Unterschiedliche Lieder — und Ichs

Mehrere Facetten ergeben ein großes Ganzes, einen Menschen.

Foto von Isai Ramos auf Unsplash

Artikel als One-Minute-Read

Wir alle haben unterschiedliche Facetten. Das ist menschlich.

Mach dir klar, dass du mehr bist als dein gegenwärtiger Gemütszustand. Wenn anderer Menschen Leben perfekt aussieht, wisse, dass es ihnen auch mal dreckig geht. Everyone suffers.

Unterstelle nie Bösartigkeit, wenn sich das Verhalten auch anders erklären lässt: Jemand schreibt dir nicht zurück? Du bekommst eine Nachricht, die geradezu bösartig wirkt, dich verletzt? Man sagt dir ein Treffen doch noch ab? 
Du siehst nicht, was in der anderen Person vorgeht. Überleg dir, ob es nicht vielleicht Gründe gäbe, die dich toleranter reagieren lassen würden.

Werde dir deiner Launen und Facetten bewusst. Wisse, dass die Welt mit den objektiv gleichen Umständen, morgen schon wieder ganz anders aussehen kann. Halt durch.

Schau, wie du deine verschiedenen Ichs oder Facetten triggern kannst und nutze sie.


“Irgendwann wirst du merken, dass du einen Diamanten fallen gelassen hast, um Steine aufzusammeln.”
— Maeckes (Marie-Byrd-Land)

Irgendwann. “Oder doch nur ein Stein?”, fragt sich der kleine, dicke, verletzliche Junge, der all seinen Mut zusammen nimmt und sagt: “Ich muss dir mal was sagen. Können wir mal zu zweit reden?” …

So tippelt man hinfort: “Ich glaub, ich könnt mich in dich verlieben.” Er fügt nach einer kurzen, aber äußerst unangenehmen Pause hinzu: “Ich find dich total hübsch.” —

Tut mir leid, aber ich dich nicht.

Aber warum denn nicht? Was stört dich denn?

Ich mag deine Nase nicht.

Oh.” Die Nase? Warum denn die Nase? Wie soll er denn die Nase verändern, an der Nase kann er doch nicht mal ab- oder zunehmen. Und so fährt er alleine heim vom See, blickt sich noch einmal um und sieht, wie sie wieder einmal mit einem seiner besten Kumpels lacht. Diese unbewussten, angstfreien und natürlichen Berührungen austauscht, nach denen es ihn so sehnen würde.

[…] Einige Jahre später […]

Es wird wieder Mut benötigt. Sie betrunken. Er nüchtern. Sie, ihre beste Freundin und er auf dem Damm. Sie gesteht, dass sie mit dem Typen, mit dem es jetzt endgültig vorbei ist, geschlafen hat. Betrunken kommt das leicht über die Lippen. Sie weiß, dass er auf sie steht. Die beiden gehen weiter. Reden weiter. Sie sagt: “Küss mich doch einfach.

Er denkt sich: “Du hast leicht reden, Mädchen. Du kennst die Geschichten von dem selbstbewussten Fußballer, von dem Typ, über den Freunde gezielt Gerüchte zu wilden Partynächten streuen, der demnach nach Münchner Clubbesuchen auf roten Ledercouchen die Bitches klärt.

Nicht von dem Typ, der abends in der Badewanne mit den Tränen kämpft, wenn Balyndis seinen Helden Tungdil abweist, obwohl sie sich doch beide lieben. Nicht von dem Typ, der dir jetzt gegenüber steht, dich ansieht und sich fragt: ‘Will ich so meinen ersten Kuss? Zwar mit einem wundervollen Mädchen, aber will sie das jetzt vielleicht nur, weil sie betrunken ist?’”

Sie dann doch an der Taille umfasst. Sich ein wenig vorlehnt. Bis sich ihre Stirnen berühren. — Auf irgendein Zeichen wartet. — Dann aber den Blick abwendet und sie wissen lässt: “Ich kann das jetzt nicht.” Sein Fahrrad nimmt und wegfährt. Da ist er wieder: Der kleine, dicke, verletzliche Junge.

[…] Einige Jahre später […]

[…] … Meine Zukunft sieht so aus: Er hat einen Ring gekauft, will mir einen Antrag machen. Wir leben bereits zusammen… also eigentlich ändert sich nicht viel.” — Dann wird der Laternenpfahl umklammert und — wieder klein, dick, verletzlich.

