Empörend: Compact wie jedes Jahr mit Stand auf der Leipziger Buchmesse

Update 09.03.2018: Zur Buchmesse erhält der Artikel wieder vermehrt Klicks. Ich möchte darum darauf hinweisen, dass er zwei Jahre alt ist und ich ihn nach den Ausschreitungen und den prominenten Auftritten bekannter Rechtsextremer auf der Frankfurter Buchmesse so nicht mehr schreiben würde.

Natürlich ist der Stand nicht schön. Der riesige Bereich in schwarz/rot ist schon immer gruselig. Immer nur zwei, drei traurige Gestalten über die Jahre, die einsam Kopp und Magazine anpreisen, bewacht von einer kleinen Gruppe Security. Ängstlich, traurig, abgeschottet mitten im Raum. Die Aufregung, Demo und vor allem den Vandalismus (Der Messe die Scheiben einwerfen, damit habt ihr es den Rechten so richtig gezeigt.) halte ich jedoch für übertrieben.

Der Verlag ist nun einmal beliebt und erhält immer mehr Aufwind durch neue Rechte. Aber er zahlt seit Jahren Unsummen für diese Präsenz. Mehr regen mich die vielen kleinen neurechten Esoterikverlage auf, auf deren Einnahmen die Messe locker verzichten könnte. Mehr regt mich eine halbe Halle voll Zuschuss-Abzocker auf. Auf der GC hat mich der große Bundeswehrstand direkt neben den Kriegsspielen aufgeregt.

Aber was man sich dabei denkt nach gut sechs Jahren Compact auf der Messe plötzlich Empörung zu heucheln wie es aktuell alle tun, das ist mir ein Rätsel. Solange Sarrazin, Ulfkotte und Pirincci in den Bestsellerlisten stehen, bildet dieser Verlag eine Mehrheit unter den Lesern ab und hat jedes Recht, auf der Messe präsent zu sein. Und ja, Elsässer ist schon immer mit vor Ort. Und auch andere Neurechte lesen im Rahmen der Messe. Auch linke Verlage lesen im Rahmen der Messe. Und Menschen, die über Engel schreiben. Und Hausfrauen, die Kalendersprüche veröffentlichen. Und gehypte Sexisten.

Ich möchte nicht, dass jeder Publisher, den ich nicht mag, nicht mehr kommen darf. Dann wäre die Messe leer. Das steht weder mir, noch euch, zu. Solange dieser Verlag sich im Rahmen der Legalität bewegt, solange Compact in jedem Zeitungsladen erhältlich ist, so lange werde ich verteidigen, dass sie dort stehen dürfen.

Anmerkung: Ich besuche seit nunmehr 10 Jahren die Leipziger Buchmesse beruflich. Es gibt viele Punkte, die es hier zu kritisieren gäbe. Die Überpräsenz der Verlage unter Bertelsmann zum Beispiel. Die teuren vermeintlichen Weiterbildungen branchenintern, in denen die Anbieter letztlich auch ausschließlich Werbung platzieren. Der große Raum, der Esoterikern geboten wird, von “Impfkritikern” bis Homöpathen. Die Merch-Stände rund um den Jugendbereich. Dass an einigen Ständen der Messe eine Flasche Wasser 8 Euro kostet. Die schlechte Organisation und die teils schlampige Verwaltung. Die Standpreise für kleine Verleger und die massive Überhöhung der Angebote der Öffentlich Rechtlichen. Die oben genannte Debatte jedoch schadet der Messe und lässt Besucher ratlos zurück. Bei zurückgehenden Besucherzahlen können wir uns diese Debatte nicht leisten, die anderen sollten wir dringend führen.