Messen der Zukunft: Fokus auf Kontakte statt Flächen

“Das ist nicht gut für uns, dann verkaufen wir weniger Fläche.”

Der Satz stammt vom Mitarbeiter einer großen deutschen Messe und wurde von einem nicht ganz freundlichen Blick begleitet. Er war die Reaktion auf meinen Hinweis, dass Evonik seinen Messestand auf der ECS Nürnberg durch die 360-Grad-Videos auf einer VR-Brille meiner Agentur K3 deutlich reduzieren konnte.

Evonik konnte einige größere Anlagen durch 360-Grad-Videos vorstellen und musste sie nicht vor Ort aufbauen. Das Ergebnis: Immer noch der größte Stand der Messe, jedoch kleiner, als er ursprünglich geplant war. Das gefiel dem Messemitarbeiter verständlicherweise nicht.

Doch dieses Beispiel ist nur das erste Zeichen einer Entwicklung, die ich schon einige Zeit kommen sehe: Das Geschäftsmodell von Messegesellschaften wird sich verändern.

Messen der Zukunft als Nachfolger des Marktplatzes

Früher — vor einigen hundert Jahren — gab es zwei oder drei Mal im Jahr den Markt, auf dem sich alle Menschen im großen Umkreis trafen. Er war Netzwerk- und Kontaktort.

Heute gibt es viele Fachmessen — zu viele, meine ich. Und mir stellt sich immer stärker die Frage: “Sind Fachmessen vor Ort wirklich nötig?”

In allen Bereich wird heute von Digitalisierung gesprochen. Messen könnten durch digitale Technologien kleiner, flexibler und mobiler werden

Deutlich kleinere Messestände könnten durch die Abbildung von Produkten durch 360-Grad-Videos erreicht werden. Davon könnte das Gespräch mit Kunden und Interessenten sogar profitieren.

Produktpräsentationen finden nicht mehr zwingend physisch vor Ort statt, sie können auch vernetzt von mehreren Orten aus begleitet werden. Für die Teilnehmer wäre das gut: Jeder könnte vom Arbeitsplatz oder Home Office aus teilnehmen

Für Mesegesellschaften und Messehotels wäre das natürlich nicht positiv. Doch diese Branche ist nicht die erste, die von der Digitalisierung dazu gezwungen wird, ihr Geschäftsmodell zu verändern.

Tindern auf Messen: Kontakte und Netzwerk als Fokus

Neben 360-Grad-Videos könnte ein neuer Fokus das Geschäftsmodell von Messegesellschaften verändern und ihnen helfen, fehlende Umsätze aufzufangen. Mit schwebt eine Art Tindern auf Messen vor.

Etwas ähnliches habe ich vor einigen Jahren auf einer Modemesse erlebt. Bei der gab jeder Besucher zu Beginn Kontaktdaten ab und der entsprechende Barcode wurde an jedem Stand gescannt. Der Messeveranstalter konnte so im Nachhinein genau sagen, wer mit wem gesprochen hat.

Heute würde ich daraus tatsächlich eine tinderähnliche App machen. Eine App, bei der Teilnehmer im Vorfeld nicht nur Geschäftsdaten, sondern auch Hobbys und persönliche Interessen angeben können.

Wie bei Tinder können Teilnehmer dann solange in der App suchen, bis sie interessante Kontakte finden. Wenn beide Kontakte das Interesse bestätigen trifft man sich auf der Messe, vielleicht in gemütlichen Loungbereichen oder kleinen Besprechungsräumen.

Die dafür nötige Technik gibt es schon. Einzig Messen müssten solche Apps wollen und die passenden Räumlichkeiten bereitstellen. Solche Meeting-Spots für StartUps habe ich selbst auf der Water & Energy in Essen gesehen. Eine Messe-App mit einem Profil zur Person gab es bei der Digility in Köln. Bei beiden Messen hatten wir einen Messestand.

Die Messe der Zukunft ist der Marktplatz 4.0

Messen werden sich durch digitale Technologie, 360-Grad-Videos und ähnliche Formate verändern müssen. Wenn sie den Fokus auf Kontakte und Netzwerk legen, kann sich das Geschäftsmodell dieser Veränderung anpassen.

Ein Hinweis: Dieser gesamte Artikel ist aus einer Diskussion auf Anchor entstanden, unter anderem mit Input von Ragnar Heil von Microsoft. Wenn Sie mitdiskutieren wollen folgen Sie mir gerne dort.

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