It is NOISEY!

Das laute Online-Musik-Magazin aus Wien

Wir sind eine Gruppe Studenten, die für euch hinter die Kulissen des recht frischen Labels NOISEY, dem skurrilen Online-Musik-Magazin geschaut haben. Viel Spaß!

NOISEY´s Geburt

Da das Verhältnis zwischen VICE Austria und VICE Germany nicht das Beste ist, hat der Mutterkonzern VICE Magazine einen eigenen Sub Kanal für Österreich und die Schweiz kreiert. Die VICE-Musikecke mit dem Namen NOISEY gibt es jetzt seit März 2014.

Betreut wird die neue Online-Musikplattform von einem Mann, der schon drei Jahre lang Erfahrung bei „The GAP“ sammeln konnte. Jonas Vogt heißt der Chefredakteur, der die Verantwortung für NOISEY trägt. Der Rheinländer, der 2013 vom “Der Österreichische Journalist” zu den “den besten 30 unter 30” Journalisten gewählt wurde, hat die Aufgabe, die Alpenrepublik mit News aus der Musikwelt zu versorgen.

Interview Mit Jonas Vogt, dem NOISEY-Chefredakteur:

Wie ist NOISEY entstanden?

Noisey entstand als Content Vertical der VICE und wurde als eigene Untermarke ausgegliedert. Noisey Alps ist dabei die jüngste Auskopplung. Der Standort Wien, und damit Noisey Alps/VICE Alps haben die dritt meisten Zugriffe weltweit, direkt hinter London (Platz 2.) und New York (Platz 1.).

Eine Timeline zur Entstehung der VICE finden Sie hier.

Vice-Standorte
a.tiles.mapbox.com

Wie bist du zu NOISEY gekommen?

Ich habe 2009 angefangen, für VICE zu schreiben, das war damals noch relativ neu (2007 ist VICE in Österreich gestartet), hab dann mal drei Jahre zwischenzeitlich was anderes gemacht. Ich war bei einem anderen Magazin angestellt [bei “The Gap” (Anm. d. Red.)] und dann haben sie mich vor einenhalb Jahren gefragt, ob ich NOISEY in Österreich aufbauen will und ich hab ja gesagt. Seit Februar 2014 bin ich jetzt Chefredakteur von NOISEY.

Wie ist das Arbeitsklima bei NOISEY?

Bei einem Online-Medium hast du einen konstant hohen Stresllevel. Bei der VICE herrschen zusätzlich amerikanische Strukturen, das heißt es gibt einen hohen Leistungsdruck; konstantes Wachstum ist Voraussetzung. Das ist zwar sehr stressig, dafür ist aber auch immer Budget vorhanden und es stehen einem mehr Möglichkeiten offen […].

Wie viele Mitarbeiter hat NOISEY?

Wir sind momentan zwei Vollzeitangestellte, plus eine Volontärin, plus zwei Leute, die regelmäßig für uns schreiben (so jede Woche) und ein Pool von freien Autoren, die ich nicht genau benennen kann, weil es bei uns natürlich auch sehr oft so ist, dass Leute einen Text für uns schreiben als freie Autoren, die eigenltich gar keine professionellen Journalisten sind, sondern eine Linzerin schreibt mich zum Beispiel an und sagt: „Hey, ich flieg zum Jahrestag des Armeniengenozids nach Armenien und schau mir “System of a Down” an.“ Und dann schreibt diese Person einen Text darüber. Das wird halt eine einmalige Sache sein, aber so etwas haben wir natürlich sehr viel.

Wie sieht es da mit den Urheberrechten aus?

Der Text gehört ihr. Man hat dann einen gewissen Exklusivitätsanspruch, normal einen Monat bis zwei Monate darf dieser Text quasi nicht wo anders erscheinen. Der Name steht auf jeden Fall immer dabei, es sei denn, die Person möchte das nicht.

Was verbirgt sich hinter dem Kürzel “Noisey Staff”?

Das Kürzel Noisey Staff unter den Beiträgen zeichnet unpersönliche Beiträge aus, meist von mir oder meiner Kollegin geschrieben. VICE ist viel mehr als nur das Medium VICE, es ist ein klassisches Verlagsgeschäft. Bei VICE und NOISEY in Wien insgesamt gibt es momentan 14 Mitarbeiter, alle Anstellungen miteingerechnet.

