Test: Direkt auf LinkedIn bloggen?

Kürzlich bin ich von LinkedIn Deutschland (bzw. von einer Mitarbeiterin der beauftragten PR-Agentur) gefragt worden, ob ich zu den Beta-Testern der neuen Blog-Funktion direkt auf der Plattform gehören will. Neu ist dabei nicht die Möglichkeit des Bloggens an sich, sondern die Pulse-Funktion, die Sichtbarkeit im deutschen Neuigkeiten-Strom. Da ich vorher das Bloggen auf LinkedIn nie ausprobiert habe, teste ich es jetzt also erstmals. Hier meine ersten Eindrücke.

Direkt auf der Startseite werde ich dazu aufgefordert, einen Beitrag zu veröffentlichen. Die weitere Benutzung ist intuitiv und folgt der normalen Logik, die wir von Blog-Angeboten gewohnt sind. Stellt sich nur die Frage: Warum sollte ich auf LinkedIn Artikel veröffentlichen, statt in meinem eigenen Blog?

Warum sollte ich überhaupt auf LinkedIn bloggen statt im eigenen Blog?

Grundsätzlich finde ich die Entwicklung spannend, dass soziale Netzwerke immer mehr darauf hin arbeiten, in sich geschlossene Universen zu bilden. Man muss sich also gar nicht mehr aus der betreffenden virtuellen Welt hinausbegeben, um die Bedürfnisse zu befriedigen, die das digitale Herz begehrt. Facebook ist das sicherlich der Vorreiter, was “verkapselte Inhalte” angeht und hat ja kürzlich die Notizen-Funktion zu einer Blog-Funktion ausgebaut. XING hat ebenfalls bereits vor längerer Zeit angefangen, mit Blogging-Funktionen zu experimentieren.

Was das Bloggen auf nicht-selbstgehosteten Plattformen im größeren Stil angeht: In Deutschland ist es sicherlich mit das Verdienst meines Kollegen Klaus Eck, dass medium.com mittlerweile von vielen genutzt wird. Auch Klaus veröffentlicht hier immer wieder eigene Beiträge. Ich nutze es auch gelegentlich, habe aber zugegebenermaßen schon reichlich damit zu tun, meine eigenen Plattformen mit Content zu füllen — von meinen Kunden-Projekten einmal abgesehen. 13 eigene Beiträge zähle ich mittlerweile auf medium.com; vor allem solche, die thematisch nicht in meinem Kernbereich liegen oder sich für den PR-Doktor nicht so eignen, zum Beispiel Reiseberichte. Auch andere deutsche Blogger und Autoren sind dort mittlerweile regelmäßig oder gelegentlich zu finden. Durch die Folgen- und Empfehlen-Funktionen findet man auf medium.com immer wieder interessante Inhalte, vor allem aber aus dem internationalen Bereich.

Vor- und Nachteile des Bloggens direkt auf LinkedIn

Nochmals die Frage: Warum sollte ich quasi verkapselt auf einer Plattform bloggen und damit LinkedIn die Suchmaschinenrelevanz und den sonstigen Wert meiner Inhalte schenken?

“Da können Sie supertoll Inhalte direkt veröffentlichen. Sie brauchen gar kein eigenes Blog aufzubauen, und andere finden das, was Sie da geschrieben haben. Ganz viele lesen dann Ihre Beiträge!”, schwärmte mir die junge Mitarbeitern vor, die mich zum Beta-Test einlud. — Nun ja. ;-)

Für mich persönlich ist das aus naheliegenden Gründen nur so mittel- bis weniger interessant. Aber dazu muss man eben auch sagen, dass ich ein über viele Jahre aufgebautes Blog mit hoher Sichtbarkeit bereits habe, das ich ohnehin regelmäßig bespiele. Für jemanden wie mich, die in diesem Bereich selbst arbeitet, wäre es wohl höchlichst unglaubwürdig, wenn ich nicht eine gut gepflegte, regelmäßig um Inhalte ergänzte Content-Zentrale hätte. Aber ich bin sicherlich kein typisches Beispiel für jemanden, für die das Bloggen auf LinkedIn interessant wäre.

Auch ist mir noch nicht so ganz klar, ob die Blogbeiträge auf der Plattform prominenter wahrgenommen oder mehr gelesen werden als meine verlinkten Beiträge aus dem eigenen Blog. Zudem wird sich erst erweisen müssen, was LinkedIn selbst dazu tut, um dort erschienene Beispiele zu promoten.

Ich frage mich auch, wer das alles lesen soll. Sicherlich ist LinkedIn in Deutschland auf dem Vormarsch. Aber ich selbst nutze das Netzwerk in allen seinen Funktionen nach wie vor recht wenig und bin selten dort unterwegs. Ich würde also womöglich gar nicht sehen, wenn einer meiner Kontakte dort etwas veröffentlicht. Aber das Interesse kann sich ja durchaus verstärken, wenn es tatsächlich dort viel Interessantes zu entdecken gäbe. Das muss sich eben erst mit der Zeit zeigen.

Für wen könnte das Bloggen auf LinkedIn interessant sein?

