Alle Jahre wieder

Oder:

Es gibt ein Leben nach Silvester

Noch schnell die restlichen Geschenke für Kinder und Familie kaufen, die Firmenweihnachtsfeier planen, bei der Arbeit alle angefangenen Aufträge abschließen und schonmal neue Projekte für das nächste Jahr planen, das Haus winterfest machen und alles für den Jahreswechsel vorbereiten.
Ja, alle Jahre wieder kommt der gleiche Stress! Aber ich muss sagen: Ich finde das ja langsam schon echt peinlich.
Da rennen die Menschen herum, verlieren fast ihren Kopf, haben nur noch „nach Weihnachten oder im neuen Jahr“ Zeit, weil sie so unglaublich beschäftigt und gestresst sind. Dass dann ausgerechnet eine Supermarktkette glaubt, die vom Einkauf Gestressten daran erinnern zu müssen, dass sie Zeit mit ihrer Familie verbringen sollen, finde ich schon absurd. Mal ganz abgesehen davon, dass es ziemlich makaber ist, durch die eigene Todesanzeige die Familie an den heimischen Tisch zu locken.
Außerdem ist es ja anscheinend extrem stressig, ein solches Familienfest zu planen. Ach wirklich? Ob Sie im Sommer ein Grillfest organisieren oder im Dezember eben das Weihnachtsfest, ist doch egal. Aber aus Weihnachten wird ein Riesending gemacht. Also ich verstehe das nicht.


Weihnachten ist, was Ihr draus macht
Und ich finde diesen Stress lächerlich. Weihnachten ist doch, was Sie draus machen: Sie haben mindestens drei Tage frei. Wie großartig! Denn was Sie mit diesen Tagen anstellen, ist allein Ihre Entscheidung. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit Verpflichtungen.
Es ist Ihre Sache, wann Sie welche Leute für wie lange sehen. Das können Sie unter erwachsenen Menschen ja besprechen, ohne dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlt. Außerdem wird es weder für Sie noch die erweiterte Familie ein — wie heißt es so schön? — besinnliches Fest, wenn keiner der Anwesenden wirklich Lust darauf hat und sich dazu genötigt fühlt. Nach Termin verordnete Besinnlichkeit funktioniert nämlich nicht.
Stattdessen können Sie die Zeit auch dafür nutzen, genau die Leute wiederzusehen, auf die Sie wirklich Lust haben — und sich aussuchen, wie lange Sie sie sehen möchten. Ich treffe mich an Weihnachten beispielsweise nicht mit meinen Eltern, weil wir uns keinen unnötigen Stress mit angeblichen Verpflichtungen machen wollen. Stattdessen gehen wir ganz gemütlich gemeinsam essen, wenn der hochstilisierte Weihnachtstrubel vorbei ist.


Was kommt nach Weihnachten?
Und noch etwas, was mich an dem ganzen Weihnachtsstress nervt: Da tun die Menschen doch tatsächlich so, als würde nach Weihnachten, oder spätestens zu Silvester, die Welt untergehen. Sie setzen sich Fristen, als wäre nach dem 24. Dezember nichts mehr möglich. Als könnten sie hinterher keine Geschenke mehr machen, könnten sich nie wieder mit Freunden und Familie treffen, aller Glühwein der Welt wäre ausgetrunken, Projekte könnten nicht mehr abgeschlossen und keine neuen Verkäufe getätigt werden.
Dabei hat doch jede Person auf dieser Welt, die bereits mehr als ein paar Jahre alt ist, schon oft genug die Erfahrung gemacht, dass nach Weihnachten im neuen Jahr nichts Besonderes passiert, nichts wirklich neu ist. Die Welt dreht sich einfach weiter wie vorher.
Was unterscheidet den Januar denn vom Dezember? Nichts. Absolut gar nichts. Es ist immer noch kalt, morgens immer noch dunkel, die Geschäfte haben weiterhin geöffnet, Freunde sind weiterhin Freunde und auch die eigene Firma operiert wie im Jahr zuvor. Es sind nur Ihre Gedanken, die Ihnen den Stress machen.


Und was dann?
Was viele bei dem ganzen Trubel vergessen: was sie tatsächlich erleben wollen. Also fallen Sie nicht auf den künstlichen Weihnachtsstress herein — egal ob privat oder bei der Arbeit. Gestalten Sie die Feiertage und ihr ganzes Leben so, wie Sie es wollen. Und machen Sie sich klar: Stress haben Sie nur dann, wenn Sie es zulassen.
Übrigens: Wenn das alles nicht hilft, machen Sie sich wenigstens eines bewusst: Letztes Weihnachten haben Sie ja auch überlebt.
In diesem Sinne: Eine stressfreie Vorweihnachtszeit!