Als Lehrer bei Twitter?

Anmerkungen für Unentschlossene

Björn Nölte ☕
Mar 9, 2017 · 5 min read

Dieser Artikel richtet sich an diejenigen Lehrer, die Twitter skeptisch gegenüber stehen. Natürlich kann man als Lehrer auch ohne Twitter gut leben. Der Digitalisierung kann man sich allerdings heute als Lehrkraft kaum verschließen:

Die Punkte 3, 6, 9 und 10 lassen Twitter ganz produktiv ins Spiel kommen. Wer Twitter das erste Mal sieht, fühlt sich überfordert: Das lässt sich doch unmöglich alles lesen, das meiste interessiert mich doch gar nicht, wird hier erwartet, dass ich zu all dem auch selbst etwas schreibe? Es besteht kein Zwang zur regelmäßigen vollständigen Lektüre der gesamten Timeline. Die allmählich greifenden Algorithmen sorgen für eine Vorfilterung, die persönliche Selektion folgt obendrauf. Viele Menschen sind über Wochen oder Monate (Korrekturzeiten) abstinent oder twittern nur sehr punktuell. In den vielen kleinen Situationen des Wartens im Alltag (im Verkehr, vor einer Konferenz, vor einem Meeting etc.) kann sich gerade die „Häppchen-Form“ der Twitter-Lektüre als ideal erweisen, indem z. B. eine Idee gesehen wird, die sich später vertiefen lässt. Die Kritiker sagen zu Recht: Die digitale Kommunikation zwingt uns doch sowieso schon zu sehr zur „Häppchen-Form“ und verhindert zeitintensiveren Tiefgang. Macht es da Twitter nicht noch schlimmer? Die Frage nach diesem Spagat muss natürlich jeder für sich selbst beantworten. Ich liste an Beispielen auf, wozu Twitter für Lehrer taugt und wozu eher nicht.

Was bei Twitter gut funktioniert

Was bei Twitter nicht so gut funktioniert:

Wie viel sollte ich lesen, wie viel muss ich selbst schreiben?

Yann Arthus-Bertrand hörte ich kürzlich nach der Kinopremiere seines Films »Human« sagen, jeder Mensch habe etwas zu sagen bzw. eine Geschichte zu erzählen.

Ich bin davon überzeugt, dass das auch für unseren Zusammenhang gilt. Man ist selbst für die eigene Dosis verantwortlich. Es ist genauso legitim, sich passiv bei Twitter zu bewegen. Es sollte nur klar sein, dass der Grad der Vernetzung mit der eigenen Produktivität steigt. Wie privat man dabei wird (bzw. ob?), muss bewusst entschieden werden.

Wie sollte man sich auf Twitter verhalten?

Wer sich im realen Leben angemessen verhält, wird sich auch auf Twitter angemessen verhalten. Insofern ist eine spezielle Etiquette wohl überflüssig. Einige der folgenden Hinweise, die eigentlich für Schüler gedacht sind, interessieren vielleicht auch Erwachsene:

Wer mit seinen Schülern über Twitter ins Gespräch kommen möchte, kann diese Informationsseite nutzen:

Ein ähnlicher Text zu Lehrern auf Twitter wurde schon vor 3 Jahren von bobblume.de verfasst:

Bilder: Verwendete Fotos nach CC-BY lizensiert.

    Björn Nölte ☕

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    Teaching & Learning in Potsdam / Berlin, Germany