SIE HABEN KEINEN STRESS

oder:

Warum Sie sich Ihren Stress selber machen


»Wir müssen den Auftrag unbedingt erledigen. Es ist eine Katastrophe, wenn wir ihn nicht bald abschließen!«

Ich schaue meinen Bekannten irritiert an. »Warum ist das denn eine Katastrophe?«

»Weil wir dann nie wieder einen Auftrag von denen bekommen werden.«

Er läuft in seinem Büro auf und ab. Ich kann ihm den Stress vom Gesicht ablesen: angespannter Kiefer, angeschwollene Schlagader, unruhiger Blick.
Hm. So ganz erschließt sich mir seine Argumentation nicht. Meiner Meinung nach müsste er sich gar keinen solchen Stress machen.

Warum nicht?

Weil hinter seinem Stress die Annahme steht, dass es schlimm ist, wenn er den Auftrag nicht zeitnah abschließt. Er sieht dann ganz furchtbare Folgen für sein Unternehmen: nie wieder Aufträge von besagtem Kunden. Sein Ziel, weitere Aufträge zu bekommen, sieht er davonschwimmen.

Er hat keine Idee mehr, wie er es abwenden könnte, und erklärt darum den Prozess, also den Weg zu seinem Ziel, mit einem Mal für beendet — und schüttet dadurch Adrenalin aus. Soll heißen: Er erzeugt sich Stress.

Das hält ihn natürlich davon ab, klar zu denken, kreative Lösungen zu finden, darüber nachzudenken, was er tatsächlich will und wie er es bekommen könnte. Denn unter Adrenalin arbeitet das Hirn nur noch reaktiv, spult also alte Muster ab. Neue Gedanken: Fehlanzeige!


Stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie sind auf dem Weg zum Bahnhof, um nach der Arbeit nach Hause zu fahren. Sie sind spät dran und beschleunigen Ihren Schritt. Ihre Gedanken überschlagen sich: »Ich kann den Zug nicht verpassen. Wenn ich zu spät zu Hause ankomme, verzieht sich mein Partner in die Stadt zum Saufen.«

Den Zug nicht zu kriegen, ist im Prinzip nicht weiter schlimm. Es kommt ja ein nächster und ein nächster. Was Sie in Stress versetzt, sind Ihre Annahmen, warum es so schrecklich ist, wenn Sie ihn verpassen — und damit den Weg zum Ziel, Zeit mit Ihrem Partner zu verbringen, für beendet erklären.

Dabei können Sie doch gar nicht wissen, was Ihr Partner macht, wenn Sie später nach Hause kommen. Vielleicht nutzt er die Zeit und überrascht Sie mit einem selbstgekochten Candlelightdinner …


Was ich Ihnen damit sagen will: Sie machen sich Ihren Stress selbst — und das führt dazu, dass die Situation schlimmer anstatt besser wird.

Gehen Sie also den Annahmen hinter Ihrem Stress auf den Grund. Sie werden schnell feststellen, wie entspannt das Leben tatsächlich ist.

Bild: Ursula Deja — fotolia.com

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