MITTELMÄSSIGKEIT oder INTENSITÄT

Sicherheit, Geborgenheit, Gefahrlosigkeit, Zuverlässigkeit und Komfort — allesamt Ausdrücke für eine der scheinbar grundlegendsten Sehnsüchte der Menschheit.

Komfort ist eine Verkleidung des Todes

Großvater Stalking Wolf, Apache -Schamane und Meister-Scout, und auch sein Schüler Tom Brown Jr., Fährtenleser und Gründer der Tracker School, der vielleicht ersten Wildnisschule, wurden bzw. werden nicht müßig diesen “One-Liner” zu wiederholen. Aber was kann dieser Ausspruch bedeuten?

Wenn das Pendel zu weit ausschlägt

Es steht außer Zweifel, dass Friede und Zugehörigkeit Grundbedürfnisse, ja vielleicht sogar Geburtsrechte von uns Menschen sind. Aber was passiert, wenn das Pendel zu stark in eine Richtung ausschlägt? Wir Gefahrlosigkeit, Sicherheit und Komfort zu einer Haltung hochstilisieren, die bereits fanatisch-religiöse Züge trägt?

Das Leben ist lebensgefährlich

Wir müssen mit den Gefahren des Lebens umgehen lernen. Von klein auf. Risiken bewerten, abschätzen, und dementsprechend handeln. Manches davon müssen wir erst erfahren und lernen — wie zum Beispiel, dass die Feuer heiss sind und man sich verbrennt, wenn man direkt in die Glut greift. Aus diesen Erfahrungen entwickeln wir neue Handlungsstrategien. Andere Erfahrungen werden wir angehalten erst gar nicht zu machen, denn das Erlebnis einen 200 Meter Wasserfall hinunterzustürzen mag zwar euphorisierend aber sicher nur einmalig sein. Danach ist Ende-Gelände.

Mit anderen Gefahren lernen wir aber umzugehen

Ein Großteil des Schnitzens lernt man nicht durch theoretische Techniken, sondern durch deren praktische Anwendung und da in großem Maße dadurch, dass man sich ver- oder überschätzt, nicht aufmerksam genug war und sich mit dem Messer in den Finger schneidet. Die schmerzhafte Erfahrung lässt uns innehalte und überlegen, wo der Fehler lag. Und daraus wieder einen neuen Umgang mit dem Messer erwachsen. Mit der Zeit immer geschickter und achtsamer.

Wir lernen mit der Gefahr umzugehen, da das Erlebnis Schnitzen einfach so sensationell ist! Wenn uns hoffentlich niemand davon abhält … denn genau hier liegt einer der größten Fallstricke! Was wenn uns wie im Falle des 200m hohen Wasserfalles nahegelegt wird, das Schnitzen aus Lebensgefahr heraus bleiben zu lassen? Wenn niemand da ist, der uns den Erfahrungsraum aufmacht, risiko-aufmerksames Schnitzen zu erlernen? Was wenn niemand da ist, der dies selbst so erfahren hat?

Es ist nicht nur ein Kinds-Thema

Das Beispiel Schnitzen lässt sich auf so viele Bereiche umlegen. Baumklettern, Ciabatti in der Glut backen, Herumkugeln in Wiesen und Büschen mit Zecken, barfuss laufen im April. Aber auch auf andere, nicht so grüne und kindliche Bereiche: Wahrheit sprechen, Kündigen, anders Sein, Hinterfragen, leidenschaftlich Tun, Entscheiden ….

Angst frisst Seele auf

Noch so ein Spruch. Wenn wir der Angst zu viel Raum geben, beginnen wir uns zu verstecken, einzuigeln, abzuschotten. Wenn wir der Sicherheit und dem Komfort (sind es nicht auch oft Ängste?) zu viel Raum geben, werden wir uns ebenfalls verstecken, einigeln und abschotten — und GENAU DAS TUN WIR VIEL ZU VIEL !!!!

WIR SCHOTTEN UNS VOR DER LEBENDIGKEIT AB !!!!

Aber das Leben ist Lebendigkeit und kein zombie-hafter Abklatsch! Erinnere dich an die intensivsten Momente in deinem Leben! Sie waren leidenschaftlich, lebendig, gefährlich, out-of-comfort-zone, anders als das Übliche, ein wenig verrucht, ein wenig verboten, ein wenig außerhalb der edge, der Kante des Bekannten und Komfortablen.

Holen wir es wieder in unser Leben zurück!

Machen wir noch heute etwas Unglaubliches, Mutiges, Verrücktes, Spannendes, Doofes, Abenteuerliches, Unbekanntes — nur einen Moment lang, heute. Probieren wir es einfach aus.

Denn das ist das, was unsere Kinder sehen.

Sie sehen Erwachsene, deren Maxime nicht die Mittelmäßigkeit ist. Sondern Vorbilder, die authentisch Lebendigkeit und Intensität pflegen!

Just imagine what would happen …

Martin Fürst

Natur- und Wildnisschule Nawisho

www.nawisho.at

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