Carsten Meier
Aug 25, 2017 · 6 min read

Deutsche Tourenwagen Masters 2017 – Ein Reisebericht

Nach Formel 1 in Silverstone ging es in der Nacht auf den 18. August zum nächsten Life Event, Deutsche Tourenwagen Masters in Zandvoort und dieses Mal waren wieder Franziska und Rike mit dabei. Auf dem Dünen-Kurs in Holland stand der elfte und zwölfte Lauf der Meisterschaft an.

Der Circuit Zandvoort ist eine Rennstrecke mit langer Tradition. Bis Mitte der achtziger Jahre war die Rennstrecke fester Bestandteil des Formel 1 Kalenders. Wie bei vielen Strecken ein Ort mit Höhen und Tiefen. Piers Courage und Roger Williamson verloren hier zu Beginn der siebziger Jahre bei Formel1 Rennen ihr Leben. Unvergessen 1979, als mein Favorit Gilles Villeneuve nach einem Reifenschaden seinen Ferrari auf drei Rädern um den Kurs prügelte, um die Box zum Reifenwechsel zu erreichen. Er musste das Rennen aufgeben, die hintere Radaufhängung hatte den Ritt nicht überstanden. Ich erinnere mich an den Start 1981, als sich Gilles bei dem Versuch gleich mehrere Fahrzeuge zu überholen durch das halbe Feld drehte und sein Ferrari im Kiesbett der Tarzan Corner zum stehen kam.

Den letzten hier stattfindenden Formel 1 Grand Prix gewann 1985 Niki Lauda in einem McLaren TAG Porsche vor seinem Teamkollegen Alain Prost und Ayrton Senna in einem jener wundervollen schwarz / goldenen JPS Lotus Renault. Es war zugleich auch Niki’s letzter Sieg, er trat am Jahresende zum zweiten und dieses Mal endgültig zurück.

Die Formel 1 kommt nicht mehr, dafür aber die DTM. Die Strecke wurde inzwischen modernisiert, daß alte Layout zu Formel 1 Zeiten gibt es nicht mehr, an der Streckenlänge hat sich allerdings nicht viel geändert.

Wir erreichten Zandvoort in den Morgenstunden des 18. August. Untergebracht waren wir in einem Haus des nur einen Steinwurf von der Rennstrecke entfernten Center Parks. Uns erwartete ein spannendes Wochenende, der Kampf um die DTM Krone ist eng wie lange nicht mehr. Beinahe nach jedem Rennen wechselt der Führende der Gesamtwertung. Vor den Rennen in Zandvoort lag der Schwede Mathias Ekström in seinem Audi mit 113 Punkten auf Platz 1, gefolgt von Markenkollege Rene Rast mit 112 Punkten, Mercedes-Speerspitze Lucas Auer ist mit 99 Punkten dritter. Eben jener Auer gab beim Budatest im Anschluß an den Ungarn GP ein paar Wochen zuvor sein Formel 1 Debüt in einem Sahara Force India und dem Vernehmen nach hat er es recht gut gemacht. Neben den Rennen der DTM erwarte uns unter anderem der Audi TT Cup und die Rennen zur Formel3 EM.

Im letzteren startet der siebzehnjährige Brite Lando Norris und der war beim Budatest in einem McLaren schlicht gesagt die Sensation. Am Ende der Testfahrten war nur Sebastian Vettel schneller als Norris und die Presse war voll des Lobes. „McLaren hat den neuen Lewis Hamilton!“ titelte speedweek.com. Ich freute mich darauf, den jungen Mann in Action zu sehen.

