Abschied
Gestern war es soweit: ich nahm Abschied von Gabi. Vier Wochen nach ihrem Tod war der richtige Tag gekommen, der Tag, an dem alles passte.

Ich stieg auf einen Berg, trug eine schwere Last und Gabis Amulett nach oben und brachte Frieden und einen kleinen Stein von der Stelle, an der ich das Amulett vergraben hatte, herunter. Dieser Stein, ein Symbol für die vielen Steine und Felsen, die auf meinem gestrigen und auf Gabis Lebensweg lagen, ruht nun auf Gabis Grab in ihrem Heimatdorf.
Ich hatte diesen Gipfel gewählt, weil er prägnant aus der ihn umgebenden Landschaft sticht, weil er perfekte Rundumsicht erlaubt, weil er hoch über allem prangt und dem Himmel nahe ist — weil er zum Denkmal taugt.

Dort oben, ganz allein mit meinen Gedanken, Erinnerungen, Fragen und mit meiner Schuld verabschiedete ich mich
- von einem Menschen, den ich einfach nur sehr mochte.
- von einem Menschen, der mir nahe war und doch so fern.
- von einem Menschen, der mich annahm, wie ich war.
- von einem Menschen, der für mich den Mund aufmachte.
- von einem Menschen, der wie selbstverständlich da war.
- von einem Menschen, der nicht klagte und doch so sehr litt.
- von einem Menschen, der Trost mit Blicken spendete.
- von einem Menschen, der ultimativ seinen eigenen Weg ging.
- von einem Menschen, der mir jetzt so schmerzlich fehlt.
von Gabi.
Nachtrag:
Ich habe diese Tour bei Twitter in Text und Bild dokumentiert. Nicht weil ich geltungssüchtig bin, sondern weil ich glaube, dass #GabisWeg dem Einen oder Anderen als Inspiration dienen kann.
Man muss sich nicht immer an christliche Traditionen (zumal als Atheist) halten und Abschied auf Friedhöfen nehmen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Leere in sich, die Hilflosigkeit, vielleicht sogar (vermeintliche) Schuld zu bewältigen und Fragen zu beantworten oder aufzuhören, sie zu stellen.
Mein Gefühl sagte mir bereits einen Tag nach Gabis Tod, ich müsse sie “nach oben” bringen. Da wir in Südbayern leben, bedeutet das natürlich: ab in die Berge! Was auch immer das an Symbolik darstellen mag, mit Religion hat es garantiert nichts zu tun. Eher mit Leichtigkeit, Luft, Weite — mit Freiheit. Und mit Loslassen …
Mir hat dieser Weg gut getan, er hat etwas in mir gelöst, das verhakt, verschoben, verklemmt schien und mich (durchaus im Wortsinne) beim Atmen behindert hatte. Und ich entnehme den zahllosen Sternen, Direktnachrichten, Empfehlungen und Kommentaren auf Twitter, dass “Gabis Weg” ein guter war. Ich danke allen, die dabei waren — virtuell, aber nahe.