Europas Startup-Szene: ein kleiner Blick nach Osten

Auf der Suche nach den mystischen Unicorns schaut man in Europa schnell nach Berlin, London oder Paris. Auf der aktuellen Liste der Unternehmen, die Milliarden wert sind, finden sich auch einige wenige mit Sitz in London, Stockholm oder Amsterdam. Unter den Top 200 Unicorns weltweit überrascht jedoch kurz hinter Tinder und Twilio und noch vor Unternehmen wie Hootsuite, Home 24 und Transferwise, ein Unternehmen. Es zeigt, dass ein Blick nach Osten lohnt:

Avast, #107 Unicorn weltweit. Gegründet 1988 von den tschechischen Wissenschaftlern Eduard Kučera & Pavel Baudiš, die den Vienna-Virus entdeckten, beschäftigt Avast heute mehr als 500 Mitarbeiter. Laut Website hat Avast in den letzten 30 Tagen die Welt vor 2 368 767 045 Virusangriffen gerettet. Heute ist das Unternehmen auf drei Kontinenten aktiv. Ihrer Heimat Prag sind die Gründer treu geblieben.

Nach Teil 1 und Teil 2 meiner Reihe Europas Startup-Szene, werfe ich heute daher einen ersten Blick nach Osteuropa. Wo man in sieben Hauptstädten von Warschau bis Sarajevo spannende Gründer trifft und in kreativer Atmosphäre arbeiten kann, welche Webseiten und Newsletter hilfreich sind und welche Hashtags auf Twitter etabliert sind, habe ich unter dem Motto #MeinKnowHow zusammengetragen. Hier meine Tipps:

  • Die Goldene Stadt Prag ist sehr international — und nur 4 Bahnstunden von Berlin und rund 2 Flugstunden von London entfernt. Die tschechische Hauptstadt bietet zahlreiche CoWorking-Möglichkeiten — darunter das Impact Hub Praha oder Locus Works Space. Man kann auch sehr gut in Cafés arbeiten. Eine wunderbare Übersicht der Startups des Landes bietet CzechStartups.org — in 3D und animiert! Der gleichnamige Hashtag #Czechstartups funktioniert, auch wenn sich Twitter in Tschechien nicht durchgesetzt hat. Der Newletter StartupDigest bietet englische Informationen zu Events.
  • In Polen sind @ReaktorWarsaw und @innovationnest für Gründer ein Muss — letzteres in Krakow. Wichtige Hashtags sind #OpenReaktor und #OMGKRK. Bekannt ist auch hub:raum Krakow, die osteuropäische Organisation des Inkubators der Deutschen Telekom. Gründerinnen sollten die Website der Geek Girls Carrots vor der Reise prüfen und ggf. mit dem Team Kontakt aufnehmen. Das internationale Netzwerk für Frauen wurde in Polen gegründet. Die Mitglieder sind sehr aktiv in der Startup-Szene, haben eigene Unternehmen oder bieten kleine gemütliche CoWorking-Räume. So betreibt die Gründerin von Mission Torun beispielsweise ein Café, Arbeitsräume für junge Unternehmer und eine regionale Crowdfunding-Plattform im Nordosten Polens.
  • Wie in vielen kleinen osteuropäischen Städten prägt auch in Podgorica die hiesige Universität die Gründer-Szene. Mit nur rund 200.000 Einwohnern ist die Hauptstadt Montenegros etwas kleiner als das Thüringische Erfurt. Englischsprachige Informationen gibt es kaum. Zu empfehlen ist ein Kurzbesuch im Rahmen der Roadshow Pirates on Shore. Organisiert durch die Macher der internationalen Pirate Summit, macht die Tour in 50 europäischen Städten Halt. In Podgorica kooperiert das Festival mit dem lokalen Blog: digitalizuj.me.
  • Auch im Moldawischen Kischinau macht Pirates on Shore Stop. Trotz guter Universitäten hat die Startup-Szene in der Republik Moldau bisher nicht wirklich Fahrt aufgenommen. Moldawiens IKT-Branche ist ebenso klein wie das Land selbst: 22.000 der insgesamt nur drei Millionen Einwohner arbeiten in der IT. Bekanntere Unternehmen, wenn auch keine Startups, sind Noction und AddGrup. Twitter ist nicht weit verbreitet.
  • In Ljubljana in Slowenien gibt es einige gute Adressen für CoWorking und spannende Networking Veranstaltungen, darunter Poligon und ABC Accelerator. Wie in Podgorica treiben die Universitäten Innovation. Rund 60.000 Akademiker verlassen jährlich die Hochschulen. Das Land hat mit 2 Millionen Menschen nur ein Viertel der Einwohner Londons. Empfehlenswert ist der Newsletter InternetWeek. Der englische Blog Stritar ist wenig übersichtlich. Die meisten anderen Portale sind in Slowenisch.
  • Die kroatische Hauptstadt Zagreb hat in den vergangenen Jahrzehnten viel Veränderung gesehen. Die Startup Szene ist klein aber aktiv. Neben Startup Grind und diversen Meetups hat sich auch das Konzept der Fuckup Nights durchgesetzt, auf der Gründer über ihre Fehler sprechen. Im StartupDigest-Croatia gibt es alle wichtigen Neuigkeiten. Da Twitter nicht breit genutzt wird, tauschen sich kroatische Gründer über zwei fast gleichlautende Facebook-Gruppe aus: StartupsCroatia und StartupCroatia. CoWorking ist bei ZIP zu empfehlen. PS: Die Universität von Zagreb wurde übrigens bereits im 17. Jahrhundert gegründet und ist eine der ältesten Universitäten in Europa.
  • Sarajevo ist ebenfalls eine kleine Stadt mit einer kleinen Startup Szene. Auf Crunchbase sind nur acht Startups aus Sarajevo gelistet. Wichtige Stationen sind Nest71, ein CoWorking-Angebot im Herzen der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas im Hub387 mit seinen rund 2400 qm Bürofläche. Ein spannendes Accelerator Programm ist Brave Startup. An drei Orten u.a. Hub387 und der School of Economics and Business der Universität Sarajevo, können sich Solo-Gründer oder kleine Teams kostenfrei Startup-Rat holen. Einen Twitter Hashtag gibt es nicht.

Tipps zu 18 weiteren Hauptstädten gibt es in Teil 1 und Teil 2 meiner Reihe “Europas Startup-Szene”. Feedback und mehr Tipps zu coolen CoWorking-Plätzen, Cafes und Newslettern sammele ich wie immer gerne via Twitter, LinkedIn oder per email: Maren.Lesche@startupchallenges.eu

PS: Im letzten Teil widme ich mich übrigens neben London und Paris Orten wie Andorra, Lichtenstein und Nikosia.

Ich freue mich auf Feedback!

Originally published at www.linkedin.com.

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