Von der Bürde, ein Gutmensch zu sein
Enno von Friedland
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Vieles von Ihren Ausführungen vermag ich zu teilen bzw. als bedenkenswert zu respektieren. Ich meine auch, Ironie und Sarkasmus als Stilmittel zu schätzen.

Was mir schlicht degoutant scheint, ist Ihr Hinweis, dass viele Menschen ohnehin „nur noch ein paar Jahre, in denen sie ihre Rente vorm Café sitzend verjubeln können (sic)“ gleichsam sorgenfrei gestellt sind, weil sie sozusagen ihre Zukunft schon hinter sich hätten: Als Verfasser begeben sich damit auf dasselbe inhaltliche und sprachliche Niveau, dass Pegida oder andere radikale Gruppen wählen. Der einzige Unterschied liegt darin, dass Sie nicht die Gruppe der Flüchtlinge, sondern die der Rentner stigmatisieren und vermitteln damit (ich unterstelle ausdrücklich zu Ihren Gunsten: ungewollt) den Eindruck, dass Sie Personen ab einem bestimmten Alter oder in einer bestimmten sozialen Situation pauschaliert die Kompetenz zum analytischen Denken oder zur Teilhabe am demokratischen Prozess absprechen: Auch der wegen Erwerbsunfähigkeit oder Behinderung auf Rentenbezug Angewiesene wird ebenso wie der Altersrentner als Person aussortiert, die den Mund halten möge, da sie ohnehin auf der Terrasse dem Tod entgegensehe.

Ihrem Anliegen, eine offene und tolerante Gesellschaft zu erreichen, erweisen Sie so einen Bärendienst.

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