Foto von Daniel Hansen auf Unsplash

“Stahlhart wie Bahngleise. 
Ja, ich würd auch gern mal voller Deepness über Probleme 
rappen — doch ich hab keine.”
— Kollegah (Kaiseraura)

Das Leben ist doch jetzt wirklich nicht so schwer. Was habt ihr denn alle? Alle am Rumjammern. Jeden Tag. Wenn dich dein Job ankotzt, dann mach was anderes und heul nicht rum. Selbiges gilt für deine Freundin, deinen Körper, dein Leben. Außerdem gilt es noch zu sagen:

“der Hass macht dich hässlich
beziehungsweise noch hässlicher. 
Check mich aus!”
— Harry Quintana (Steady Pimpin Is Sein Job)

Entweder baust du erst keine Sch**** oder du heulst jetzt danach nicht rum und vor allem: Mir — nicht — die — Ohren — voll!

Und genau so ein Typ kommt mir jetzt entgegen: “Klar, dass das bei dir nichts wird. Du kommst auch erst ins Gym und setzt dich an die Curl Maschine, während ich schon ekstatische Zustände beim Kreuzheben zu verzeichnen hatte.

Heute diszipliniert, um morgen noch disziplinierter zu sein. Punkt. Der Sinn des Lebens ist einfach die Qual auf einer erträglichen Stufen zu halten und sich dafür aber jeden Tag einfach zum absoluten Maximum zu pushen.

Klar, beten die mich alle an. Ich mein… schau mich an.

Foto von Jesse Darland auf Unsplash

“Manchmal stellt man Dinge auf ein Podest und kommt nie wieder ran und die Dinge fangen Staub und man sitzt einfach darunter und betet sie an.”
— Maeckes (Marie-Byrd-Land)

Doch es gibt sie. Die eine. Die große Liebe. Irgendwo da draußen. Du könntest es vielleicht sogar sein. Ich meine: Du machst Sport. Du bist schön. Die Gesprächsthemen gehen nicht aus.

Lass uns beweisen, dass man sich auch nach mehr als 20, 40 oder 60 Jahren noch immer lieben kann, sich nicht “entliebenkann. Dass es für wahre Liebe kein Verfallsdatum gibt. Dass ein Mensch in den Augen eines anderen Menschen, mit den Jahren an Schönheit gewinnen kann. … Gleichzeitig… habe ich Angst…

“Niemand dringt zu meinem Kern. Die ganze Welt lächelt mir zu.”
— Maeckes (Sunnyboy)

Und trotzdem ich fühle etwas, aber was und ist das das? Was, wenn es nicht anhält.

Idiot. Du beschwerst dich darüber, dass du nicht weist, was die Zukunft bringt. Man definiere einmal Zukunft.*Augenrollen*

Aber, was wenn ich mich jetzt hier festlege und so die eine ‘verpasse’.

‘Ja’ zu sagen, bedeutet zu vielem ‘Nein’ zu sagen. Zu nichts ‘Ja’ zu sagen, heißt zu allem ‘Nein’ zu sagen.

Laber mich bei sowas nicht mit Rationalem voll.

*Augenrollen*:

“Außen Sunnyboy, innen kleiner Freak.”
— Maeckes (Kreuz)

Ich will an die Liebe glauben. Bleib bei mir. Du und der Glaube. Bleib bei mir. Trotz all den Facetten. Trotz mir. Ich kann mich nicht mehr verlieben. Bleib bei mir.


“Ein guter Soldat stellt keine Fragen. Er läuft Runden im Park bis die Beine versagen. Die Stirn in den Staub für ein ‘Ja’ und ein Amen. Ein Soldat vergisst alles: Im Falle des Falles auch den eigenen Namen.” 
— Maxim (Meine Soldaten)

Lass mich alleine. Ich muss jetzt was machen und “was machen” kann ich nur allein, weil ich leiden muss, um mir Erfolg zu verdienen. Leiden, um mich abzuhärten. Denn

“Je mehr du schwitzt in den Zeiten des Friedens, desto weniger blutest du in den Zeiten des Krieges.”
— Animus (Anvisieren attackieren) (Bzw.: Vijaya Lakshmi Pandit)

Außerdem soll am Ende des Tages etwas geschafft sein. 
Etwas, das Bestand hat. 
Etwas, das Menschen lesen können, während ich schon wieder an einem neuen Etwas arbeite. 
Etwas, das ich in einem nächsten Artikel weitergeben kann. 
Etwas, das mir das Leben in Zukunft einfacher macht. 
Etwas, das wieder ein wenig Investition darstellt.

Außerdem mag ich es allein zu sein. Ich brauche diese Zeit für mich. Egal, ob mit einem Buch, mit meinen Fingern am Laptop oder schwitzend in der Sonne.

