Die “schleichende” Digitalisierung, mit einem Schlag bewusst gemacht

Ich lese recht viel zum Thema Digitalisierung. In den ersten Tagen in diesem Jahr war vor allem viel über die Veränderungsprozesse zu lesen, die da auf uns alle, den Handel, die Banken zukommen werden. Dass wir aktiv und uns mit dem Thema beschäftigen müssen. Viele, alle Bereiche werden davon betroffen sein und sich anpassen müssen. Das hört und liest sich, als wenn die Digitalisierung nächstes Jahr einfach um die Ecke käme, sich einen Termin macht und fragt, wann es denn zeitlich so passt.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht so ist. In meinem Alltag hat sich Madame Digitalisierung schon ihr Plätzchen gesucht und begleitet mich in Form meines Smartphones auch überall hin mit. Ist ja eine tolle Sache, das kleine Ding.

Und während wir noch über die Vorteile von WhatsApp diskutieren oder wer heute noch telefoniert oder E-Mails schreibt, bricht im Büro die Leitung zusammen, Rechner und Telefon mit einem Mal tot: kein E-Mail, kein Telefon, kein Drucker, kein Zugriff auf Daten oder Server. “Was war das denn?” Ich starre den Monitor an. “Hm, sonst geht er doch gleich wieder an…” Ok, mal hören, was die Kollegen sagen. Das dachten wohl mehrere, denn wie auf Kommando gehen mehrere Türen auf und es gibt ein großes Hallo im Flur. Nichts geht mehr. Mitten im Gewühl, was wir nun machen, wie lange das dauert, ruft der Chef auf meinemSmartphone an: Wo ich wäre, etwas zuhause? Oder doch im Büro? Er erreiche niemanden. Es git den Auftrag, eine Presseanfrage zu beantworten, in Absprache mit zwei Kollegen. Die eine Person im gleichen Gebäude eine Etage drüber, die andere Person in einem anderen Gebäude zwei Straßen weiter. Wie gesagt, weder Festnetz-Telefon noch E-Mail funktionieren. Mobilnummer hat man auch nicht von jedem. Also Beine in die Hand nehmen und laufen, von A nach B und wieder zurück, Smartphone in der Hosentasche. Bei Treppe rauf, Treppe runter frage ich mich, wie wir die Antworten übermitteln sollen, per Rauchzeichen oder Taube? Abfotografieren und mobil versenden (Laptop mit Internetstick nicht vorhanden)?

Sind wir mittlerweile so an die Technik und digitalen Helferlein gewöhnt, dass wir uns gleich unfähig und lahmgelegt fühlen, wenn diese plötzlich wegbrechen?

Nach diesem Erlebnis ist klar: Die Digitalisierung ist da, die kommt nicht erst. Könnte man sie rückgängig machen, wollte ich das? Ich glaube nicht.

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