Landkarten für den Content-Dschungel

Netflix durchgeschaut? Oder umgekehrt: Erschlagen von den ganzen Beschäftigungsmöglichkeiten im Netz? Unsere Fellows von Shelfd können helfen. Mit smarter Kuration wollen sie (Video)Inhalte besser an den Zuschauer bringen

Shelfd ist eine kuratierte Streaming-Plattform für Filme, Serien und andere Videoinhalte. Die Gründer Andrea Uecker und David Streit produzieren oder hosten keine Videos selbst, sondern durchforsten die Mediatheken und das Netz nach den besten Inhalten. Ziel ist es, eine Plattform zu bauen, auf der alle denkbaren Sender über eine Oberfläche abrufbar sind. Nutzer könnten dann personalisierte Empfehlungen erhalten und Produzenten ihre Wunsch-Zielgruppe erreichen.

Bald soll es auch Marken möglich sein, eigene Empfehlungen zu kuratieren und ihren Fans ihre Lieblingsserien zu empfehlen. Wir haben mit dem Media Lab Bayern den Anfang gemacht.

Im Interview spricht David mit uns über den Pivot-to-Video, die Vorzüge guter Kuration und die Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Zeitung.

Welche Serien schaut ihr eigentlich zur Zeit?

„Mr. Robot“ hat es uns aktuell angetan. Darin führen Hacker eine Finanzkrise herbei, die ziemlich aus dem Ruder läuft. Vorher haben wir die erste Staffel von „Big Little Lies“ geschaut. In einer Kleinstadt weiß einfach jeder über den anderen Bescheid — ohne wirklich hinter die Fassade schauen zu können.

Warum sollte sich jemand Shelfd zulegen, statt Netflix?

Wer Streamingdienste regelmäßig nutzt, gelangt irgendwann an den Punkt, an dem man einfach alles kennt, was einen interessiert. Oder die Alternative: Man weiß gar nicht wo man anfangen soll zu suchen. Wir helfen dabei das Streaming-Erlebnis unserer Nutzer zu organisieren — plattformübergreifend und individualisiert.

Wo habt ihr euch getroffen, und wie die Idee gefasst, zusammen zu gründen?

Getroffen haben wir uns das erste mal 2015 auf dem Startup Camp in Berlin. Damals war Andrea noch sehr stark auf das Thema Hybrid Organizations spezialisiert und war vor Ort, um sich zu diesem Thema auszutauschen. David hat vor potentiellen Investoren gepitcht. Die Begegnung war nett, aber bis zur gemeinsamen Perspektive musste noch etwas Zeit vergehen. Anfang 2016 haben wir beschlossen, dass wir Shelfd gemeinsam weiterentwickeln wollen. Am 01. April 2016 haben wir dann gegründet.

Welche Technik steckt hinter Shelfd?

Im Moment ist auf Shelfd noch alles Handarbeit — von der Auswahl der Empfehlungen bis zur Verschlagwortung in Genres und Kontexte. Selbst bei unserer Nutzerbasis von aktuell 1.600 Accounts lässt sich aber schon erahnen, dass man sowohl beliebte Inhalte, als auch übergreifende Nutzer-Cluster einfach erstellen könnte. Rein algorithmische Empfehlungen wird es auf Shelfd aber nicht geben. Wir wollen uns eher darauf fokussieren, den Austausch der Nutzer untereinander anzuregen.

Glaubt ihr, das Bewegtbild so beliebt bleiben wird, wie es gerade ist, oder ist der Video-Trend schon wieder vorbei?

Der Trend zur verstärkten Mediennutzung wird anhalten und jedes Format wird seine Nutzungsszenarien haben. In einer vollen Bahn werde ich eher Podcasts hören, weil ich die Hände frei haben muss, um mich festzuhalten. In einer leeren Bahn schaue ich aber meine heruntergeladene Serie weiter. Am Ende profitieren die Produzenten, die sich nicht an ihre eigenen Kanäle klammern, sondern dem Nutzer dort begegnen, wo einfache Zugriffsmöglichkeiten vorhanden sind.

Ihr seid das Partner-Startup der SZ. Wie wollt ihr von der SZ profitieren?

Für uns geht es darum eine eigene Marke aufzubauen . Wir wollen von dem Vertrauen in die SZ und ihrer großen Reichweite profitieren, um dieses Ziel zu erreichen.

Der SZ geht es auch darum, innovative Ideen für Werbung zu sammeln. Wie glaubt ihr, Werbung besser machen zu können?

Online- und Influencer-Marketing sind noch lange nicht auserzählt. Wir wollen ein neues Kapitel aufschlagen und die Bindung zwischen Marken und Nutzern stärken. Denn als Nutzer stören einen normale Werbeclips zum Beispiel zunehmend. Marken müssen daher über andere Wege kommunizieren und sich ins Storytelling des Streaming-Prozesses einklinken.

Wie läuft eure Zusammenarbeit mit der SZ?

Wir planen gerade einige erste Versuche zum Thema Brand Building und Produktplatzierung im Videokontext mit der SZ und jetzt.de.

Woran arbeitet ihr gerade?

Gerade verhandeln wir mit Sendern, um deren Original-Inhalte bei uns abrufbar zu machen. Dabei würden ihnen keine Besucher verloren gehen, denn sie können ja ihren Player und ihre Werbung ausspielen.

Was ist euer dringendstes Problem?

Alle unsere Feature-Wünsche zu priorisieren und unter einen Hut zu bekommen. Wer das hier liest und Lust auf groooße Coding-Herausforderungen hat: Bitte unter mitmachen@shelfd.com melden!

Wie kann man euch gerade am besten unterstützen?

Auf Steady bitten wir unsere Nutzer um eine kleine monatliche Unterstützung. Damit können wir schon die Technik-Unkosten begleichen — aber noch nicht viel mehr. Es wäre klasse, wenn uns noch mehr Menschen supporten!

Auch Marken können sich gerne an uns wenden, da wir bald mit ersten Test-Kanälen von gebrandeten Streamingtipps starten werden. Sagt mal Hallo!