Logi ZeroTouch — Testbericht

Dieser Test erfolgte für das ComputerBild Magazin, welches mir ein solches Exemplar für eben jenen Zweck zur Verfügung stellte. Der Bericht ist hochgradig subjektiv, dafür aber ehrlich. Meine Meinung steht in keiner Verbindung zu dem Auftrag.


Das Logi ZeroTouch von Logitech — der knallrote, sich wertig anfühlende Gumminöppel, der von hinten aussieht wie ein Entenschnabel, liegt nun vor mir, bereit getestet zu werden. Nach meiner Freude, als einer der 60 Tester von ComputerBild ausgewählt worden zu sein, wurde ein wenig gedämpft, als den ZeroTouch aus der billig wirkenden Pappverpackung nahm. Vermutlich sind die Testexemplare eher pragmatisch verpackt, Präsentieren geht aber anders und wird deswegen hier nicht weiter bewertet. Mein Unmut bezog sich aber auf die Farbe:

Sicher, knallig ist modern und bestimmt gibt jeder gern 60€ für ein auffälliges Knubbelding aus, welches er sich entweder in der etwas einfacher oder eben edlen und fein abgestimmten Armatur seines eben mehr oder weniger kostspieligen Wagens an die Lüftung klemmt. Hängt das Handy dran, sieht man die Farbe nicht, hängt es nicht, ist es ein Blickfänger, der mich persönlich stört, potentielle Autoausräumer aber sehr direkt mit der Information versorgt, das hier etwas zu holen sein könnte. Nach dem Testzeitraum werde ich jedenfalls meinen schwarzen Edding zücken…

Kommen wir aber nun zu dem ZeroTouch selbst und seinen Funktionen. In erster Linie ist das Gerät selbst erst einmal eine magnetische Handyhalterung, nur eben für den fünffachen Preis. Und für eben jenen erfüllt es meine Erwartungen nicht.

Ich bin Nutzer eines 5,5 Zoll-Smartphones, welches ein seitlich zu öffnendes Flip-Case sein Zuhause nennt. Diese Hüllen sind dazu gedacht, dass das Handy ein mal eingelegt wird und dann dort auch bleibt. Logitech hat für Hüllennutzer eine runde Metallscheibe entwickelt, um den Magneten im ZeroTouch effektiver wirken zu lassen. Der war im Testpaket nicht dabei. Ob der mein im Folgenden geschildertes Problem mit der Frontklappe gelöst hätte, kann ich also leider nicht sagen.

Wie schon angedeutet, werden zu dem ZeroTouch Metallscheiben mit einer Klebefläche mitgeliefert, die man auf der Rückseite des Handys anbringen muss, was entweder pragmatisch und entsprechend weniger schön aussieht oder eben unter einer Hülle verborgen wird und möglicherweise an praktischer Wirkung einbüßt. Aber es geht nun einmal um eine Funktionserweiterung, also sollte man bei eben jenem Erweitern nicht darüber aufregen, wenn auch die Optik “erweitert” wird.

Wie im ersten Foto zu sehen habe ich das Plättchen nicht mittig angebracht, wie es in dem Videomontageanleitung der ZeroTouch-App angedeutet wird. Oberhalb der Mitte ist das aber kein Problem, zumindest was die Physik betrifft. Für mich war diese Entscheidung eher praktischer Natur. Mein Handy verfügt über ein NFC-Modul und das liegt in der Mitte. Metall stört Funksignale und ich wollte mir diese Funktion für eine andere nehmen lassen. Da NFC nur auf sehr kurze Distanz funktioniert, ist eine Abschirmung neben dem Modul unerheblich — beides kann also nebeneinander eingesetzt werden.

Die schwarze Platte am unteren Ende des Smartphones ist übrigens eine andere Erweiterung, nämlich ein zusätzlicher NFC-Chip, der ebenfalls mit der Metallscheibe und dem internen NFC-Modul konkurriert. Dass alle drei trotzdem funktionieren ist der Größe das Smartphones zu verdanken, denn die Teile würden sich sonst gegenseitig behindern und am Ende würde nur die Magnetwirkung des ZeroTouch übrig bleiben.

Soweit so gut. Alle Teile sind an ihren Plätzen, das Handy wieder in der Hülle und der rote Entenschnabel klebt wie durch Zauberhand an der Rückseite. Das sieht schon mal gut aus, doch wenn es dazu kommt, dass die Halterung das Handy halten soll und nicht anders herum, tritt das nächste Problem in Erscheinung:

Schieflage!

