Erst wenn ich mal nichts mehr halte, merke ich, wie sehr ich sonst durchhalte. Durchziehe. Mich pushe. Stoße. An mir ziehe. So sehr damit beschäftigt bin mich weiter zu treiben, dass ich vergesse mich zu fragen wozu. Warum.

Erst wenn ich mich außer Atem fühle, müde und mir irgendetwas runter fällt — bildlich oder wörtlich — schnappt mein Atem erschrocken und stockt.

Und alles gefriert für einen Moment.

Erst seit kurzem kann ich in diesen kurzen Momenten meinen Blick heben. Von den Scherben aufsehen — bildlich oder wörtlich — und mich wieder umsehen. Mich wahrnehmen. Meine Umgebung wahrnehmen. Die Zeit…

Mein Jahr ohne Alkohol — eine freiwillige und überraschende Grenzerfahrung

Vor genau einem Jahr setzte ich mir ein Ziel. Es sollte ein Experiment sein. Ein Jahr lang würde ich keinen Alkohol trinken. Null. Nada. Zero. Bye bye Feierabendbierchen. See you Cocktails-mit-den-Mädels. Hasta la vista Entspannungsrotwein nach einem anstrengenden Tag.

Warum das Ganze?

Einerseits hatte ich gerade ein Meditationsretreat hinter mir und war wild entschlossen das mit der Meditationspraxis jetzt wirklich mal ernst zu nehmen. Und damit einher ging nunmal der klare Verzicht auf Alkohol.

Andererseits… nun ja… Neugier. Ging das überhaupt? Welche Rolle spielten Sektchen und Weinchen in meinem Leben wirklich?

Zugegeben: Ich zählte mich nicht zu den großen Trinkern…

Unser Plan: Ein Buch schreiben. Und zwar ein Handbuch für Fähigkeiten, die wir jetzt dringend brauchen und die uns niemand so wirklich beigebracht hat.

Jeder will jetzt Selbstorga. Jeder will agile. Und jeder verspricht sich davon etwas anderes. Die, die schon etwas mehr verstanden haben, worum es eigentlich geht, versprechen sich mehr Menschlichkeit bei der Arbeit. Die, die noch im Dunklen stochern, hoffen auf mehr Effizienz, mehr Leistung, bessere KPIs.

Dass Selbstorganisation irgendwas mit einem Paradigmenwechsel zu tun hat, haben die meisten schon mal gehört. Dass es irgendwie darauf hinausläuft Kontrolle abzugeben, Handlungsmacht zu verlagern, Verantwortung zu verteilen und Machthierarchien…

“Dein Herzchen wächst.“ — Von einer Frage, die wir verlernt haben zu stellen…

Früher, als ich klein war, stach es mir manchmal plötzlich in der Brust. Einfach so. Unangekündigt. Machmal beim Essen. Manchmal beim Rennen. Manchmal beim Malen oder in der Schule, zwischen Bastelarbeiten und Diktaten. Eigentlich gar nicht so schlimm und doch spürbar schmerzhaft. Vor allem jedoch eines: Unbekannt.

Kindergedanken, die sich um das Mysterium des eigenen Körpers und der eigenen Existenz drehen: „Was ist das? Was macht mein Körper da?“ Und vor allem „Ist das schlimm?“

Erlebnisse in der Kindheit sind nur schlimm, wenn Mama oder Papa sagen, dass sie schlimm sind. Also fragen, denn sicher ist sicher:

„Mama, mir tut…

Ich habe ihn entdeckt. Diesen kleinen Gedanken, der mir irgendwie ständig die Tour vermiest. So klein. So unschuldig. Und doch immer da. So zentral, dass er alles prägt. Alles färbt. Nicht mal ein fester Gedanke, sondern eine Frage.
Egal was ich tue, ich kann sie immer hören:

„Ist das eigentlich gut genug?“

Diese Frage. Ich höre sie immer wieder. Überall. Und fühle mich getrieben. Jeden Tag, jede Stunde, jeden Atemzug. Sie treibt mich an und ich treibe mich an, sie zu beantworten. Schaue mich um und hole mir Bestätigung.