Grundsätzlich plädiere ich bei jedem, der im Web publizierend tätig ist, dafür, eine eigene “Content-Zentrale” aufzubauen. Hier haben Sie die volle Kontrolle über Ihre Inhalte und behalten alle Rechte. Die Suchmaschinen-Relevanz kommt Ihnen selbst zugute. Sie bestimmen die Spielregeln und gestalten den Rahmen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

Interessant sein könnte es beispielsweise in folgenden Fällen:

  • für Berufstätige, die keine eigene Plattform aufbauen wollen und vielleicht nur gelegentlich in einer Bewerbungsphase ihr Profil um mehr Inhalte anreichern wollen.
  • für Selbstständige und Klein-Unternehmer, die auf ihrer eigenen Plattform noch nicht viel Sichtbarkeit erreicht haben und zusätzlich darauf aufmerksam machen wollen.
  • für Meinungsbildner und Persönlichkeiten, die auf LinkedIn gut vernetzt sind und hier Inhalte zweitverwerten oder eine Artikel kurz anteasern wollen.
  • (Fallen Ihnen weitere Anwendungsmöglichkeiten ein?)

Funktionalität und Funktionen

  • Die Funktionen sind einfach, intuitiv zu bedienen und nicht überladen. Die Plattform speichert automatisch zwischen, so dass der Verlust bereits eingegebener Inhalte wenig wahrscheinlich ist.
  • Man kann ein Titelbild auswählen sowie weitere Bilder und auch Videos beliebig in den Text einfügen.
  • Man kann Text unterschiedlich formatieren, wie in jedem Textverarbeitungsprogramm — aber nicht so vielfältig wie etwa in WordPress. Farbiger Text beispielsweise ist (noch) nicht möglich.
  • Man kann per Drag&Drop bereits getippten Text an eine andere Stelle verschieben.
  • Man kann Hyperlinks setzen.
Außerdem lassen sich Zitate optisch absetzen.
  • Aber als Zwischenüberschriften sind nur h1 und h2 einstellbar. Meines Erachtens müssten Subheadlines in h3 formatiert sein.
  • Unkomfortabel bei den LinkedIn-Blog-Funktionen ist die Tatsache, dass man maximal drei Tags (Schlagwörter) vergeben kann, und auch keine eigenen. Man muss unter vorgegebenen auswählen.
  • Wie es mit Kommentierbarkeit, Social Sharing nach außen sowie nachträglichen Bearbeitungsmöglichkeiten aussieht, kann ich erst sagen, nachdem ich diesen Artikel veröffentlicht haben werde.

Werde ich in Zukunft die Blog-Funktion von LinkedIn nutzen?

Ich persönlich eher nicht. Es könnte aber sein, dass es Beratungskunden gibt, denen ich das empfehlen würde — aber eher wohl in Ausnahmefällen. Siehe oben: Ich würde in den meisten Fällen eher dazu raten, selbst Inhalte anzubieten und auf eigenen Plattformen zu behalten. Was natürlich keinesfalls bedeutet, dass man im Social Web keinen eigenen Content spielen sollte. Man muss dort Nutzen schaffen, wo Dialoge entstehen. Ich spreche hier ausdrücklich vom Bloggen!

Auf jeden Fall werde ich es beobachten und auch schauen, wie sich andere dazu äußern. Ich bin vor allem auf das weitere Marketing des Anbieters selbst zu dieser Funktion gespannt.

Offenlegung

Es ist wohl keine Frage, dass der Test der Blog-Funktion für LinkedIn mit dem deutschen “Pulse” eine großangelegte Marketing-Aktion ist, die ich — indem ich diesen Beitrag weiter verbreite — kostenfrei mit meiner Reichweite unterstütze. So ist es ja in diesen Fällen allgemein üblich.

Der Korrektheit halber möchte ich allerdings darauf hinweisen, dass ich im Auftrag von LinkedIn ein “Welcome Pack” erhalten habe: ein Paket mit einer Papiertragetasche, in der sich ein pappgebundendes liniiertes Notizbuch mit LinkedIn-Prägung befand, ein externer Handy-Akku mit LinkedIn-Aufdruck sowie ein “Kleiner Autorenführer” auf einer doppelt bedruckten Din-A-4-Seite. Ich habe diesen Artikel dennoch unabhängig von diesem Geschenk geschrieben, und LinkedIn hat in keiner Weise suggeriert, dass sie mich damit zu einer positiven Darstellung beeinflussen wollen. Es stand mir auch frei, ob ich die Funktion nur teste oder ob ich mich dazu entschließe, etwas zu veröffentlichen.

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Nachtrag nach der Veröffentlichung:

Ich habe nach dem Veröffentlichen die Anzeige erhalten, dass alle meine Kontakte über den Blog-Beitrag informiert wurden, und hoffe jetzt, dass nicht alle eine E-Mail bekommen haben, die so aussieht, als hätte ich sie ausgelöst. Wer mir dazu Feedback geben kann und mag: Herzlich gerne!

Externe Share-Buttons werden für Facebook und Twitter angeboten. Hier ist mein Facebook-Posting dazu. (Vorschau und Artikelbild wurden erst richtig “gezogen”, nachdem ich die URL dieses Postings durch den Object Debugger von Facebook gezogen hatte.)

2. Nachtrag:

Interessant finde ich auch die Statistiken. Hier das Ergebnis etwa eine halbe Stunde nach der Veröffentlichung dieses Beitrags. Immerhin schon 20 Abrufe und ein Kommentar.

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Die Autorin: Ich blogge als “PR-Doktor”, und Sie können mich für Vorträge buchen.