Tragischer Absturz aus dem Country Olymp : Sie war doch einmal so beliebt!

(Dieser Text ist zuerst erschienen auf Prinzessinnenreporter)

Gefallen, vergessen, eine tragische Parodie ihrer selbst. All das ist Dolly Parton leider nicht.

Was macht eigentlich Dolly Parton? Erstaunlich viel. Allerdings erfährt man in Deutschland aus irgendeinem Grund selten davon. Während Aktivistinnen wie Angelina Jolie und Amal Clooney weitestgehend als “Frau von [Schauspieler, Singer/Songwriter, Universalgenie]” in den Medien vorkommen, selbst wenn sie eigene wichtige Stiftungen leiten oder mit der UN zusammenarbeiten, finden weibliche Ex-Stars nur noch Verballerung als Dschungelcamp-Teilnehmerinnen.

Und so war ich nicht wenig überrascht, als @FrauFrohmann darauf hinwies, dass Dolly Partons Bücherprogramm für Kinder so eben einen Erfolg des 100 Millionsten Buches feierte. Ebenso war mir praktisch unbekannt, dass die Countrysängerin mittlerweile beliebte Kinderbuchautorin ist und ihre Bücher mehrfach neu aufgelegt wurden. In “Coat of Many Colors”, ein Buch das bereits verfilmt wurde, berichtet sie von einer Kindheit in Armut. “I Am a Rainbow” soll Kindern dabei helfen, ihre Emotionen durch Farben ausdrücken zu lernen.

Beide trugen auch zur Gründung der “Imagination Library” bei, dem erwähnten Programm, das einmal im Monat Kindern neue Bücher zusendet, die sich keine Bücher leisten können. Das Programm deckt dabei die “Versorgung” mit Lese- und Lernstoff von Geburt bis Kindergarten ab, also die Zeit, in der die Eltern möglicherweise mittellos keine Bücher anschaffen können, während die meisten Kindergärten und Schulen dann Bücherschränke oder kleine Bibliotheken zur Verfügung stellen.

”Es kostet mich eine Menge Geld, so billig auszusehen!”
(Dolly Parton, 2007 im Interview mit dem Evening Standard)

Hätte man mich gefragt, was Dolly Parton gerade macht, hätte ich aus Erfahrung mit dem üblichen Boulevard wohl gewettet, sie sitze tief verschuldet in irgendeiner eigenen Show im Privatfernsehen fest. Stattdessen organisiert sie Leseabende gemeinsam mit der Library of Congress. Und auch der Artikel, der in verschiedenen Medien die Runde macht, sie setze sich aktiv für Trump ein und er sei im ersten Jahr bereits besser als “Bush und Obama zusammengenommen”, stellte sich als Hoax heraus, im Rahmen dessen die Sängerin in eine politische Meinung gedrängt werden sollte, die sie öffentlich seit Jahrzehnten ablehnt zu äußern.

Aber wäre das nicht schön gewesen, die etwas doof scheinende Dolly mit den vergrößerten Brüsten und mutmaßlich aufgespritzten Lippen, heute gescheitert, abgerockt, den blöden Trump lobend?

Klischees, sie bröckeln so leicht.