Der Braun Series 9 — Model 9260s

Ein Testbericht für trnd.com

Vorab:

Dieser Bericht kommt zustande, da mir hierfür der Braun Series 9 Rasierer 9260s zum Testen zur Verfügung gestellt wurde. Bedingung ist einzig eine ehrliche und hilfreiche Bewertung — Lob und Kritik haben keine Auswirkung Zustellung, Behalt oder Nichtbehalt des Gerätes. Ein Honorar für diesen Test gibt es nicht.

Die Inhalte des Braun 9260s im Überblick. V.l.: Reiseetui, Bürste, Rasierer mit Standfuß/Ladestation, Netzteil und natürlich der Karton.

Das Paket

Kommen wir nun aber zum Wesentlichen, dem Rasierer.

Geliefert wurde er sicher gepolstert in einem Karton. Die Verpackung des eigentlichen Produktes war schon ein kleines Kuriosum, denn deren Oberseite schien zu Präsentationszwecken keinen einzigen Faltschlitz besitzen zu dürfen. Stattdessen befand sich die Öffnung auf der Unterseite, welche als Ganzes aufgeklappt werden muss. Innen steht Braun dagegen anscheinend gar nicht auf Effekthascherei. Ist das den Blick zunächst versperrende Produktheft entnommen, sind der Ladestandfuß, das Netzteil, eine Minibürste und die Rasiererreisetasche zu sehen. Das eigentliche Gerät ist noch darin verstaut. Sehr praktisch, denn der in insgesamt also drei Schichten geschützt verpackte Apparat kann beim Transport gar nicht defekt ankommen. Fürs Auge ist die Aufmachung des 400€-Gerätes allerdings nichts.

Der Rasierer selbst ist — und das ist meine ganz subjektive Meinung — ebenfalls keine vollkommene Augenweide. Der schlanke Körper mit dem durch die Schwenkachse optisch abgesetzten Scherkopf wirkt sehr edel, ganz im Gegensatz zu dem verbauten Material. Auf mich wirkt es wie billiges Plastik und die Glanzelemente in Chromeoptik scheinen sich bereits beim Auspacken um meine Fingerabdrücke zu reißen. Ich mag die Kombination aus mattschwarzen Elementen und gebürstetem Stahl, meinetwegen auch Plastik in Stahloptik, wesentlich lieber als Klavierlack. Verstärkt wird mein Eindruck durch die Haptik der Oberfläche und die extreme Leichtigkeit des Gerätes. Der gummierte Teil der Rückseite sieht dagegen wertig aus und fühlt sich auch so an. Ich vermute, dass die Materialwahl dem Ziel geschuldet ist, möglichst wenig Gewicht in die rasierende Hand zu legen und ich werde im weiteren Verlauf noch feststellen, welcher Aspekt mit der Zeit einen höheren Stellenwert bei mir einnehmen wird: die Optik oder das Gewicht.

Vom Material abgesehen gefällt mir die Haptik gut. Abzug im Detail gibt es bei mir für die aufeinandertreffenden Ränder der Plastikverschalung:

Gut zu sehen: Während ganz rechts am Scherkopf die Plastikelemente eindeutig verschweißt wurden, sticht gleich links daneben ein Grat unangenehm hervor. Diese sind auch am Griff mehrfach vorhanden.

Bei dem abnehmbaren Teil des Scherkopfes wurden diese schön und fast unsichtbar miteinander verschweißt. Die kleinen Lücken an dessen unterem Teil und am Griff wirken dagegen, als hätte man diesen Schritt dort vergessen. Als Grund dafür kann ich mir nur vorstellen, dass der Klingenteil nie repariert, sondern einfach ausgetauscht wird, der Bereich mit der Elektronik jedoch zugänglich bleiben muss.

Der Standfuß, das Netzteil, die Bürste und die Tasche sind stabil und wertig verbaut. Der Chromerand des Fußes gefällt mir persönlich aus oben genannten Gründen nicht, der Innenteil besteht aus dem von mir bevorzugten matten schwarz mit einer durch seine wie pulverbeschichtet rauen Oberfläche angenehmen Haptik.

Fast vergessen hätte ich den Punkt LED-Display. Ich weiß nicht genau, warum man damit unbedingt werben muss. Sie zeigt mittels fünf waagerechter Balken den aktuellen Akkustand beim Rasieren und Aufladen an. Den vollen Funktionsumfang der Anzeige kann man nutzen, wenn man den Akku restlos leeren möchte, denn die letzten neun Minuten werden tatsächlich als Ziffern angezeigt. Für mich, der zwischen fünf und zehn Minuten täglich mit seinem Bart verbringt, ist dieser Service fragwürdig. Wenn ich einen Rasierer bis zum letzten Balken genutzt habe, der dem System nach mehr als neun weitere Betriebsminuten garantiert, dann stelle ich ihn auf die Ladestation und kann mir sicher sein, dass er bei seinem nächsten Einsatz nicht leerläuft. Zudem besitzt der Series 9 einen Lithium-Ionen-Akku, was bedeutet, dass es zum einen unschädlich ist, ihn auch einmal zwischendurch aufzuladen, da es hier keinen Memory-Effekt gibt. Zum anderen mag ein solcher Akku weder überladen noch tiefenentladen werden. Eine Nutzung des Rasierers bis zur letzten Minute verkürzt also unter Umständen dessen Lebenszeit. Dennoch gefallen mir diese kleinen blauen Balken ganz gut und ich weiß es zu schätzen, wenn ich vor einem zweiwöchigen Ausflug guten Gewissens das Netzteil zuhause lassen kann.

Als letztes zu erwähnen bleibt das kleine Schlosssymbol, das aufleuchtet, wenn die Gerätesperre aktiviert wird. Die ist besonders dann praktisch, wenn das Ausbleiben des Rasierers zwingend erforderlich ist — zum Beispiel im Frachtraumgepäck eines Fliegers. Das Sicherheitspersonal bei Flughäfen versteht bei plötzlich summenden Koffern bekanntlich nicht allzu viel Spaß.

Nicht unbedingt für Jedermann von Interesse, generell aber sehr informativ ist die Bedienungsanleitung des Rasierers:

In Bildern zeigt die Anleitung gut und ohne Sprachbarriere Hinweise zu Funktionsumfang und Wartung des Rasierers.

Sie enthält nützliche Hinweise zum Funktionsumfang des Gerätes, zum Gebrauch, zur Reinigung und Pflege. Sehr gut finde ich auch die Tabelle mit potentiell auftretenden Fehlern und ihren möglichen Ursachen. Das könnte dem Kundigen in manchen Fällen den Anruf beim Kundenservice ersparen. Etwas ironisch finde ich den Vermerk zum Thema Umweltschutz, der auf die richtige Entsorgung der einzelnen Teile hinweist. Umweltbewusstes Handeln sollte meiner Meinung nach aber beim Hersteller beginnen. Von den über 100 Seiten des Heftes sind für jede Sprache nur etwas zehn relevant:

Eine Anleitung in 24 Sprachen. 100 Seiten, davon nur ca. ein Zehntel pro Sprache notwenig.

90% Papier und Druckleistung sind also bei jedem einzelnen Paket eingeplanter Abfall. Logistisch gesehen ist die Mehrsprachigkeit natürlich vorteilhaft — aus meiner Sicht wäre die Anleitung in Englisch und der Landessprache, dazu ein Verweis zum Download derselben in weiteren Sprachen aber ausreichend.


Die Rasur

Wie bei jedem Elektrogerät muss auch der 9260s zunächst vollgeladen werden. Standfuß ans Netzteil, Netzteil in die Steckdose, Rasierer auf den Standfuß und los geht es. Wie lange der Vorgang tatsächlich dauert, habe ich nicht mitbekommen, aber als ich keine Stunde später wieder an das Gerät dachte, war die Ladeanzeige bereits erloschen, der Rasierer demnach aufgeladen. Dass ich nach fünf Minuten Ladens eine Rasur durchführen kann, finde ich sehr praktisch, insofern ich meinen Akku tatsächlich einmal leeren sollte. Ansonsten kann es auch zwei Stunden oder die ganze Nacht dauern, bis wieder alle Balken des Displays zu sehen sind, denn hey! — Es ist ein Rasierer! Es ist ein Gerät, mit dem ich mich fünf, maximal zehn Minuten am Tag beschäftige und das dann wieder weggelegt wird. Genauer gesagt zurück auf den Standfuß und an den musste ich mich die ersten Male noch gewöhnen. Die Ladekontakte scheinen gefedert zu sein, was bedeutet, dass der Rasierer nicht komplett und starr einrastet, sondern etwas wippt und damit auch nicht immer exakt gerade in der Halterung steht.

