Was machen Sie denn da? — Die Komplexität der digitalen Transformation

Wir sind ja jetzt alle in der digitalen Transformation. Hier Industrie 4.nullt es, dort drüber wird der Prozess digital übersetzt und wir machen das jetzt mit Machine Learning, Smart Agents und sowieso Internet of Things. Ach und ich habe ja vergessen, dass alle Mitarbeiter schon in der Arbeit 4.0 angekommen sind. Alle befinden sich mitten in dieser digitalen Transformation, an allen Ecken und Ende, und wir wollen es auch. Wir sind bereit, uns der digitalen Welt zu stellen und sie mit aller Konsequenz in unsere Organisationen, Unternehmen und Startups einzubinden. Eigentlich sind die Startups ja schon alle digital. Wenn man es jedoch nüchtern betrachtet, dann ist es nicht weit her mit einer Transformation. Vielmehr passiert eigentlich viel Flickwerk in der Unternehmens- und Organisationswelt.

Es ist wie üblich das Problem der Abgrenzung, welches sich in vielerlei Situationen zeigt. Die digitale Transformation erlebt in unserem Sprachraum eine enorme Aufmerksamkeit. Die Politik hat es auf der Fahne stehen, die Wirtschaft möchte es gerne und viele bieten es an. Doch hier kommen wir schon in die unterschiedlichen Realitäten der geteilten Welten von Politik, Wirtschaft und Begleiter an. Wie wir denn der Begriff der digitalen Transformation wahrgenommen und genutzt?

Die einen sehen den großen Wandel im Umgang mit Kunden, die anderen sehen das große Wirtschaftsschwungrad, dass uns zurück an die Innovationsspitze bringt und die Dritten sind schon immer Spezialisten dafür. Also zeigt sich hier schon der erste Stolperstein — es bedeutet für jeden etwas bestimmtes aber niemals etwas Zusammenhängendes oder gar Gemeinsames. Alle wollen sich transformieren. Sie wollen von der alten Form in die neue und sie werden es schaffen. Sie werden kleine Insel von Transformationsfragmenten erzeugen. Sie ändern ihre kleine Zelle aber das ändert nichts auch rein gar nichts am Gesamtbild, der Wertschöpfung oder der Organisationsform.

Das große Ganze

Eigentlich mag ich Bild nicht aussprechen. ABER wir sprechen hier von einer Transformation, einem Wandel, einer Veränderung, die der ursprünglichen Form entwachsen ist. Also sage ich: Schaut auf das große ganze Bild! Eine Transformation besteht nicht darin, dass sich kleine Teile verändern, oder man eine neue Farbe auf einen Funktionssilo sprüht. Die Transformation muss eben alles erfassen und alles berücksichtigen. Wenn Sie eine Transformation und vor allem die Digitale haben möchten, dann müssen Sie sich fragen, welche Auswirkungen dieses Warum der Transformation mit sich bringt. Das Sie die Organisation ändern müssen, ist klar. Das Sie das Unternehmen agiler, flexibler und entscheidungsschneller machen müssen, ist immanent. Doch sind Sie sich darüber bewusst, was dies mit der digitalen Transformation mit sich bringt? Sie verändern das Gesamte und das ist weit mehr als Big Data auf die Datenbanken des Marketings zu schreiben.

Schritt für Schritt im Kleinen beginnen

Ich kenne es zur Genüge aus der Erfahrung, dass der große Urknall nur mit unserem Universum funktioniert. Wenn wir aber von der Neugestaltung, des Wandels bzw. der Transformation zu tun haben, dann müssen wir modular und in kleinen Schritten denken. Wir brauchen das große Bild, um alle verbundenen Elemente zu sehen, zu berücksichtigen und mitzunehmen aber wir müssen die Fragmente tatsächlich einzeln ändern. Das bedeutet nicht, dass die Datenbank mit dem Big Data Label im Marketing kein guter Aufschlag ist. Sie ist jedoch das erwähnte Fragment in der Transformation, die eine kleine Fliese im Mosaik, die wir ändern im Gesamtbild.

Die Krankheit der Silos

Man hat Ihnen ja in den letzten Jahren vorgeworfen, dass die Silos in Ihren Unternehmen und Organisationen, Sie behindern und Ihr Wissen einsperren. Dieser Vorwurf ist richtig aber er gilt auch nach außen. Die Welt in der sich Ihre Organisation dreht und verbindet ist auch wenig daran interessiert Silos aufzubrechen und Verbindungen hinsichtlich Dienstleistung, Know-How und Innovation aufzubrechen. Dafür sind wir alle viel zu viel in unser Unique Selling Proposition gefangen. Doch genau diese Silos in der Dienstleistung, Beratung, Service wie auch die Silos in Organisationen halten sich hartnäckig. Man behindert sich gegenseitig im Sehen des großen Ganzen. Jedoch braucht die digitale Transformation genau dieses. Wir müssen Silos loswerden. Wir müssen lernen, dass wir voneinander lernen, profitieren und uns gemeinsam entwickeln.

Daher meine ich auch, dass die Pilze die wie aus dem Boden der digitalen Transformation sprießen, vielfach nur Flechten sind, die sich von der Themenaktualität leiten lassen. Da gab es neulich das schöne Zitat: „Ich habe aktuell das Gefühl, dass alle Social Media Spezialisten plötzlich Digital Transformations Gurus geworden sind.“ Das Zitat zeigt, dass man sich weniger um den Inhalt als um die Aufmerksamkeit schert, die der Begriff mit sich bringt.

Wie gehen Sie damit um?

Natürlich gibt es viele, die die digitale Transformation als das große Ganze begriffen haben. Aber eben auch genügend, die mit der Floskel nur alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen. Wenn ich es runterbrechen wollte, dann führen Sie sich doch einmal folgende Punkt vor Augen:

  1. Was bedeutet denn ein ganzheitlicher Wandel nicht nur für mein Silo, sondern auch für die gesamte Organisation?
  2. Wie passt die vorgeschlagene Initiative XYZ in die digitale Transformation einer ganzen Organisation?
  3. Welche Voraussetzungen muss ich schaffen, dass es nicht nur technisches Aufhübschen ist, sondern die Organisation wird?
  4. Wie fügen sich die einzelnen Initiativen zu einem Wandel?
  5. Was ist das Ziel des Wandels?
  6. Ist es denn überhaupt eine Transformation?
  7. Warum brauche ich den Wandel?

Domino-Effekt

Als kleine Hilfestellung möchte ich Ihnen nur einmal kurz erläutern, warum die fragmentarische digitale Transformation nicht das große Ganze ist:

  • Sie bemerken, dass Ihre Kunden viele mit Ihnen austauschen wollen
  • Sie entscheiden, dass Ihr Unternehmen die Kanäle aufmacht und ein Ansprechpartner für Kunden wird
  • Sie rücken den Kunde als unternehmenszentrisches Bild in die Mitte
  • Sie schaffen eine Abteilung (Silo) die sich mit den Kunden kommunikativ verbindet
  • Sie schaffen für den Kunden Communities

Soweit so gut ein sehr lobenswerte Initiative, die Sie auf der digitalen Spur nach vorne bringen kann. Doch dann stockt es, denn es fehlen die Kapazitäten bei den Mitarbeitern, es gibt keine Inhalte und eigentlich muss auch erst einmal die Technik für die Communities stehen. Die Verknüpfungen und Zusammenhänge werden mehr. Diese Art der Kommunikation braucht ein neues Verständnis von Miteinander, Offenheit und Zusammenarbeit. Doch sind Ihre Mitarbeiter soweit? Verfügen Sie über die Wahrnehmung, die Fähigkeiten und die Eigenständigkeit? Nein? Dann müssen Sie wohl bei den Mitarbeitern beginnen. Und schon sind Sie aus der Einfachheit der Kundeneinbindung raus und im großen Ganzen.

Wenn Sie etwas transformieren, dann mit allem, jeden und allen Bestandteilen. Sie müssen eine Basis an Fertigkeiten, Bereitschaft und Möglichkeiten schaffen, die die Transformation trägt. Nehmen Sie den Mut und die Weitsicht zusammen und sehen Sie die digitale Transformation als eine ganzheitliche Herausforderung.

Und dann wartet schon die nächste Transformation auf Sie. Aber das wissen Sie ja.