Starbound hat das schlimmste Tutorial in der Geschichte des Universums

Wie man ein gutes Spiel durch ein Tutorial aus der Hölle ruiniert.

Auf Starbound habe ich mich gefreut wie ein Wahnsinniger, schon seit es angekündigt wurde. Eine Minecraft/Terraria-Variante, in der ich nicht nur Dinge bauen, sondern ein ganzes prozedural generiertes Universum erforschen kann, mit einem eigenen Raumschiff verschiedenste Planeten besuchen, fremde Zivilisationen treffen, Quests erfüllen? Mit Tonnen an substantiellem Content, möglichen Beschäftigungen und verrückten Ideen? Und das Ganze auch noch in bemerkenswert hübscher Pixelart? Klingt nach dem Sandbox-Spiel meiner Träume. Deshalb habe ich mir auch vorgenommen, der Early-Access-Versuchung zu widerstehen und auf die gepolishte finale Version zu warten, die erst letzten Freitag erschienen ist. Und hey, Starbound wirkt wirklich wie ein tolles Spiel! Ganz kann ich das allerdings auch nach Stunden von Spielzeit noch nicht sagen. Ich stecke immer noch im Tutorial.

Starbound hat seine Macken. Das Interface ist unpraktisch und unituitiv. Die Performance lässt zu wünschen übrig. Aber nichts ist so schlimm wie das entsetzliche Tutorial. Ich meine, “Erforsche die Galaxis!” ist eines der bestmöglichen Versprechen, die ein Spiel mir machen kann. Genau das möchte ich tun! Genau das hat ja mein Interesse geweckt und mich jahrelang gespannt warten lassen.

Ich erstelle also ein kleines Schimpansen-Alien in einer fetzigen roten Jacke und starte das Spiel. Los geeeeee… Oh, erst wartet noch ein kleines spielbares Intro auf mich, in dem ich auf einer Raumstation herumlaufe. Ich stehe aus dem Bett auf, plaudere mit Kollegen, hole meine Uniform aus einem Schrank, ziehe sie an. Fein, das ist völlig OK und eine gute Möglichkeit, mir rasch die Grundlagen der Steuerung beizubringen. Los geeee….. Oh, jetzt kommt noch eine kurze unüberspringbare Zwischensequenz. Etwas ärgerlich im Jahr 2016, vor allem weil es mich nicht interessiert. Ich will meine eigene Geschichte schreiben, in den unentdeckten Weiten der Galaxis! Aber bald darauf habe ich es geschafft und bin endlich auf meinem Raumschiff. Los geeee…. Oh, mein Raumschiff ist kaputt. Ich muss mich auf den Planeten, in dessen Orbit ich mich befinde, runterbeamen, Ressourcen sammeln und eine geheimnisvolle Energiequelle finden.

Hier beginnt das Tutorial den sicheren Hafen von im Vorhinein designten, geskripteten Levels zu verlassen und wirft mich hinaus in die prozedural generierte Welt — zumindest auf einen Planeten davon. Schön langsam beginnen die ersten Probleme. Das Auftreiben der Ressourcen bedeutet, dass ich mich ins Innere des Planeten vorwagen muss, Kisten durchsuchen, Rohstoffe abtragen, Monster bekämpfen. Je nach Übung kann das die ein oder andere Stunde in Anspruch nehmen; und noch dazu sind das alles Dinge, die ich eigentlich gern schon als Teil des tatsächlichen Spiels gemacht hätte, auf eigene Faust, mit einem Ziel meiner Wahl — zum Beispiel Tonnen von Geröll zu sammeln um mir einen kuppelförmigen Palast voller lebensgroßer Affenstatuen auf einem Eisplaneten zu bauen.

Wie dem auch sei, ich habe alles getan, was Starbound von mir verlangt hat. Zwanzig blöde Steine gefunden, sie bei der geheimnisvollen Energiequelle auf dem Planeten abgeladen — darf ich jetzt “Full warp speed ahead!” rufen und mich in die Tiefen des Universums stürzen?

Nein, ich darf nicht. Die gehemnisvolle Energiequelle transportiert mich auf einen anderen Planeten, auf dem ich sehr, sehr lange nach rechts laufen, mir ein Stück Dialog anhören und wieder zurück nach links laufen muss. Schließlich bekomme ich statt einer Möglichkeit mein Schiff zu reparieren zuerst die Mission, eine verlassene Minen-Anlage zu erforschen. Oh, come on!

Die Minen-Anlage ist der schlimmste Teil. Es ist ein langer, linearer Platforming-Level, angefüllt mit dem immergleichen Gegner-Typ mit zu vielen Hitpoints. Nach ungefähr zwei bis drei Treffern bin ich tot und muss den gesamten Level von vorne beginnen. Das habe ich inzwischen bestimmt fünf- bis sechsmal probiert, und jedesmal beginnt es ganz gut, bevor ich innerhalb von Sekunden durch eine kleine Unachtsamkeit, die furchtbar hakelige Steuerung oder einfach schiere Ungeduld sterbe. Und noch einmal muss ich mir vor mir selbst versichern, dass ich, ein Videospieler seit fünfundzwanzig Jahren und Bloodborne-Liebhaber, hier am Tutorial eines 2016er-Titels verzweifle — im verdammten “Casual”-Schwierigkeitsgrad!

Ich wende mich hilfesuchend an das Internet, in der Hoffnung auf einen lebenswichtigen Tipp zu stoßen, der mir irgendwie entgangen ist, oder wenigstens auf eine Möglichkeit, dieses Kack-Tutorial zu überspringen. Worüber aber allerorts gesprochen wird, ist der Boss der Minen-Anlage. Moment, Boss? Ist das euer Ernst? Ich lese weiter, und ja tatsächlich: Was den Leuten wirklich Probleme macht, ist gar nicht so sehr der Level an sich — es ist der für manche unbezwingbar scheinende Endgegnerkampf des Levels! Die empfohlenen Taktiken zur Bezwingung dieses Hindernisses, im Tenor von “Naja, schau halt, dass du 99 Bandagen im Inventar hast und sie ununterbrochen spammst” tragen auch nicht gerade zum Vertrauen in die Game-Designer bei. Es ist dieser Zeitpunkt, an dem ich mich ernsthaft frage, ob ich mein potenzielles Traumspiel nicht einfach aus Prinzip wieder von der Platte hauen sollte.

Starbound ist dafür gemacht, verschiedenste Arten von Leuten anzuziehen: Galaxis-Erforscher wie mich, Power-Gamer auf der Jagd nach der besten Ausrüstung, friedliche Gärtner und Haustiersammler, Co-Op-Partner, die gemeinsam etwas Cooles bauen möchten — und scheinbar schafft es Starbound in seinem immensen Universum all diesen Leute etwas zu bieten. Bleibt die Frage, wieso man dieses Universum, also den Haupt-Selling-Point des Spiels, hinter einem Tor mit sieben Vorhängeschlössern versperrt. Ich für meinen Teil bin jetzt erstmal grantig und enttäuscht und warte weiter auf No Man’s Sky.