Wie schreibt man ein Buch? Ein angemessen kurzer Ratgeber.

Ich bin lesbisch. Durch und durch. Dennoch träume ich von Penissen. Nein, nicht von Sex zwischen Männern oder gar Sex mit einem Mann. Ich träume von Sex mit einer Frau. Als Mann.

In jedem Ratgeber für potenzielle Schriftsteller findet sich ein Kapitel, in dem etwas über den perfekten Einstieg in einen Roman steht. Ich fasse zusammen: BÄHM! muss er sein. Auch wichtig ist Sex. Kommt in einem Buch kein Sex vor, gilt es als Sachbuch.

Steigt man dann tiefer ein in die Materie, die meist unter dem Titel läuft: „Wie werde ich der genialste — streiche „genialste“, ersetze gegen „reichste“ — Schriftsteller auf Erden und das möglichst noch zu Lebzeiten?“, landet man bei Fachbegriffen wir Protagonist und Antagonist. P. ist der Mörder, A. die Leiche. Um die Beiden herum gruppieren sich ein paar Randpersonen, die das Buch füllen.

Damit haben wir bereits ein Gerüst, das unserem Roman Stabilität verleiht. Stellen Sie sich das ruhig wie die Bauwerke in Western vor: Vorn eine bombastische Fassade, das Gebäude selbst fadenscheinig funktionell. Genau wie ein Roman, der sich gut verkauft. (Nein, ich werde keine Namen erfolgreicher — im Sinne von erfolgreich vermarkteter — Autoren nennen!)

Sie hätten gern noch mehr Inhalt aus den Nähkästchen der zahllosen (nur in Ausnahmefällen selbst erfolgreiche Schriftsteller) Ratgeberverfasser? Gut, wir steigen noch tiefer ein:

Geben Sie Ihren Lesern frühzeitig alle Informationen. Klingt für einen Krimi kontraproduktiv, finden Sie? Sie sehen schon, wir nähern uns den Kapiteln für Fortgeschrittene. In der Tat sind Krimis, ob als Buch oder Film, wobei Film nicht viel mehr ist als ein Buch zum Anschauen, meist dann fesselnd, wenn man weiß, wer der Täter und wer das Opfer ist. Wir Menschen sind damit nämlich nicht zufrieden und wollen Hintergründiges. Warum, wieso, wie kam’s? Damit lässt sich als Autor Spannung aufbauen — wenn man’s kann.

Was benötigen wir noch an Tipps, um ein gutes Buch zu schreiben? Zwei erscheinen mir die Wichtigsten:

  1. Was und wen Sie erwähnen, Sie müssen es oder ihn irgendwann wieder aufgreifen. Es oder er muss Inhalt liefern, sonst hat es oder er in Ihrem Buch nichts zu suchen. Werfen Sie es oder ihn beim ersten Korrekturdurchgang Ihres Manuskripts raus. Überhaupt sollten Sie viel rauswerfen. Es schmerzt, wenn das Manuskript plötzlich ein Drittel kürzer ist, aber besser Sie leiden als Ihre Leser. Vor allem die Einstiege der ersten Fassung bieten sich an, sie ohne weiteres Nachdenken zu löschen. Ja, komplett!
  2. Wagen Sie sich auf ein Terrain, auf dem Sie nicht trittsicher sind, werden Sie scheitern. Lassen Sie’s einfach. Bleiben Sie bei der Wahrheit. Schreiben Sie nicht über Drogen, wenn Sie nie welche genommen haben und lassen Sie Ihren Protagonisten nicht an der Börse spekulieren, wenn Sie nichts von Derivaten verstehen. Haben Sie keine Ahnung, wie sich das jeweils andere Geschlecht beim Sex fühlt, bleiben Sie konsequent bei der Beschreibung der Gefühle, die Sie persönlich kennen. Und: keine Umschreibungen! Nennen Sie die Dinge bei ihren Namen. Sind Sie geil, schreiben Sie geil und nicht „verzehrte sich nach …“ Ein Penis ist ein Schwanz, sicher aber kein „Wunderstab“. Sie wollen Ihre Leser schließlich ebenfalls geil machen und nicht zum Lachen bringen.

Fehlt noch was? Ach ja: Lassen Sie Ihr Manuskript von mehreren verschiedenen Testlesern durchgehen und brutalstmöglich kritisieren. Es ist von Vorteil, wenn diese Menschen Sie nicht leiden können, glauben Sie mir! Wenn Sie zu diesem Zeitpunkt und von diesen Personen keine Kritik vertragen, wird es hart für Sie werden, wenn Sie eines Tages die Kommentare bei Amazon lesen.

Meine Auslassungen neigt sich dem Ende entgegen, somit sollte ich endlich den Bogen zum Einstieg schlagen. Da Sie nun im Besitz einiger kluger Ratschläge sind, wissen Sie, was zu tun ist: Weg mit dem Quatsch!

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