsten Punkt:

Es gibt mehrere richtige Wege.

Es gibt nicht nur eine Art und Weise, auf die du zufrieden mit dir selbst sein kannst. Nicht nur eine Art und Weise, bei der du als 100-Jähriger auf dein Leben zurückblicken kannst und dir denkst: “Gut gemacht, du alter Sack!

Akzeptiere, dass es mehrere richtige Wege gibt.
Du kannst ein todesunglücklicher Selbstständiger oder ein verzweifelter Angestellter werden. Du kannst aber auch ein nachahmenswerter Selbständiger oder ein zufriedener Angestellter werden. Das liegt bei dir.

Dazu ist aber wichtig, dass du dir selbst erlaubst kein Unternehmer zu sein. Gerade DU, der du diesen Artikel liest.

#Zeitgeist #Business #Skalieren

Es ist gut, wenn du dich ambitioniert für etwas einsetzt oder dich für etwas begeistern kannst. Aber: Nur weil es eine Geschäftsidee gibt, die man womöglich umsetzen könnte, heißt das nicht, dass diese auch unbedingt umgesetzt werden muss und schon gleich gar nicht, dass DU das jetzt machen musst.

Es gibt eine denkbare Geschäftsidee ≠ DU musst diese Geschäftsidee umsetzen.

Die Gründung eines Unternehmens sollte ein Mittel zum Zweck sein. Der Zweck ist deine Dienstleistung oder dein Produkt an den Mann zu bringen. Das Unternehmen ist nicht der Zweck.

Wenn es bereits ein Produkt oder eine Dienstleistung gibt, die deine Freunde und möglichst noch deren Freunde und Freundes-Freunde nachfragen, dann könnte das etwas sein, das auch ein breiteres Publikum interessiert. Wenn du dir vorstellen könntest, das auch für Geld zu machen, dann könntest du dich einmal rantasten, was passiert, wenn du dafür Geld verlangst und aus dieser Notwendigkeit heraus ein Unternehmen aufbauen.

Gleichzeitig entstehen mit Plattformen und immer neuen Algorithmen überall neue Geschäftsmodelle, aber der Markt für “Serial Entrepreneurs, die um die Welt jetten und am Strand mit Laptop immer neue Unternehmen gründen” ist vermutlich schon recht gesättigt. Darauf würde ich persönlich nicht all meine Karten setzen.

Im Endeffekt liegt es dann aber doch mal wieder bei dir, was du daraus — deinem Leben und so — jetzt machst.

Floreant Dendritae
Marco
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Quellen waren wie so oft Gespräche mit krassen Menschen, die folgenden Artikel, mein Kopf und sicherlich die ein oder andere Vorlesung der vergangenen Jahre, Bücher… Außerdem möchte ich meiner Mutter danken.

Empfehlenswerter und halbwegs ausgewogener Artikel zum Thema “Freelancing”:

Inspirierender Artikel, für Menschen, die es dann doch auf das Geschäftsmodell “Blogger” abgesehen haben: