So verstehst du das Buzzword-Bingo der Content Strategen

Jede Branche hat ihren ganz eigenen Sprech. So auch die Content Strategen und Content Marketer. Dieser Schmarrn ist so buzzy und cool, dass sogar die Leute, die sonst buzzy und cool sind, sagen: „Boah das ist aber buzzy und cool.“

Marketing-Dudes waren immer schon gut darin, Fachtermini und Slang zu unverständlichem Geschwurbel aneinanderzureihen. Doch seit einigen Jahren springt auch die Content Strategie auf diesen Zug auf und sie scheint sich mit einem nie dagewesenen Schwulst an Papperlapapp um einen Stockerlplatz im Kauderwelschen zu bewerben.

Das Witzige: Wir Content Strategen haben es mit Buzzwords inzwischen so übertrieben, dass wir selbst nichts mehr verstehen. Zeit also, die Community darüber aufzuklären, was wir mit unserem grotesken Gibberish überhaupt meinen.

Eine Übersetzungshilfe fürs COS-Kauderwelsch

360-Grad-Kommunikation: Bedeutet sinngemäß, erfolglos dort anzukommen, wo man anfing.

Accessibility: Jeder soll alles im Internet machen können. Auch, wenn er das nicht will und 99 Prozent sowieso niemanden interessiert.
 
Algorithmus: Wenn dir Facebook Content zeigt, von dem nur Mark Zuckerberg glaubt, dass du ernsthaft daran interessiert bist.

Artificial Intelligence: Leitet das Ende der Zivilisation ein. Die Antwort auf alles. Wird eh alle Marketer, Journalisten und Content Strategen überflüssig machen. Dann brauchen wir auch diesen ganzen Sprech nicht mehr.
 
Audit: Das händische Übertragen von Webseiten-Inhalten in eine absurd große Excel-Tabelle. Für eine bessere Übersichtlichkeit.

Backend: Magic behind the scenes.

Bewegtbild: Eine Folge von Bildern, die in kurzen Zeitabständen für den Betrachter die Illusion der Bewegung erzeugen. Also so etwas wie ein sich bewegendes Bild. Wie in: Film, Clip, Gif, Werbefilm, Werbespot.

Branding: Was mit einem Logo.

Brand Message: Extrem schwülstige Aussage, wie das Unternehmen beabsichtigt, die Welt zu retten.

Card Sorting: Skat.

Community: Wildfremde Menschen, die versehentlich auf etwas geklickt haben.
 
Content: Alles. Einfach alles. Auch: Irgendwas mit Worten und/oder Bildern und/oder Bewegtbild und/oder Tönen.

Content Strategie: Die Heiligkeit über dem Alles. Hat das Internet erfunden. Sogar Godot wartet auf sie.

Conversion: Ein Retweet.
 
Customer Journey: Früher sahen Verbraucher etwas und kauften es. Heutzutage begeben sie sich dabei auf eine “Odyssee”. Sündhaft teuer.
 
Data-driven: Wenn die kreative Idee fehlte.
 
Digital/Digitalisierung: Die Antwort auf alles. Davon kann man nie genug haben. Jeder glaubt auch daran, dass Digitalisierung allein glückseligmachend ist. Also lasst uns digitalisieren, was das Zeug hält.

Engagement: Ein Like.

Follower: Wildfremder, der irgendwas von dir umsonst haben will.

GitHub: Ein System, auf dem vielevieleviele Inhalte stehen, die die meisten aber nicht kapieren.

Influencer: 16- bis 18-jährige Teens, die Videos auf YouTube posten.

Informationsarchitektur: Genauso statisch wie Statik.

Innovativ: Steht in jedem Briefing.

Internet: Der ganz neue Scheiß.

Listicle: Eine Liste statt einem echten Artikel. Für Faule.

Monitoring: Auf einen Bildschirm gucken.

Multichannel: Ein und derselbe Schaaß auf vielen Kanälen.

Omnichannel: Ein und derselbe Schaaß auf allen Kanälen.
 
Persona: Völlig normale Ziel- oder Personengruppe, nur prosaisch ausgeschmückt und mit lustigen Namen.

Podcast: Zeitung als Radio, nur online.

Portfolio: Hat jeder Content Stratege. Lose Sammlung an sinnfreien Inhalten und einer Haltbarkeit von ziemlich genau zwei Jahren.

R: Kommt nach Q und vor S.

Smart Home: Während dich dein Smartphone weckt, geht die Dusche an und der Kaffee wird aufgebrüht. Oder so ähnlich.

Sprachassistent: Gerät, mit dessen Hilfe man im Smart Home das Licht an- und ausschalten kann. Quasi ein Lichtschalter.

Styleguide: Ein modischer Touristenführer.

User Experience: Surfen noch vielkrasscooler machen, damit sich Userinnen in eine Webseite verlieben. Passiert ja angeblich alle 11 Minuten.

User Research: Für viel Geld vorher herausfinden, welche gottverdammten Idioten da draußen eventuell bereit wären mein bekacktes Produkt zu kaufen.
 
Visibility: Neue Erkenntnis über die Wahrnehmung von Werbung: Nur sichtbare Werbung ist sichtbar!

Web Traffic: Orgienähnlicher Internet-Verkehr. Besteht bis zu 90 Prozent aus Bots, Click-Farmen, Domain-Spoofing, Spam und Versehen.

Workshop: Ein Meeting. Auch Round-Table genannt. Oder Summit. Oder KickOff. Oder Vortrag. Oder Meetup. Oder Deep-Dive. Jedoch meistens ohne Getränke und Pipipausen.

Gamification-Elemente beleben Content-Pieces.

Ich hoffe mit diesen Begriffserklärungen seid ihr beim nexten World Café mit den Kollegen oder dem nexten Barcamp gut prepared: Ansonsten erfinde einfach neue Buzzwords. Wir Content Strategen stehen drauf. Wir haben ja neben lustigen Begriffen einfach eine neue Disziplin erfunden.

PS: Ich darf nicht vergessen, meinen Studiengang und meine Hochschule zu verlinken. Und Kommilitoninnen von mir.