Wie gehst du mit deiner Rolle als Gatekeeper um?

Gatekeeperfunktion gibt es Online im Vergleich zu Print kaum noch, da alles veröffentlicht werden kann. Wichtig ist, was Leute interessiert und das ein ökonomisches Interesse besteht.

Wie sieht es bei NOISEY mit Objektivität aus?

Ich bin kein großer Fan vom Objektivitätsbegriff, ich glaube nicht, dass man den erreichen kann. […]

Das System von VICE war immer, ich bringe verschiedene Meinungen nicht in einem Artikel sondern lieber: ich bringe verschiedene Artikel, wo eben verschiedene Meinungen vertreten werden. Weil VICE seinen Lesern zutraut, Meinungen vernüftig einordnen zu können.

Welche Künstler featured ihr?

Ich glaub ich kann sagen, dass ich noch nie einen Künstler gefeatured hab, von dem ich dachte “er ist schlecht” UND von dem ich dachte, dass er die Leute nicht interessiert. Eines von beiden muss immer schon da sein.

Um Exklusivinformationen zu bekommen ist es natürlich immer so ein bisschen unausgesprochen “eine Hand wäscht die Andere”, im Sinne von; man ist nicht zu gemein zu bestimmten Leuten und dafür bekommt man immer mal wieder was.

Wir haben natürlich auch immer wieder so Künstler, die klein sind, wo wir sagen “hey, die sind cool” und versuchen, die ein bisschen mit aufzubauen.

Wieso gibt es so wenige Reviews?

[…] Wir versuchens schon (sie einzubauen).[…] Vergessen es gelegentlich auch einfach.

Welche Themen kommen besonders gut an?

Bei VICE war der Lifestyle-Content immer schon Sex und Drogen. Das sowas sehr gut ankommt ist klar. Das heißt nicht unbedingt, dass die Leute den Artikel nacher gut finden, wenn sie ihn gelesen haben, aber sie klicken ihn halt immer an. Was zusätzlich auch sehr gut ankommt ist so etwas Lebensweltliches (“Aus Sicht einer Kellnerin: so solltest du als Gast den Kellner/ das Barpersonal behandeln”, oder ich hab einen Text geschrieben: “So wird das Fortgehen, wenn du 30 wirst”) jeder kommt irgendwann dazu. Früher hatte der Journalismus — das macht er heute gerne auch noch — Leute gerne irgendwo hingebracht, wo sie selbst keinen Zugang haben […]. Bei uns hatten wir zum Beispiel eine Geschichte, wo wir um vier Uhr Morgens in einem Club in Handtaschen von Frauen hineinfotographiert haben..).

Warum kommt Money Boy so oft vor?

Money Boy, ist ein Thema… Money Boy ist tatsächlich was, wo ich sagen muss: der Tag wo man nicht mehr mit Money Boy Klicks machen kann, wird ein trauriger Tag für uns sein.

Über welchen Weg bekommt ihr das meiste Feedback?

Das Feedback kommt fast ausschließlich über Facebook.

VICE ist einfach so eine Marke, die ist nicht unbedingt sypathisch mit ihrem großspurigen Auftreten, das gehört natürlich auch zum Geschäftsmodell dazu. Es gibt natürlich immer viel negatives Feedback, es gibt aber auch positives Feedback […]. Es ist natürlich auch eine ganz menschliche Sache, das man sich das negative Feedback eher merkt.

Also, wenn du von allen geliebt werden willst, darfst du nicht bei VICE arbeiten. Das ist ´ne Grundregel.

Wie wird man Mitarbeiter bei NOISEY?

Wenn man bei uns freier Autor werden will, dann schreibt man mich erst einmal an und dann macht man bei uns ein Praktikum. Ich mach meistens so drei Monate, darunter bringt es nichts. Du brauchst einfach mindestens einen Monat oder ein-en-halb, bis du richtig drin bist. Nichts ist nerviger, als wenn die Leute in dem Moment, wo sie das Ganze schon richtig können wieder abhauen.

Wie viel verdient man dabei?

Als Praktikant verdient man 400 Euro bei uns im Monat […], verglichen mit anderen Medien ist das in Ordnung. Wenn man dann angestellt ist, ist das schwierig zu sagen, es verdienen auch nicht alle das Gleiche. Wir sind nicht — das kann ich sagen — nach Kollektivvertrag angestellt. Mehr kann ich aktuell nicht dazu sagen.

Wie verdient man als freier Mitarbeiter?

Du bekommst pro Artikel bezahlt. Die eine Möglichkeit ist, du pitcht mir einfach deine Sachen und bekommst für jeden Artikel, den du geschrieben hast, Geld. Wenn du ein guter und motivierter Autor bist, kann es […] sein, dass man eine Pauschale im Monat ausmacht und dafür kommen in regelmäßigen Abständen Artikel.

Wie viel bekommt man pro Artikel bezahlt?

Es ist ein bisschen unterschiedlich. Je nachdem, aber ich würde mal sagen um den Dreh herum 50 Euro. Ich hab auch schon mal für Artikel 400 bezahlt, das waren aber auch wirklich lange, große Fotostrecken oder ähnliches.

Welche Anforderungen muss man erfüllen, um für NOISEY zu arbeiten?

Jemand, der mitarbeiten will, muss eine starke Meinung haben, sich zu einem gewissen Maße mit Musik auskennen (bei uns sollen natürlich auch nicht nur Nerds schreiben, das ist ganz klar, es reicht schon, dass ich Nerd genug bin), und bereit sein, sich mit dieser Meinung auf ein Podest zu stellen, mit allen positiven und negativen Folgen, die das haben kann.

Wie viel Umsatz macht NOISEY im Jahr?

Dazu kann ich euch leider offiziell nichts sagen. Was ich allerdings sagen kann, ist, dass sich jede Unit der VICE selbst erhalten können muss.

Was sind NOISEY´s Ziele für die kommenden drei Jahre?

Wir haben natürlich auf der einen Seite Zugriffsziele, also Ziele an Zahlen und Zugriffen, die wir erreichen müssen. Die haben wir aber jedes Jahr und jeden Monat. Unsere Jahresziele 2015 haben wir jetzt im April schon erreicht. Dann gibt es natürlich finanzielle Zahlen, die mich aber ehrlich gesagt gar nicht so sehr interessieren müssen, zum Glück.

Dann gibt es natürlich auch so ein grundsätzliches Ziel, dass wir ein extrem relevantes Musikmedium sein wollen, das Themen behandelt, die auf die Kernzielgruppe 18–30 Jährige zugeschnitten sind.

Gibt es eine Message bei NOISEY?

Ne Message? Es ist eigentlich tatsächlich dieses Ding, das VICE und eben auch NOISEY nie dieses Message-Ding war [sic!] . […] Rassismus ist scheiße, Sexismus ist scheiße, das sind aber wahrscheinlich aber auch schon die einzigen beiden Messages, auf die sich bei uns im Büro jeder einigen kann.

Massenware

Auf NOISEY können Musikinteressierte News, Features, Videopremieren, Events, DJ-Mixes und vieles mehr nachlesen, nachsehen und nachhören.

Spezialisiert ist die Website laut eigener Aussage auf internationalen Content, im Fokus liegt österreichisches Musikgeschehen mit Klatsch und Tratsch-Faktor. Dabei versucht die Plattform, die breite Masse zu erreichen. Die Hauptmotivation hinter den veröffentlichten Artikeln ist es, Klicks zu generieren und dadurch an Relevanz zu gewinnen.

Man erkennt bei genauerem Hinsehen, dass das Augenmerk nicht unbedingt auf österreichische Szenekünstler gelegt ist — wie von NOISEY behauptet— sondern eher auf internationale Acts, einzelne Genres werden dabei vernachlässigt. Sensationelles und Skurriles sind die Schwerpunkte der journalistischen Arbeit bei NOISEY.

Mit NOISEY ist ein Meinungsmacher in Österreich eingezogen, der ansatzweise — Vice betreibt auch eine Agentur die Acts vermarktet — unabhängig und mit eigener Perspektive über Musikgeschehen berichtet.

Fazit: Wenn man sich lieber mit der Musik selbst als mit dem periphären Geschehen befasst, muss man sich anderwärts umsehen. Wer sich jedoch gerne mit Musik-Trash beschäftigt, ist bei NOISEY definitiv richtig.

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