“Also leidest du dabei doch nicht so sehr?”

“Ruhe.”

“Also doch nur faul.”

“Ruhe. Ich mach jetzt weiter. Etwas.”

Thanks to: Josh More

“Bro: Peinlich selbstüberschätzt. Ganz ehrlich. Dein Bescheidenheitsgame war nie weaker.”

*schamvoll* *ertappt* “Ich…”

“Alter, was tust du hier?”

*hgh* “Aber sonst ist doch… und manche sagen doch.”

“Sag mal ganz ehrlich. Schau doch, wie du dich jetzt fühlst. Wozu machst du den Müll?”

*leise* “Ich versuche doch nur mich auszudrücken und irgendwie so… meinen Weg zu gehen.”

“Als vor Authentizität strotzender Holedigger, oder was? Als #munichboy Mountainlover? Mit Selbstgesprächen vor laufender Kamera?”

*stumm*

“Du bist doch nur zu faul, was Richtiges zu machen. Zu selbstverliebt, einzusehen, wie das Leben funktioniert. Zu weich, auch mal die Drecksarbeit zu übernehmen. Willst du glücklich oder erfolgreich sein?”

*in sich hinein* “Ich hab gedacht, das geht irgendwie zusammen, gehört irgendwie zusammen. … Will doch was tun, was Sinn macht. Worin ich mich wiederfinde, damit ich darin dann echt gut bin.”

*lacht* “DU?! Wer denkst du denn, dass du bist? Schau dir doch mal die anderen an. Die machen was aus ihrem Leben. Die sind sich nicht zu fein, während du den Weltverbesserer spielst.”

*niedergeschlagen* “Ich werd jetzt lesen, bis es was zu essen gibt, dann werde ich “was machen” bis der Tag vorbei ist. Dann Schlafen und morgen wieder den Autopilot ans Steuer lassen. Hamsterrad dreh dich. Bitte… — …dreh dich.”

Thanks to: HyperXP.com

“Wehe du gibst mir dein Herz, ich ertränk es in Whiskey, steck es in den Mixer und trink es, schwitz es auf der nächsten Tanzfläche auf, irgendein Flittchen saugt es dann lächelnd auf. Wehe du gibst mir dein Herz. […]”
— Maeckes (Die Alpen)

Es wird wieder gehasst. Erinnert und destruktive Schlüsse gezogen. Sadistische Energien, masochistisch ausgelebt und dazu werden masochistische Energien, masochistisch ausgelebt.

“Das ist der Part für die F*tzen und Ghetto-Schl*mpen, die nach zwei Wodka-Bull oben ohne Tanzen.”
— K.I.Z. (Böhses Mädchen)

Ein böses Fieber, das den Körper nicht nur schwitzen lässt, sondern auch in langer Tradition Baumrinden auf Kosten von Fingerknöcheln beschädigt.

Kein Virus. Krankheit schwächt, das stärkt mich. Kanalisiert und befreit. Katharsis? Oder doch Intensivierung?

“Ich hielt mich lange zurück. Das Monster in mir wurde viel zu lang unterdrückt. Man könnte meinen eigentlich läuft alles viel zu rund, doch in Krisenzeiten legt sich dieser Schalter wieder um.”
— Silla (Vom Alk zum Hulk)
Foto von Laura College auf Unsplash

Wir alle haben unterschiedliche Facetten. Das ist menschlich. Deswegen:

Erstens: Mach dir klar, dass du mehr bist als dein gegenwärtiger Gemütszustand. Wenn anderer Menschen Leben perfekt aussieht, wisse, dass es ihnen auch mal dreckig geht. Everyone suffers.

Zweitens: Unterstelle nie Bösartigkeit, wenn sich das Verhalten auch anders erklären lässt: 
Jemand schreibt dir nicht zurück? Du bekommst eine Nachricht, die geradezu bösartig wirkt, dich verletzt? Man sagt dir ein Treffen doch noch ab? 
Du siehst nicht, was in der anderen Person vorgeht. Überleg dir, ob es nicht vielleicht Gründe gäbe, die dich toleranter reagieren lassen würden.

Drittens: Werde dir deiner Launen und Facetten bewusst. Wisse, dass die Welt mit den objektiv gleichen Umständen, morgen schon wieder ganz anders aussehen kann. Halt durch.

Viertens: Schau, wie du deine verschiedenen Ichs oder Facetten triggern kannst und nutze sie.

Jetzt aber:

“Raus in die Welt, so viel, was es zu sehen und dann zu schreiben gibt.”
— Maeckes (Kreuz)

Floreant Dendritae
Marco
Newsletter

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.