Luft nach oben!

Über die Qualität der Nachhaltigkeitsberichte österreichischer Unternehmen

30 Unternehmen haben dieses Jahr ihre Berichte eingereicht.

Am 13. November 2017 wurden die besten Nachhaltigkeitsberichte des Jahres mit dem ASRA ausgezeichnet und am kommenden Montag gibt es eine Heftkritik dazu im Podcast Tonspur N. Bleibt also noch kurz Zeit meine Enidrücke des Jahres als (langjähriges) Jurymitglied wiederzugeben.

Zuerst ein paar statistische Zahlen, die Juryvorsitzende Christine Jasch an den Beginn der Preisverleihung gestellt hat:

  • 12 Jurymitglieder,
  • 30 Einreichungen,
  • 12 Berichte ausgezeichnet,
  • darunter 2 neue Unternehmen,
  • und insgesamt ungefähr 250 Organisationen, die jemals in Österreich berichtet haben.

Weitere Zahlen finden sich in der Präsentation der Preisverleihung, deshalb will ich darauf nicht weiter eingehen, sondern nur drei fachliche Beobachtungen meinerseits wiedergeben.

Wesentlichkeit und Wesentlichkeitsmatrix

Zugegeben, GRI macht es einem Unternehmen nicht einfach und stellt umfangreiche Anforderungen an diese. Die Berichte sollen “die wesentlichen wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Organisation” wiedergeben und jene Aspekte “die Beurteilungen und Entscheidungen der Stakeholder maßgeblich beeinflussen” darstellen. Schlüsselwort ist an dieser Stelle Auswirkungen, in den englischen Versionen des Standards als Impact bezeichnet.

Und wenn man sich jetzt die 30 Berichte des Jahres ansieht und durchzählt, dann sieht man, dass gerade einmal 11 davon dies auch wirklich umgesetzt haben bzw. versuchen umzusetzen. Sprich zwei Drittel der Unternehmen trotz Verwendung des GRI Standards sich hier mit “Wichtig für das Unternehmen” und “Wichtig für die Stakeholder” oder ähnliche Bezeichnungen entscheiden und sich in den Berichten somit nur selten echte Auswirkungen der Geschäftstätigkeit wiederfinden. Und das obwohl sich gerade in den letzten Jahren der Fokus der Publikationen zum Positiven in Richtung Kerngeschäft und Wertschöpfungskette verlagert hat. Eine vergebene Chance aus meiner Sicht, hier die Qualität der Berichterstattung weiter zu steigern.

Noch eine weitere kurze Bemerkung zur Verwendung der GRI Berichtsvorgaben: Die Version “G3” kommt zum Glück dieses Jahr nicht mehr zum Einsatz bei den einreichenden Unternehmen sondern zum Großteil berichten diese nach “G4 Core”. Einige wenige Unternehmen haben sich an “G4 Comprehensive” herangewagt aber die umfassende Berichterstattung war dann leider doch nur “lückenhaftes transparent dargestellt”.

Stakeholdereinbindung

Auch in diesem Bereich fehlt leider wieder bei zwei Dritteln der einreichenden Unternehmen die Darstellung, wie Anspruchsgruppen in den Prozeß der Erstellung des Berichts mit einbezogen wurden. Und selbst bei den besten Berichten des Jahres ist dies meist die offensichtlichste Schwachstelle. Wie es scheint, ist die Transparenz und Offenheit sowie das Vertrauen die es für die echte Einbindung der Stakeholder braucht noch schwer umzusetzen.

Sustainable Development Goals (SDGs)

Ebenfalls ein Drittel der Unternehmen verbindet die Berichterstattung schon mit den SDGs. Das ist doch einmal etwas positives, schließlich sind diese erst 2015 beschlossen worden und wie und was diese für Unternehmen bedeuten ist noch nicht ganz klar. Hier wollen wohl einige Vorreiter sein und das ist gut so!

Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte aus den letzten 15 Jahren.

Frauen im Vorstand

Zugegeben, diese Zahl hat vermutlich nicht direkt etwas mit der Qualität von Nachhaltigkeitsberichten zu tun, aber ich finde diese trotzdem anmerkenswert: Nur in 3 der 30 Unternehmen die eingereicht haben ist eine Frau im Vorstand. Hier auch ein weiterführender Artikel zum Thema und einer Studie über die österreichische Wirtschaft.

Nachlese

Wer jetzt Lust bekommen hat nachzulesen, hier die Links zu den fünf Gewinnerberichten 2017:

Hier ein weiterer Nachbericht zur Verleihung. Weiters interessant vermutlich das Bewertungsschema der Jury sowie vielleicht Podcast Folge 21 aus 2016, in der auch die Juryvorsitzende zu Wort kommt.

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