Ein Bart, zwei Rasierer — Der neue Braun Series 9 (links) tritt gegen den gestandenen Braun CoolTec an.

Für den ersten Rasierereinsatz habe ich meinem Bart anderthalb Tage Zeit gegeben zu wachsen und sich für den Rasenmähertest vorzubereiten. Hier geht es darum, wie viel des Bartes bereits verschwindet, wenn der Rasierer nur ein mal über jede Stelle fährt. Dabei tritt er gegen den Braun CoolTec an.

Bereits beim Einschalten steht fest: Der Series 9 hat Power! Das bemerkt man als erstes leider auch an seiner Lautstärke. Davon abgesehen liegt er sehr gut in der Hand, was nicht nur der schlanken Form, sondern auch seiner enormen Leichtigkeit zu verdanken ist. Der regelrecht bequemen Handhabung dient zusätzlich der Schwenkkopf. Obwohl ich vom Cooltec nun schon seit Jahren daran gewöhnt bin, das Gerät senkrecht zur Haut zu führen, habe ich diese Bewegung beim 9260s sofort vergessen, den Rasierer quasi unbewusst draufgehalten und dem sehr leichtgängigen Gelenk den Rest überlassen.

Oben: Der 1,5-Tagebart noch einmal im Detail. Unten: Das Ergebnis beider Rasierer jeweils nach einer “Befahrung”.

Ergebnis Rasenmähertest:

Links der silberne 9260s, links der blaue CoolTec haben ihre jeweilige Gesichtshälfte nach dem Rasenmähervorbild bearbeitet und der Series 9 hat eindeutig gründlicher gearbeitet. Die Bartstoppeln sind wesentlich kürzer als beim Konkurrenten, wenngleich abzusehen ist, dass auch mit Brauns Flagschiff mehrere Fahrten für eine glatte Rasur notwendig werden.

Die Ergebnisse des Rasenmähertests im Detail. Der 9260s ist von Anfang an gründlicher, hat aber ebenfalls noch zu tun.

Die schwierigen Stellen sind bei beiden Geräten die gleichen: Das Gebiet um die Mundwinkel und die weiche Haut direkt unter dem Kinn. Anhand des Bartschattens ist dennoch zu erkennen, dass der Series 9 sowohl die härteren Haare als auch die auf nachgiebigem Grund besser erreicht.

Das erste Endergebnis sieht in beiden Fällen gut aus. Der Series 9 ließ mich leicht bluten, der CoolTec dafür Stoppel übrig.

Ein paar Minuten später ist die Rasur beendet.

Fakt ist: Mit dem 9260s benötigt man deutlich weniger Zeit zum Erreichen einer auch gegen den Strich größtenteils glatten Haut. Fakt ist aber auch: Ein Babypo bleibt weicher! Die Mundwinkel und der Kinnbereich bleiben weiterhin Problemgebiete für den Rasierer, der zwar tatsächlich kein Haar übersehen hat, die Haut aber dennoch nicht gänzlich glätten konnte.

Trotz der höheren Lautstärke fühlt sich das Rasieren mit dem Series 9 angenehmer an als mit dem CoolTec. Das Vierfach-Schneidsystem scheint sich bezahlt zu machen und reißt fast gar nicht an den Barthaaren. Weniger Hautrötung und Juckreiz sind die sicht- und spürbaren Effekte in meinem Fall. Allerdings hat der 9260s zwei kleine Schnitte an meiner Haut verursacht, was mit dem CoolTec noch nie passiert war. Vielleicht liegen die Schneiden enger an der Haut und nehmen so bisher ignorierte “Unebenheiten” einfach mit. Auf jeden Fall kam es seitdem zu keinem weiteren Schnitt.

Am Ende ist kein Unterschied zu sehen. Der Unterschied versteckt sich aber sowohl im Detail als auch in dem für dieses Ergebnis benötigten Zeitaufwand.

Von weitem gesehen gibt es keinen Unterschied zwischen den Rasurergebnissen beider Geräte. Tatsächlich, und das ist nur im Detail zu erkennen, ließ der CoolTec wieder einige wenige Stoppel übrig und die Haut juckte auf dessen Seite mehr. Der Series 9 war absolut gründlich, wenngleich auch er an einigen Stellen mehrere Versuche benötigt hatte. Ich für meinen Teil habe den Rasierer mittlerweile ins Herz geschlossen und freue mich besonders über die Schnelligkeit, mit der er sich über meinen Bart hermacht. Seine Leichtigkeit bietet einen echten Mehrwert im Gebrauch und ich schaue bereits über die sich auf den Glanzflächen tummelnden Fingerabdrücke hinweg. Gelagert wird er trotzdem in einem Schrank und präsentiert sich nicht auf einer Freifläche.


Die Reinigung

Nach dem Auspacken, Aufladen und Ausprobieren folgt nun das Auseinandernehmen, Ausfegen, Aufräumen oder jede andere mit Au beginnende Tätigkeit zum Thema Reinigen. Schnell erledigt ist das unter einem Wasserstrahl, wobei ich es bevorzuge, das Schneidsystem abzukoppeln und auch den Innenraum auszuspülen. Warum Braun bei seinem teuersten Modell ohne Reinigungsstation auf ein kleines Fläschchen Klingenöl verzichtet, ist mir schleierhaft. Selbst bei den günstigen Exemplaren ist sie anscheinend noch im Budget.

Derzeit versuche ich mich allerdings im leichten Ausklopfen und eben Ausfegen des Rasierers mit der kleinen mitgelieferten Bürste. Ihr Schicksal ist es übrigens, irgendwo herumzuliegen, andernorts verstaut zu werden oder bei Zeiten verloren zu gehen.

Kurzer Exkurs: Ich habe irgendwo ein billiges Haarschneideset. Das Gerät besitzt ebenfalls einen Standfuß und dieser enthält kleine Ausbuchtung für eine Schere, eine Klingenölflasche und einer Bürste. Toll, man hat gleich alles zusammen! Bei Braun hingegen soll der Rasierer aber einen eigenen Präsentationstisch bekommen, am besten mit einer versteckten Schublade für wichtiges aber unansehnliches Zubehör. Meiner Meinung nach muss Braun zukünftig nachlegen, beispielsweise mit einer Bürste in gleicher Optik und einem Metallgriff, der an die magnetischen Rückseite des Standfußes geklippt wird. Oder unter den Fuß, wenn ihm ein kleiner Hohlraum spendiert wird. Es gibt so viele dezente Möglichkeiten — eine davon sollte schon genutzt werden. — Exkurs Ende.

Die Reinigung mit der Bürste funktioniert jedenfalls gut und erspart mir das regelmäßige Nachölen der Klingen.


Meine Bewertung im Überblick:

Der Rasierer selbst:

+ schlank und handlich

+ sehr leicht

+ schnelles Aufladen

+ lange Akkulaufzeit

+ Anzeige des Akkustands

+ praktische Funktionssperre

– billig wirkende Plastikoptik

– im Detail störende, sichtbare Mehrteiligkeit der Verschalung

– Glanzflächen sind Fingerabdruckmagneten

Die Ausstattung:

+ Grundausstattung vorhanden

+ generell stabile und wertige Materialien

– Klingenöl zur Pflege nicht mitgeliefert

– Bedienungsanleitung zu 90% Papierverschwendung

Die Rasur:

++ sehr gründlich

+ leichtgängig

+ komfortabel durch Schwenkkopf

+ im Vergleich weniger Hautirritationen


Ein kleiner Kurzbericht zur Nassrasur

Der Series 9 ist wasserdicht und soll sich problemlos mit Rasierschaum oder unter der Dusche verwenden lassen. Letzteres habe ich probiert und den Versuch vorzeitig abgebrochen. Vielleicht ist meine Haut nicht dafür geeignet oder ich habe mich überaus dilettantisch angestellt. Auf jeden Fall war diese Rasur eine äußerst unangenehme und hakelige Angelegenheit. Meine Empfehlung hierfür gibt es vorerst nicht! Ich bleibe bei der Trockenrasur.