Business Insider & Journalismus
Gerade über folgendes Zitat gestolpert:
“Relevant ist das, was die Leser für relevant halten und deshalb lesen”, sagt Christin Martens, Chefredakteurin von Business Insider Deutschland. Am selben Tag hatte ihr Portal den Milliardenverlust der Deutschen Bank direkt neben einer Geschichte über Hunde im Büro platziert. Und natürlich hat die Hundenummer besser geklickt, bekennt Martens.
Dieser Absatz stammt aus einem Artikel des deutschen Medien- und Marketingmagazins Horizont.
Ich will hier überhaupt nicht auf die Frage eingehen, ob Katzen- oder Hundecontent - Journalismus wird neuerdings und geilerweise als content bezeichnet - in irgendeiner Weise wichtiger sind als Wirtschaftsnachrichten. Die Frage alleine wäre schon blöd. Nein, ich hab mich in das Zitat der Frau Martens verliebt, ja, ordentlich verguckt.
Unternehmerisch hat sie sogar ein wenig Recht: Welche Bedürfnisse hat mein Kunde und was muss ich ihm auftischen, damit er’s auch kauft? Klar. Aber den gleichen Schmarrn lesen wir auch in der Bild, dem Stern, Focus, dem Spiegel, etc. Unternehmerisch ist es auch besonders toll, wenn man sich in irgendeiner Form von der Konkurrenz unterscheidet. Und das geht wiederum - siehe Apple z.B. - am besten, wenn man den Kunden ein wenig fordert: Bissi teuer machen oder umständlich, und dann Updates herausgeben, oder ein Ökosystem aus Produkten herstellen, die zusammen fun bringen.
Nein. Hunde & Deutsche Bank, das interessiert das Publikum. Deswegen ist Business Insider ein weiterer Tausendsassa der Medienbranche: Die können alles, nur nichts wirklich (überspitzt formuliert!), soll heißen, dass das nicht Journalismus ist, sondern Verkauf: Was wird gebraucht? Wer braucht es? Wie verkaufe ich?
Ich bin selber im Verkauf. Das sind auch die Fragen, die ich mir stelle, aber nur, weil ich kein Journalist bin, sondern Sales mache. Übrigens: Der Titel meiner Magisterarbeit hieß Journalismus verkaufen.