Wir hatten also ein straffes Programm. Wir begannen unseren Tag gegen fünf Uhr. Eine Dusche und ein deftiges Frühstück mit Toast und Rührei später waren wir meist spätestens gegen acht Uhr an der Rennstrecke. Für 75 € hatten wir Tribünenplätze an der Start- / Zielgeraden und Zutritt zum Fahrerlager an allen drei Tagen. Die DTM wie immer als familienfreundlicher Motorsport, erst recht, wenn man bedenkt, was man teilweise für ein 90 minütiges Fußballspiel hinblättern muss. So verfolgten wir die Rennaction von Naturtribünen in den Sanddünen oder von unsere Tribüne aus, immer nach geeigneten Plätzen zum Fotografieren Ausschau haltend. Die Zeit zwischen der Rennaction verbringt man am besten im Fahrerlager. Hier gilt es wie immer bei der DTM, Augen offen halten! Sämtliche Fahrer sind sehr freundlich und erfüllen bereitwillig Autogramm- und Selfie Wünsche. Neben den uns aus der Vergangenheit bekannten Fahren trafen wir in diesem Jahr erstmals Mick Schumacher, der mit der wachsenden Popularität um seine Person schon recht souverän umgeht. Darüber hinaus war Formel 1 Pilot Max Verstappen anwesend und auch hier gelangen uns einige Bilder. Meist zahlt sich das Rumrennen aus. Natürlich gibt es zur Erholung an vielen Punkten die Gelegenheit, etwas zu essen und das mit einem gut gekühlten Bier in einer gemütlichen Sitzecke hinunter zu spülen. Grundsätzlich gilt, der frühe Vogel fängt den Wurm. Je mehr es auf den Sonntag zugeht, desto mehr Zuschauer sind vor Ort und es wird voller im Fahrerlager. Der geneigte Fan tut gut daran, sich seine Fotos und Bilder bereits am Freitag oder Samstag zu sichern.

Wir verließen die Rennstrecke nach einem langen Tag meist gegen siebzehn Uhr. Es folgte ein Abendessen und ein Spaziergang am Strand der Nordsee, die nur ein paar hundert Meter von der Strecke entfernt ist. Lange Abende beim Bier fielen dieses Mal aus. Ob es an der vielen frischen Meeresluft lag, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall fielen wir meist gegen halb zehn todmüde ins Bett.

Wenn man mal einen Besuch der DTM in Zandvoort plant, ist die Unterkunft im Center Park eine gute Wahl. Man ist nach maximal fünfzehn Minuten zu Fuß an der Strecke und zum Meer ist es nur unwesentlich weiter. Vielleicht sollte man zwei bis drei Tage mehr einplanen, Amsterdam ist nur rund 30 Kilometer entfernt und ein Besuch der Stadt der Grachten mit Wachsmuseum und Anne Frank Haus lohnt allemal.

Zum Racing! BMW am Samstag und dann lange nichts. Timo Glock gewann das Rennen von der Pole Position aus vor seinen Markenkollegen Marco Wittmann und. Maxime Martin. Audi folgte mit Mike Rockenfeller und Jamie Green auf den Plätzen. Der erste Mercedes mit Paul di Resta traf auf Platz sieben ein.

Der Sonntag wurde nach der Disqualifikation von BMW Fahrer Marco Wittmann zum totalen Audi Triumph. Mike Rockenfeller, Loic Duval, der sein erstes Podium überhaupt einfuhr, Mathias Ekström und Nico Müller belegten die ersten vier Plätze für Audi. Lucas Auer, Mercedes Hoffnung im Titelkampf, musste mit null Punkten aus Zandvoort abreisen.

Von links nach rechts: Glock, Rockenfeller, Duval und Auer

In der Formel 3 EM enttäuschte das britische Supertalent Lando Norris nicht. Pole Position und Sieg in Rennen eins. Auch in Rennen zwei hätte es für Norris für die Pole Position gereicht. Jedoch hatte während des Qualifyings der Inder Jehan Daruvala einen Crash und Norris verlangsamte sein Tempo an der Unfallstelle nicht ausreichend, worauf er zur Strafe auf Platz drei zurück versetzt wurde. Das Rennen beendete er dann ebenfalls auf Platz drei. Am Sonntag zeigte Norris dann wieder, wer Herr im Ring ist. Erneut Pole Position und Sieg. Es hat wahrlich Spaß gemacht, dem jungen Briten zu zusehen. Mick Schumacher blieb das ganze Wochenende unauffällig, bewegte sich zumeist im Mittelfeld.

Zeigte wer Herr im Ring ist, Lando Norris

Mick Schumacher

Rike, Franziska und ich machten uns am Montagmorgen mit einer kaum zu überschaubaren Anzahl von Fotos auf den Rückweg, ich habe allein fast 700 Bilder gemacht. Wie seit vielen Jahren schon Tradition, steht in 2017 noch ein Life Event für uns an. Das Saison Finale der DTM in Hockenheim im Oktober. Bleibt es so spannend wie bisher, wird es ein großes Finale. Aktuell haben wenigstens noch acht Fahrer aller drei Hersteller Titelchancen. Wie im letzten Jahr wird unser Abenteuer Hockenheim auf einem Rastplatz der Autobahn Frankfurt / Darmstadt beginnen…

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