Langsam aber sicher neigte sich die Konstruktion zu Seite. Das Handy fiel nicht ab, aber auch nur so lange nicht, wie meine Schüttel-Fahrsimulation den Kopfsteinpflastermodus erreichte. Ich besitze mit dem Zerotouch nun also ein schräg hängendes Handy, das mir in den Pedalraum fällt, wenn die Erschütterungen zu stark werden. Nicht gut!

Aber — und das ist ein vorgegriffener Vorteil mit angehängtem Tipp für Flipcasenutzer — dem ZeroTouch ist die Nähe zu eurem Handy glücklicherweise schlichtweg schnuppe. Ohne es aufgemacht zu haben, sage ich, dass diese rote Gummiente nichts weiter als ein batteriebetriebenes Bluetoothmodul mit fixer ID besitzt, das hinter einem beweglich gelagerten Magneten sitzt. Die Lagerung ist übrigens der Stromschalter des ZeroTouch, der nämlich nur gekoppelt wird, wenn er an einem— genau: irgendeinem! — Metall hängt und sich der Magnet gegen die flache Seite drückt. Eine simple und einfache Möglichkeit der Verbindung und auch des Stromsparens.

Kurze Zwischenfrage: Heißt das dann, dass, wenn der Korpus vielleicht 15€ und das Bluetooth-Modul etwa 10€ kostet, wir hier 35€ für eine Android-App ausgegeben hätten?

Weiter geht es aber: Dieser simple Mechanismus, der rein gar nichts mit der Kopplung an das Handy zu tun hat, bietet sich für eine geringfügige Modifikation an. Klebt das Metallplättchen nicht ans Handy, sondern an irgendeine gut erreichbare Stelle eurer PKW-Armatur. Das Smartphone klemmt ihr wie bisher in die gängige Halterung an der Frontscheibe oder wo auch immer ein. Beginnt ihr mit der Fahrt, legt den ZeroTouch auf die Scheibe und euer eingerichtetes Smartphone startet die App trotzdem. Nach der Fahrt nehmt ihr das Handy ab und verstaut die Gummiente im Handschuhfach. Vergesst Ihr letzteres allerdings, werdet ihr Euch allerdings damit auseinandersetzen müssen, wie man die Batterie austauscht, was zwar möglich, aber ziemlich friemelig sein soll.

Übrigens: Sollte gerade kein Magnet aber ein Beifahrer zugegen sein, kann dieser den ZeroTouch auch die ganze Zeit schnell schütteln. Das funktioniert auch.

Ist die Einrichtung der Hardware abgeschlossen, kann es nun endlich mit dem funktionalen Herzstück weitergehen: der App. Ich frage mich an dieser Stelle immer noch, wie der ZeroTouch medial so gut ankommt. Alle Funktionen werden vom Smartphone bereitgestellt. Für mich ist die Ente lediglich ein knallroter Lizenz-Dongle wie er in seiner Funktionsweise eher bei teurer Kreativsoftware eingesetzt wird, um Raubkopien zu unterbinden. Mit anderen Worten aus meiner persönlichen Sicht: Logitech will eine App für +/-35€ verkaufen und verpackt sie mit einer hochwertig anmutenden Hardware, welche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und vom eigentlichen Verkaufskonzept ablenken soll. Logitech — habe ich da recht? Wenn nicht, bitte ich ausdrücklich um Aufklärung!

Die Koppelung von Handy und Ente jedenfalls lief bei mir recht problemlos und mir als erfahrener Anwender unbekannter Technik wurde es bei der Einführung etwas langweilig. Dennoch finde ich sie gut und Schritt für Schritt erklärt. Mir persönlich war das schnelle Erreichen der Befehlsübersicht allerdings wichtiger und das war auch gegeben. Gut so!

Die Unterstützung der Apps war hingegen ernüchternd: Zwei Mediendienste gibt es, die entweder mit Geld oder Werbung bezahlt werden müssen. Was ist mit dem Player für lokal gespeicherte Musik? Medial ist ZeroTouch für mich also zunächst nutzlos.