Wer kann mir sagen, zeigen, helfen, zu beweisen, dass das was…

Wir haben einen Verrückten im Kopf.
Denn ginge irgendjemand den lieben, langen Tag neben uns her, ließe uns niemals alleine, kommentierte jeden unserer Schritte, das ganze Leben, pausenlos, ohne eine Sekunde lang die Klappe zu halten, wir hielten ihn für verrückt. Durchgeknallt. Maximal noch bemitleidenswert.
Stattdessen hören wir ihm zu.

Diesem Jemand, diesem Verrückten, der uns Geschichten von der Welt erzählt. Wie er sie sieht. Wie er die Menschen sieht, denen wir begegnen. Wie er uns selbst sieht. Erzählt von Plänen, Gedanken, Ängsten, Zweifeln, Urteilen, Träumen, Visionen, Erfahrungen. Kommentiert alles, was wir sehen und kategorisiert unser Erleben. Interpretiert und sortiert…

Nur mal angenommen, ich machte ernst.

Mal angenommen, ich macht ernst. Zöge es durch. Täte wirklich und endlich das, wonach mir doch so oft ist.
Wenn wieder alles zu viel wird. Wenn mich alles ankotzt. Alle scheinbar den Verstand verloren haben. Vor allem ich selbst.
Wenn ich, in diesen wenigen, klaren Momenten, in den Spiegel sehe und mich frage, was das eigentlich alles soll und wie lange ich mir noch erzählen will, zufrieden zu sein.
Glücklich zu sein.
So weitermachen zu können.
Zu wollen.

Nur mal angenommen, ich erlaubte mir zu denken, dass Dinge, die “die anderen” wollen, gar nicht…

… eine heilende Welt mit Mut für Utopien.

Ich wünsche mir eine heilende Welt.

Eine Welt, die nur heilen kann, wenn wir die Welten in uns selbst als erstes heilen.

Ich wünsche mir Menschen, die sich wieder kennenlernen. Menschen, die sich verstehen lernen. Sich wahrnehmen lernen. Sich hören lernen. Sich schätzen lernen.

Ich wünsche mir den menschlichen Verstand, der sich vorwagt, in die tiefsten Ecken seines selbst. Um zu entdecken, wahrzunehmen und zu verstehen. Der Fragen stellt.

Ich wünsche mir Mut für diese Reise ins Unbekannte. Ich wünsche mir den Glauben daran, dass dort keine Monster, sondern unverstandene Wunder warten.

Ich wünsche mir mutige Pioniere.

Pioniere, die von ihrem Weg erzählen…

Prokrastination. Aufschieberitis. Volkskrankheit und Grundlage für einen ganzen Wirtschaftszweig aus Ratgebern “How to beat procrastination”, Selbstmanagement Tools, Organisationsapps und “Effectiveness Workshops”.

Ich nenne das BULLSHIT! Bullshit auf den wir uns alle geeinigt haben. Mich eingeschlossen.

“Prokrastination” ist Selbstbetrug und die gesellschaftlich anerkannteste Lüge der Welt. “Ich bin da heute einfach nicht zu gekommen.”, denn es gab einfach zu viel zu tun. Das kennt doch jeder. Ist ja ganz normal. Man hat es einfach zu gut gemeint und sich zu viel vorgenommen.

Richtig! Es gibt immer zu viel zu tun. Und gut ist das Gegenteil von gut gemeint.

Wir nehmen uns…

Ich teile gerne. Dinge, Erfahrungen, Ansichten. Ich bin Idealist. Mit Leidenschaft. Manchmal werde ich belächelt und oft hört man mir sogar zu. Dafür bin ich dankbar.
Und ich versuche die Welt zu retten.
Und werde dafür belächelt.

Und in letzter Zeit fällt es mir zunehmend schwer meine Ansichten zu teilen. Ein Phänomen begegnet mir immer öfter, das mich verstummen lässt.

Während ich beschreibe, dass ich der Meinung bin, dass ich nicht bereit bin zu akzeptieren, dass meine Kinder Eisbären nur noch als aussterbende Spezies kennenlernen.

Dass es mich so unendlich wütend macht, wenn Konzerne sich über geltendes Recht stellen. Für…

Pia Pusteblume

Meditator, Sinnsucher, Weltretter, Brandredner, Pusteblume, Scrum Master, NLP- und Agile-Team-Coach.

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