17 Ziele für eine Nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeit, bitte warten!

Die österreichische Bundesregierung und die Ministerien lassen das Thema Nachhaltige Entwicklung wieder einmal links liegen.

Während viele Länder in Europa und international beginnen konkrete Schritte in Richtung der Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals #SDGs #GlobalGoals) zu setzen, wurde in Österreich eine interministerielle Arbeitsgruppe gegründet.

Was sich anhört wie eine gefährliche Drohung darf durchaus auch als solche verstanden werden. Bei der im Rahmen einer Veranstaltung des UN Global Compact Netzwerk Österreich von einem Vertreter des Bundeskanzleramts präsentierten Darstellung der geplanten Aktivitäten waren weder ambitionierte Ziele noch eine langfristige Strategie zu erkennen. Stattdessen wählt man den Ansatz der “Bestandsaufnahme”: Aktivitäten, die schon gesetzt werden, müssen von den Ministerien an die Arbeitsgruppe berichtet werden, um dann von dieser den SDGs zugeordnet zu werden. In den kommenden Monaten will man jetzt “Überzeugungsarbeit in den anderen Ministerien leisten”. Offensichtlich hat auch der Vortragende seine Zweifel, dass hier mit substantiellen Ergebnissen zu rechnen ist. Wann Österreich zum ersten Mal an die Vereinten Nationen einen Fortschrittsbericht liefern wird ist jedenfalls noch nicht beschlossen. Hier sind andere Länder weiter, so hat sich zum Beispiel die Schweiz verpflichtet im September 2018 erstmals in New York über die Zielerreichung zu berichten.

Auch wurde die Bitte an die anwesenden UnternehmensvertreterInnen ausgesprochen, etwas zu den den Sustainable Development Goals beizutragen— und dies dann am besten auch dem Bundeskanzleramt für dessen Fortschrittsbericht zur Verfügung zu stellen. Bleibt zu hoffen, dass hier auch Anleihen bei der Herangehensweise und Strategie der Unternehmen genommen wird. Die ebenfalls präsentierende Credit Suisse zeigte jedenfalls gleich einmal vor, wie das aussehen könnte.

Die von mir gestellte Frage, ob es nicht zielführend wäre diesbezügliche Aktivitäten zu nutzen um die Österreichische Nachhaltigkeitsstrategie wiederzubeleben, wurde nicht beantwortet. Vielleicht auch deshalb, weil dieser Prozess seit nunmehr 5 Jahren zum Erliegen gekommen ist. Länder wie Deutschland oder Dänemark gehen hier konsequent den Weg die nationale Nachhaltigkeitsstrategie mit den Entwicklungszielen in Einklang zu bringen. Eine weitere vertane Chance.

Auf meinen (inzwischen zugegeben schon sehr frustrierten) Hinweis, dass man dann vielleicht für eine konsequentere Umsetzung der SDGs am Ballhausplatz demonstrieren sollte, kam die lapidare Antwort: “Kommen Sie nur, wir haben ja auch schon jetzt zwei Demos am Tag.” Jedenfalls ein interessantes Demokratieverständnis.

Alles in allem ein sehr ernüchternder Abend mit einem wirklich frustrierenden Einblick in die österreichische “Realpolitik”. Einzig die Gespräche im Anschluss geben Grund zur Hoffnung. So empören sich eben doch immer mehr Menschen darüber, wie Zukunftsthemen in diesem Land politisch abgehandelt werden. Und Beispiele der anwesenden UnternehmensvertreterInnen zeigen, dass es durchaus — unternehmerisch und gesellschaftlich — Sinn macht, sich aktiv und strategisch für die Sustainable Development Goals einzusetzen.

Update 22.2.2016: Inzwischen ist auch der Nachbericht der Veranstalter online nachzulesen.

Update 29.2.2016: Auch im Podcast Tonspur N berichte ich kurz über die Veranstaltung.

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