Während ich diese Zeilen schreibe, teste ich währenddessen immer wieder und eben sah ich das verfügbare, jedoch nicht per Benachrichtigung angebotene Firmware-Update. Für dieses habe ich ganze drei Versuche benötigt, denn, obwohl die Anweisungen einfach sind und ich den ZeroTouch am Magneten belassen habe, wird das Update ebenfalls unterbrochen, wenn über den problemlos gleichzeitig gekoppelten Lautsprecher etwas abgespielt werden soll. Dieser Fehler wird übrigens zu keiner Zeit angegeben. Eine entsprechende Warnung sollte also zumindest noch in die Update-Anleitung.

Die Navigation könnte bei mir über das durch Amazon bezogene Navigon, oder die über den PlayStore installierten Here und Google Maps erfolgen. Die direkt startende Navigation funktioniert allerdings nur bei Google Maps — beide anderen starten nur mit voreingegebenem Ziel. Navigon Select über den PlayStore soll bereits ein unterstützendes Update erhalten haben, aber das muss ein Nutzer mit Telekomvertrag klären.

Zu Beginn, als ich bestimmte Ziele in der App definiert habe — eine gut gedachte Funktion für Arbeit, Eltern usw. — klappte die Sprachansteuerung überhaupt nicht. Nach einem Neustart der App, des Telefons oder weil zwischendurch schönes Wetter war, klappten diese Ziele dann doch und das ziemlich zuverlässig sowie aus dem Kontext, z:b: “Bringe mich zu meinen Eltern.” Ich vermute den App-Neustart, aber auf jeden Fall sollte Logitech hier nicht mit Hinweisen geizen. Nach den ersten zehn und immer gleich lautenden fehlgeschlagenen Versuchen, war ich nämlich bereits demotiviert genug, diese Sprachsteuerung fürs erste nicht mehr verwenden zu wollen.

Das Diktieren der Nachrichten funktionierte hingegen erstaunlich gut, auch wenn sich mir die Zehennägel aufrollen, wenn ich versehentlich keine Punktierung angebe. Unbekannte zusammengesetzte Wörter werden in verkorkster Facebookchat-Manier klein und auseinander geschrieben. Man erkennt den Inhalt, er lässt sich von der App problemlos vorlesen aber sehen möchte ich die Nachrichten wirklich nicht! Ich nutze übrigens nur SMS, vielleicht auch noch Hangout. Für den Facebook- und Whatsapp-Chat (und eigentlich auch SMS) verwende ich den Mutltimessenger Disa, der leider nicht unterstützt wird. Meine Meinung: Unbedingt nachbessern!

Ansonsten reicht mir SMS zunächst.

Das auf Wunsch (=Koppeln) automatische Vorlesen und anschließende Diktieren finde ich übrigens so praktisch, dass ich den ZeroTouch derzeit am häufigsten am Arbeitsplatz nutze (ein weiterer Vorteil, wenn die Metallplättchen und nicht die Ente fixiert werden).

Und noch ein übrigens: Ich nutze dankbar die Option der abgekürzten Konversation. Die immer gleichen Fragen nach Bestätigung sind bei häufigem Gebrauch störend. Das ist aber meine persönliche Meinung und ich finde es gut, dass die Entscheidung über die Interaktionslänge in gesundem Maße dem Nutzer überlassen wird.

So langsam komme ich zum Ende meines ZeroTouch-Berichtes. Die App hat noch weitere Funktionen, die nützlich sind (Auto-Antwort “Kann gerade nicht” oder ähnliches sowie detaillierte Lautstärkeregelungen etc.) aber die stehen für mich am Rande meines Nutzverhaltens.

Die rote Gummiente ist für mich ein spannendes Stück Interaktionstechnik, die aber noch am Anfang ihrer funktionalen Entwicklung steht. Mehr Messenger und Mediaplayer müssen unterstützt werden. Zumindest funktionieren hier aber globale funktionierende Befehle wie “Wiedergabe fortsetzen” oder “Musik pausieren”, insofern ein Player bereits aktiv ist.

Zusammenfassend ist mir dieser Service aber keine 60€ wert und der ZeroTouch wäre an mir vorbeigegangen, hätte ich ihn nicht für einen Test bekommen. Ich bin mir sicher, dass über kurz oder lang ähnlich Apps auch ohne einen (wie ich vermute) Lizenzdongle auftauchen werden.


PS:

Meine Ente spricht übrigens Dialekt, wenn sie nach der Aktivierungsgeste nach ihrer Aufgabe fragt: “Was willst’n?”

:)