Rechtslexikon: Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie (AU-RL)

Seit 17. März 2016 ist ein Rechtskonstrukt in Kraft, das nicht weniger will als das Patientenentlassmanagement der Krankenhäuser, die Neufassung des § 46 SGB V und die Neugestaltung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen zu verbinden und harmonisieren.

Die Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie legt künftig den Maßstab für die Beurteilung von Arbeitsunfähigkeit fest. Damit soll ein bundesweit standardisiertes Verfahren eingeführt werden, das den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern, Krankenkassen und den Medizinischen Diensten (MDK) gewährleisten.

So dürfen künftig Ärzte in Krankenhäusern Arbeitsunfähigkeit für einen Zeitraum von bis zu sieben Kalendertagen nach der Entlassung feststellen. Diese Regelung gilt auch für stationäre Rehabilitationseinrichtungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Der unmittelbare Gang des Arbeitnehmers zum weiterbehandelnden Arzt kann also entfallen.

Ebenfalls angepasst wurde die Entstehung des Anspruchs auf Krankengeld. Er entsteht jetzt ab dem Tag der ärztlichen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit. Bereits praktisch umgesetzt wurde das Bestehenbleiben des Anspruchs auch dann, wenn die AU erst am nächsten Werktag bestätigt wird. Bisher führten Bescheinigungen, die an einem Freitag endeten und erst am Montag erneuert wurden, zu Problemen beim Krankengeldbezug. In nicht wenigen Fällen beendeten Krankenkassen Auszahlungen, weil die Arbeitsunfähigkeit vermeintlich endete — und bekamen aufgrund der bisherigen Rechtslage von den Gerichten Recht. Ebenfalls kein Thema mehr ist für den Arzt der Unterschied zwischen Entgeltfortzahlung und Krankengeldbezug.