“Google mal…”

Google mal dies, google mal das. Wir googeln alles was wir nicht innerhalb von Sekunden wissen, wir wissen aber dass Google es weiß.“Durchschnittlich 85 Mal am Tag greifen wir zum Smartphone.”(1) Verlernen wir dadurch uns an Dinge zu erinnern? Wie oft hat man schon den Namen eines Schauspielers gegoogelt und danach wieder vergessen? Wird dieser Vergessen weil wir wissen dass wir ja nochmal googeln könnten, oder sortiert unser Gehirn diese Information sowieso aus, da sie keinen Nutzen für uns darstellt? Man nennt dies auch Cognitive offloading, wir lagern Gedanken aus und nutzen unsere Smartphones als digitales Gedächtnis. ”Aus evolutionärer Sicht ist es natürlich von Vorteil, unsere Gehirnkapazität für wichtige Dinge frei zu halten. Auch Vergessen ist elementar für uns. Dabei werden alte Erinnerungen von neuen überschrieben, was uns sehr anpassungsfähig macht. Wir behalten nur die Dinge im Kopf, die uns relevant erscheinen.”(1)

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Jedoch nicht nur bei Wissensfragen verlassen wir uns auf unser Smartphone, wir speichern unsere Termine in den Kalender, sichern Telefonnummern und Geburtstage darin. Sind wir abhängig von unserem digitalen Gedächtnis. Einige Forscher unter anderen Manfred Spitzer, der ein Buch über digitale Demenz geschrieben hat, meint “Wir googlen uns blöd." (3) Ist es wirklich alles so negativ? Konnte man sich 1940 an jeden Geburtstag und jeden Termin erinnern? Damals gab auch eine Auslagerung unserer Informationen, lediglich waren diese analog auf einem Blatt Papier aufgeschrieben. Die Frage lautet eher wollen und müssen wir uns an alles erinnern?

Abgesehen von Daten, Terminen und Nummern, die wir uns nicht merken können, vergessen wir auch andere Dinge. Namen von Personen die wir mal kennengelernt haben, den Weg zu einem bestimmten Ort, weil wir nur einmal dort hingefahren sind, Gespräche die wir mit Freunden geführt haben, unser Gehirn sortiert aus. Wir müssen in einigen Dingen erinnert werden. Nicht nur digital sondern auch analog. Ein Beispiel, weiß man den Namen eines fernen Verwandten nicht mehr, fragt man seine Familie, irgendeiner wird den Namen schon wissen, und bekommt in den meisten Fällen eine Antwort. Eine Gedächtnishilfe, eine analoge Hilfe. Unser Gehirn wirft automatisch “nicht wichtige” Daten weg. Was würde passieren wenn wir aber alles, was wir jemals erlebt haben sichern könnten. Wir müssten es nur abrufen und könnten uns dadurch an alles erinnern.

“Anders als der Merkfähigkeit unseres Gehirns sind dem Gedächtnis des Netzes keine Grenzen gesetzt.” (2)

Was würde es für einen selbst bedeuten sich an jedes kleine Detail seines Lebens zu erinnern? Wir könnten schöne Momente immer wieder erfahren, die Stimme eines bereits verstorbenen hören, Namen von zufälligen Bekannten wieder wissen, nie wieder etwas auswendig lernen müssen, wir bräuchten keine Hilfsmittel um sich Termine, Geburtstage, Telefonnummern merken zu müssen, jedes Rezept wäre automatisch da, ziemlich viele Möglichkeiten wozu wir aktuell digitale oder analoge Hilfsmittel benötigen. Unser Leben wäre in vielen Bereichen deutlich vereinfacht.

Aber trotz den vielen Vorteilen, wieso sortiert unser Gehirn den überhaupt aus? “Die Zeit heilt alle wunden”, diesen Spruch kennt jeder.Wir vergessen nach einer Weile schlimme Dinge, welche uns passiert sind, damit uns die negativen Gefühle nicht kaputt machen. Könnten wir uns aber an alles erinnern, müssten wir einen Ausweg finden womit man diese unterdrücken könnte.

Einer digitalen Gedächtnis Zukunft steht nichts im Wege, da wir aktuell unsere Daten auf Festplatten oder in der Cloud sichern, wäre der Gedanke noch mehr speichern zu können nicht verwerflich. Die Überführung von Informationen hat bereits begonnen, wir werden es nur weiter ausbauen.


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